Kuh und Kalb – mehr Zeit zu zweit


 

PROVIEH kämpft für eine nachhaltige und wesensgerechte Haltung von Kuh und Kalb!

Kampagne: Kuh und Kalb – mehr Zeit zu zweit (#KuhundKalb)

Ziel der Kampagne: Kuh und Kalb gehören zusammen - Förderung einer wesensgerechten und tierfreundlichen kuhgebundenen Kälberaufzucht. 

Lämmer am Deich bei ihren Mutterschafen, Fohlen eng bei der Stute, Ferkel warm eingereiht an den Zitzen der Sau: Wieso sieht man eigentlich so selten Kälber bei ihren Mutterkühen? In Deutschland werden jedes Jahr circa vier Millionen Kälber geboren – denn um Milch zu geben, müssen Kühe jedes Jahr ein Kalb gebären. In dieser Milchviehhaltung hat sich über Jahrzehnte die Praxis manifestiert, Kuh und Kalb unmittelbar nach der Geburt voneinander zu trennen. Eine gemeinsame Zeit von Kuh und Kalb ist nicht vorgesehen.

Diese Praxis wird mit wirtschaftlichen und praktischen Argumenten begründet: Die Kuh kann maschinell gemolken werden, verbringt ihre Zeit am Futtertisch und nicht am Kalb und wird so dem Hauptziel der modernen Milchviehhaltung untergeordnet: Die Kuh soll möglichst viel Milch produzieren! Das Kalb wird daher kurz nach der Geburt von der Mutterkuh getrennt und anschließend vom Tierhalter mit dem Nuckeleimer getränkt. 

Die ersten zwei Lebenswochen lebt das Kalb meist in Einzelhaltung in sogenannten Kälberiglus und wird mit einem Gemisch aus Kuhmilch und Milchaustauschpulver getränkt – um nicht zu viel wertvolle Milch für das Kalb zu „verschwenden“. Die arteigenen Bedürfnisse von Kuh und Kalb werden durch diese Aufzuchtform untergraben und wie so häufig den wirtschaftlichen Belangen untergeordnet. 

 

 

Kuh und Kalb gehören zusammen!   

PROVIEH macht sich daher seit geraumer Zeit für die wesensgerechte und tierfreundlichere kuhgebundene Kälberaufzucht stark! 

Kühe leben in einem vielschichtigen Sozialverband und hegen tiefe Beziehungen zu Freunden und Familienmitgliedern in der Herde. Dies zeigt sich insbesondere in und nach der kuhgebundenen Kälberaufzucht: Die Mutterkuh ist in den ersten Lebenswochen des Kalbes durch einen starken Mutterinstinkt geleitet, erkennt ihr Kalb in der Herde am Geruch stets wieder und bleibt fortwährend in der Nähe ihres Kalbes. In der natürlichen Aufzucht säugt die Mutterkuh ihr Kalb bis zu fünf Monate lang in regelmäßigen Abständen mit bis zu acht Mahlzeiten am Tag. Nach etwa vier Wochen orientiert sich das kräftige Kalb zur Kälbergruppe und ist seltener bei der Mutterkuh. Durch die gemeinsame Aufzucht bildet sich langfristig eine enge Kuh-Kalb-Bindung aus, in der das Kalb intensiv vom erwachsenen Tier lernt und dadurch später bessere Sozialeigenschaften aufweist als Kälber aus konventioneller Aufzucht. 

Kuh und Kalb direkt nach der Geburt zu trennen, wie es in der Landwirtschaft gängige Praxis ist, widerspricht dem artspezifischen Verhalten und den Bedürfnissen dieser hochsensiblen Tiere. Für PROVIEH ist klar: Kuh und Kalb gehören zusammen! Deshalb befürworten wir die Umstellung auf kuhgebundene Kälberaufzucht ausdrücklich und machen uns in der PROVIEH-inKampagne „Kuh und Kalb – mehr Zeit zu zweit“ für diese Aufzuchtform stark. 

Für die Etablierung der Aufzuchtform in der Milchviehhaltung müssen zwei Brücken geschlagen werden: Zum einen ist es nötig, Verbraucher*innen für das Thema und die vorteilhafte Alternative zu sensibilisieren, damit sie für den bewussten Konsum von Milch- und Fleischprodukten aus dieser tiergerechteren Haltungsform gewonnen werdenund bereit sind, die Mehrkosten zu honorieren. Zum anderen ist es wichtig, interessierte Landwirt*innen bei der Umstellung auf die kuhgebundene Kälberhaltung zu unterstützen. PROVIEH bringt sich hier als ältester „Nutz“tierschutzverband mit seiner Expertise und seinem Netzwerk ein.

