Kühe nicht mehr ganzjährig angebunden – bald Wirklichkeit?

11.12.2015: Die ganzjährige Anbindehaltung darf zu Recht als die Haltung verstanden werden, die die Kühe in der Auslebung ihrer arttypischen Verhaltensmuster am meisten einschränkt. Den Tieren wird lediglich das Hinlegen, Aufstehen, Fressen und Abkoten ermöglicht. Sozialkontakte und die gesundheitsförderliche Bewegung werden nicht ermöglicht.

Laut statistischem Bundesamt leben 1,3 Millionen Kühe in der Anbindehaltung. Differenziert wird hierbei aber nicht zwischen ganzjähriger und teilweiser Anbindehaltung. Bei teilweiser Anbindehaltung wird den Kühen meist über den Frühjahr- und Sommermonaten Weidegang gestattet. In den Wintermonaten leben diese Tiere dann im Stall.

Priska Hinz, Landwirtschaftsministerin von Hessen, hat einen Verbotsantrag zur ganzjährigen Anbindehaltung in den Bundesrat eingebracht und damit das bestätigt, was PROVIEH und andere Tierschutzvereine seit langem fordern – dass die Haltung an die Bedürfnisse der Tiere angepasst wird, nicht umgekehrt.
Bayern wehrt sich besonders gegen so ein Verbot. Viele klein- und mittelständische Betriebe müssten direkt aufgeben, da sich die wenigsten Landwirte den Neubau eines Laufstalls leisten können. Ein katastrophaler Strukturwandel in der Landwirtschaft sei die Folge. Rückenwind bekommt Bayern nun vom Bundesrat. Sein Agrarausschuss hat die Entscheidung über ein Verbot auf unbestimmte Zeit vertagt.

PROVIEH fordert dringend eine Entscheidung hin zu mehr Tierwohl. Wenn Tiere ihr Leben lang nicht die Möglichkeit haben sich ausreichend zu bewegen, verstößt diese Tatsache bereits gegen Paragraph zwei des Tierschutzgesetzes. Als Mitglied des Runden Tisch Tierschutz in Hessen unterstützen wir den Vorschlag von Landwirtschaftsministerin Priska und hoffen darauf, dass die Entscheidung über ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung nicht über einen unnötig langen Zeitraum verschleppt wird.

Stefanie Pöpken

Bundesrats-Antrag Hessen (PDF-Download)

Foto: PROVIEH