Lebensmittelverschwendung – Verschwendung von Leben

07.08.2015: Ein Drittel aller Lebensmittel landet in deutschen Privathaushalten auf dem Müll. Besonders hoch ist der Anteil von Gemüse, Obst und Brot, aber auch Fleisch wird vergeudet. Über vier Kilogramm Fleisch und Wurst werden laut der Heinrich Böll Stiftung („Fleischatlas extra“) in Deutschland jährlich pro Kopf verschwendet. Das sind gute sieben Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Fleischverzehrs von rund 60 Kilogramm.

Umgerechnet auf Schlachttiere sind das 230.000 Rinder, 1.800.000 Enten, 2.700.000 Puten, 4.100.000 Schweine und 45.000.000 Hühner, die von uns Verbrauchern jedes Jahr achtlos in den Müll geworfen werden. Diese Tiere sind völlig umsonst gestorben. Wertschätzung sieht anders aus!

Weggeworfene Lebensmittel sind aber nicht nur moralisch fragwürdig, sondern haben auch direkte Auswirkungen auf unsere Umwelt und unsere Ressourcen. Für jedes weggeworfene Lebensmittel wurde Fläche, Wasser und Energie verschwendet. Zusätzlich entstehen durch den Müll große Mengen CO2, die sich negativ auf unser Klima auswirken und durch die steigende Nachfrage nach den verschwendeten Rohstoffen wird der Preis unnötig in die Höhe getrieben.

Die Zahlen im „Fleischatlas extra“ erfassen nur die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln in den Privathaushalten, aber gerade im Lebensmitteleinzelhandel gibt es ebenfalls ein großes Problem der Lebensmittelverschwendung, denn täglich landen massenhaft unverdorbene Nahrungsmittel in den Supermarkt-Containern. Auch hier muss ein Umdenken stattfinden, denn wir verfügen nicht über unendliche Ressourcen und müssen alle an einem Strang ziehen.

Welche Teile vom Tier verzehrt werden, ist kulturell bedingt. In ärmeren Teilen der Welt wird versucht, so viel wie möglich vom Tier zu verzehren, während bei uns überwiegend nur noch die Filetstücke, Koteletts und Schnitzel auf den Tisch kommen. Der Rest des Tieres wird beispielsweise zur Energieerzeugung oder als Dünger genutzt, an unsere Haustiere verfüttert oder auch in Drittwelt- und Schwellenländer exportiert. Diese Art des Konsums ist weder ökologisch noch moralisch sinnvoll.

Obwohl in Deutschland der Fleischkonsum im Zusammenhang mit Tierseuchen und Ekelfleischskandalen leicht zurückging, produzieren wir mehr Fleisch denn je, unter anderem weil die aufstrebenden Mittelschichten in den Schwellenländern Fleischkonsum als Statussymbol betrachten und dieses mit fortschreitender Urbanisierung und wachsender Kaufkraft vermehrt nachfragen. Das Tierwohl rückt dabei in den Hintergrund und auch die Umwelt und das Wohl der Verbraucher bleiben bei der Billig-Fleischproduktion oft auf der Strecke.

 

Fleisch - vom Luxusgut zum Billigprodukt

Noch vor einigen Jahrzehnten war Fleisch in Deutschland ein Luxusgut. Der Sonntagsbraten war etwas Besonderes und wurde bewusst konsumiert, da man sich diesen nicht jeden Tag erlauben konnte. Das ist vorbei, seit wir uns täglich Billig-Fleisch aus der Massentierhaltung leisten können.

Der permanente Preiskampf der Discounter trägt an der mangelnden Wertschätzung von Fleisch eine Mitschuld. Während wir im Jahr 1950 noch 50 Prozent des Einkommens für Lebensmittel verwendet haben, sind es heute nur noch 9,5 Prozent.

Aber nicht alles ist schlecht. Bei vielen Menschen in den Industriestaaten hat sich in den letzten Jahren das Bewusstsein für Fleischkonsum verändert. Sie interessieren sich dafür, wo ihre Wurst herkommt und verzichten teilweise oder ganz auf Fleisch und tierische Produkte. Es gibt inzwischen ein großes Angebot an vegetarischen und rein pflanzlichen Alternativen in den Supermärkten und viele vegetarische und vegane Rezepte, so dass es kein Problem ist, zumindest an einigen Tagen auf Fleischgerichte zu verzichten. Wenn wir von dem Billig-Fleisch und den schlechten Produktionsbedingungen wegkommen wollen, hilft nur eine Änderung des Konsumverhaltens.

PROVIEH setzt sich für eine artgemäße, wertschätzende Tierhaltung ein. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln ist essentiell, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Das heißt sowohl weniger Fleischkonsum insgesamt – dafür eine bessere Qualität zu einem angemessenen Preis – als auch weniger Fleisch im Müll. Bitte helfen Sie mit, denn hinter jeder weggeschmissenen Packung Wurst und Fleisch steht der Leidensweg eines Tieres, das für den Abfall gestorben ist.

 

Sandra Lemmerz