 

Was bisher geschah:

Gemeinsames Leuchtturmprojekt mit den HeuMilch Bauern

PROVIEH freut sich, die Pioniere der wesensgerechten kuhgebundenen Kälberaufzucht als „Nutz“tierschutzverein zu begleiten und das Verbundprojekt „Kuh plus Kalb“ gemeinsam initiiert zu haben. 

Die Demeter Erzeugergemeinschaft aus den Regionen Bodensee, Allgäu, Linzgau und Oberschwaben, die ihre Produkte regional und unabhängig vermarktet, praktiziert eine Milchwirtschaft nach höchsten Tierwohlstandards. Die 31 zertifizierten Bio-Betriebe arbeiten nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft in einem geschlossenen System: Sie verfügen nur über so viele Tiere, wie es das Land hergibt und keine Tiere werden zu- oder verkauft. Die Rinder werden gemäß ihren tierphysiologischen Ansprüchen gehalten: Als Wiederkäuer sind Rinder auf besonders rohfaserreiches Futter eingestellt. Der Name verspricht es schon, die Bauern sind HeuMilch-zertifiziert: Es werden ausschließlich Gräser verfüttert. Im Sommer ist damit Weidegang für die Kühe selbstverständlich und im Winter bekommen sie Heu gefüttert. Unphysiologischer Mais oder importiertes Sojaschrot sind für die Tiere tabu. Ein weiteres besonderes Merkmal: Die Rinder tragen bei den HeuMilch Bauern stolz ihre Hörner. Denn diese gehören zum Tier dazu!

Das Herz der Erzeugergemeinschaft ist jedoch die kuhgebundene Kälberaufzucht: Alle Kälber, männlich wie weiblich, bleiben mindestens drei Monate bei ihren Müttern und verlassen auch zur Mast nicht den Hof. Für die HeuMilch Bauern und für PROVIEH gilt: Keine halben Sachen – auch nicht bei den Bullenkälbern. 

Eine integrative, herdengebundene sowie kuhgebundene Kälberaufzucht macht die HeuMilch Bauern zum idealen Leuchtturmprojekt für die gesamte Milchviehbranche. 

Eine genauere Beschreibung der Aufzuchtform sowie deren Vorzüge ist unter FAQ´s zu finden.

 

Unabhängige Vermarktung mit eigenem Siegel

Was unter der Bezeichnung der kuhgebundenen Kälberhaltung zu verstehen ist, war bisweilen für Verbraucher und Landwirte unklar. Wie lang bleibt das Kalb bei der Mutterkuh? Wird sie nur von der Mutter oder auch von einer Amme getränkt? Wie erfolgt das Absetzen des Kalbes von der Milchkuh? Wie wird mit Bullkälbern verfahren? Um Klarheit zu schaffen und unter der Bezeichnung der kuhgebundenen Kälberhaltung eine verbindliche Aufzuchtform festzulegen, erarbeitete PROVIEH gemeinsam mit den HeuMilch Bauern die Mindestanforderungen der Mutter-/Ammengebundenen Kälberaufzucht, kurz MAK-Kriterien und legte diese als Standard für ihre kuhgebundene Kälberhaltung fest. Darauf aufbauend ist aus der Kooperation mit PROVIEH ein Siegel entstanden, das in Deutschland einmalig ist. Es steht als Garant für Produkte aus 100prozentiger kuhgebundener Kälberaufzucht nach den festgelegten Kriterien. Es steht weiterhin für die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Tierschutz – eine wunderbar ergänzende Kooperation. 

 

PROVIEHS Vision: 

Eine nachhaltige, tierfreundliche Haltung von Milch- und Mastvieh

PROVIEH setzt sich für eine nachhaltige und ethisch vertretbare Tierhaltung ein. Alle „Nutz“tiere sollen ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben dürfen und ohne psychische und physische Leiden gehalten werden - frei von Hunger, Durst, Fehlernährung und Unbehagen. Dafür kämpft PROVIEH in der Milchviehhaltung mit den zwei Kampagnen Kuh und Kalb.

Neben der kuhgebundenen Kälberaufzucht bedürfen auch andere Bereiche der Milchviehhaltung einer umfassenden Umgestaltung. Zu den arteigenen Bedürfnissen von Rindern gehört auch das Grasen sowie eine rohfaserreiche Ernährung. Die Weidehaltung von Milchkühen, Mastrindern und Jungtieren ist daher eine zentrale Forderung von PROVIEH. 

