Kontrollen in Sachsen: Kein Lebendtiertransport ohne Mängel

Auf dem Autohof an der A14 in der Nähe von Döbeln in Sachsen führten Polizei und Veterinäramt eine zweitätige Kontrolle bei Lebendtiertransportern durch. Bei jedem der dreizehn kontrollierten Fahrzeuge wurde mindestens ein Verstoß festgestellt.

Einer Kuh lief bereits die Milch aus dem prall gefüllten und entzündeten Euter. Sie wurde nicht einmal vor Transport-Antritt gemolken. Ein Schwein mit Darmvorfall hätte gar nicht erst verladen werden dürfen. Beide Tiere wurden in den nächstgelegenen Schlachthof gebracht.

Ob es sich hierbei um innerdeutsche oder EU-Transporte handelte, bleibt unbekannt. Tatsache ist, dass die Tierschutztransportverordnung und auch die EU-Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport nicht ernst genommen werden. Sie bleiben zahnlose Tiger, solange deren Einhaltung nicht konsequent überprüft und sanktioniert werden kann. Dies ist derzeit nicht möglich, denn Kontrollpersonal, kurze und flächendeckende Kontrollintervalle und die kurzfristige Vernetzung von Ordnungsämtern, Polizei und Veterinärbehörden sind momentan nicht vorgesehen. Auch fehlt es deutschlandweit an Entladestationen für nicht transportfähige Tiere. Die Behörden können in diesen Fällen nur die Tötung im nächsten Schlachthof anordnen. Von Seiten der Bundesregierung kommt keine klare Vorgabe, in welchen Abständen und in welchem Umfang Tiertransportkontrollen stattfinden sollten. Genauso wenig, wie ein Förder- oder Finanzplan zur erfolgreichen Umsetzung und Einhaltung der Transportbestimmungen.

Insgesamt stellten die Kontrolleure 36 Verstöße fest. Bei vier Transportern waren die Auslassstutzen geöffnet, sodass die Fäkalien unkontrolliert abfließen konnten. Zwei Fahrzeuge waren überladen und hatten mehr Schweine an Bord, als gesetzlich erlaubt. Bei einem Lastwagen war die Trinkvorrichtung so hoch angebracht, dass die Tiere nicht trinken konnten.

Die letzte große Kontrolle von Tiertransporten in Döbeln liegt bereits ein Jahr zurück. Damals stellten die Beamten bei 43 Fahrzeugen 52 Ordnungswidrigkeiten fest. Der Exportmarkt von Lebendtieren blüht gerade auf. Immer mehr Tiere werden durch Deutschland, die EU und in Drittländer gefahren, teilweise unter unglaublichen Bedingungen. Aber auch innerdeutsche Transporte dauern oft acht Stunden und mehr und stellen eine Belastung für die Tiere dar. Durch die Zentralisierung großer Schlachthofbetreiber und dem „Wegsterben“ der kleinen und mittelständigen Schlachthöfe verlängern sich die Transportzeiten und Spediteure fahren zunächst mehrere Betriebe zum Beladen an, bevor sie sich auf den tatsächlichen Weg zum Schlachthof begeben. 

Um die Missstände und Vergehen bei Tiertransporten abzustellen, muss weit über den Tellerrand gedacht werden. Eine Transportzeitverkürzung auf zum Beispiel vier Stunden kann nur dann wirksam umgesetzt werden, wenn ausreichend regionale Schlachthöfe zur Verfügung stehen. Bei den heutigen hohen Auflagen und den enormen Kosten, die dabei entstehen, ist dies nicht zu erwarten.

Im Rahmen der Nationalen Nutztierstrategie, die sich auch mit Transporten und dem Töten von Tieren beschäftigt, sollten dieser Aspekte dringend berücksichtigt werden.

 

PROVIEH fordert:

  • Bundesweite Förderung der mobilen Schlachtung
  • Wiederherstellung von regionalen Schlachthofstrukturen
  • Verbot von Lebendtiertransporten in Drittländer
  • Einführung einer nationalen Transportzeitbegrenzung auf maximal vier bis sechs Stunden
  • Ein wirksames, staatliches Kontrollsystem mit bundesweit einheitlichen Sanktionen und Umsetzung des ordnungsrechtlichen Vollzuges
  • Überarbeitung der EU-Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport

05.03.2018

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