Viele spezialisierte Milchviehbetriebe stehen außerdem vor dem Problem der  überschüssigen Kälber. Damit eine Kuh Milch geben kann, muss sie einmal im Jahr ein Kalb gebären, aber nur wenige Jungtiere werden für die Nachzucht benötigt. Hochleistungsrassen, wie die schwarz-weißen Holstein-Friesian, werden allein auf hohe Milchleistung gezüchtet und setzen kaum Fleisch an, weshalb sich eine Mast der Milchkälber für oft nicht lohnt. Unzählige Bullenkälber, aber auch schwache und überzählige Kuhkälber, werden bereits mit einem Alter von zwei Wochen über lange Strecken quer durch Deutschland und ins Ausland transportiert, um dann in Intensiv-Mastanlagen in kürzester Zeit unter widrigen Bedingungen gemästet zu werden. Zum Glück gibt es inzwischen immer mehr Betriebe, die ihre Kälber mit aufziehen möchten, um ihnen die Tortur eines Langstreckentransportes und einer Intensiv-Mast zu ersparen.

 

Ansprechpartnerin

Wenn Sie als Verbraucher*in oder als Landwirt*in Interesse an der kuhgebundenen Kälberaufzucht haben – sei es an einer Beratung, einem Netzwerk mit praktizierenden Betrieben, an Verkaufsstellen oder einer aktiven Anteilhabe, kommen Sie gern auf mich zu! Ich begleite das Projekt Kuh und Kalb als Fachreferentin für Rinder bei PROVIEH und stehe Ihnen bei jeglichen Fragen zur Seite!

 

 

Anne Hamester

 

Bachelor of Science Agrarwissenschaften

Fachreferentin für Rinder

 

Telefon: 0431. 2 48 28-14 

 

E-Mail: hamester@provieh.de

 

 

 

 

 

Was kann ich tun?

Die Vermarktung von Produkten aus kuhgebundener Kälberaufzucht steckt noch in den Kinderschuhen. Weiter unten finden Sie eine Übersicht praktizierender Betriebe sowie von Verkaufsstellen jener Produkte. Häufig vermarkten die MAK-praktizierenden Betriebe ihre Produkte regional, in Naturkostläden, Hofläden oder in Direktvermarktung auf Wochenmärkten. Wenn Sie Interesse am Kauf dieser Produkte haben, schauen Sie sich in Ihrer Region gern um – vielleicht findet sich ein teilnehmender Betrieb ganz in Ihrer Nähe!

Alternativ können Sie auch bei Ihrem regionalen Lebensmitteleinzelhändler nach Produkten aus kuhgebundener Kälberhaltung nachfragen. So kommt das Interesse der Verbraucher beim Handel an und diese erwägen einmal mehr, dass geeignete Produkte gelistet werden.

Kennen Sie Milchviehbetriebe, für die sich die kuhgebundene Kälberhaltung eignen könnte? Sprechen Sie diese doch einmal an - vielleicht öffnet sich für den Betrieb damit eine Tür zu einer erfüllteren und tiergerechteren Haltungsweise von Kuh und Kalb.

Auf diesen Karten sehen Sie, wo sich bereits Betriebe mit Ammenkuhhaltung oder muttergebundener Kälberaufzucht in Deutschland befinden.

 

 

 

 

Spenden und engagieren Sie sich jetzt!

Haben wir Ihr Interesse geweckt, sich für Tierschutz generell oder im Speziellen für unsere Kampagne „Kuh und Kalb – mehr Zeit zu zweit“ einzusetzen? Dann melden Sie sich gerne bei uns Gemeinsam bringen wir den „Nutz“tierschutz voran.

Das Fundament unserer Arbeit bilden Spenden und Mitgliedsbeiträge. Mit Ihrer Spende setzen wir uns dafür ein, dass künftige Generationen von Kälbern bei Elterntieren aufwachsen können..

Neben dem finanziellen Gerüst machen ehrenamtlich engagierte Menschen einen großen Teil unserer Tatkraft aus. Wenn Sie sich sogar aktiv für „Nutz“tierschutz einbringen wollen, im Großen oder Kleinen, sind wir Ihnen von Herzen dankbar! 

 

Besuchen Sie unseren Online-Shop

Finden Sie unsere schönen T-Shirts mit dem Kuhmotiv "Artgerecht statt ungerecht!" in Ihrer Größe. Die T-Shirts sind aus 100 Prozent Bio-Baumwolle und der Druck ist echte Handarbeit aus Kiel.

 

 

Hochwertige Emailletasse mit Aufdruck: "Kuh und Kalb gehören zusammen!"

Das Motiv ist mit Liebe handgemalt und steht für unsere Forderung nach einer muttergebundenen Kälberaufzucht.

www.provieh-shop.de

 

 


 

 

 


Weitere Informationen: