Lidl-Haltungskompass: PROVIEH sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf

Pressemitteilung

 

Lidl hat sich zur Aufgabe gemacht, ab Ende April die Haltungsbedingungen von „Nutz“tieren zu kennzeichnen und so für mehr Transparenz bei Fleisch aus dem Discounter-Sortiment zu sorgen. PROVIEH e. V. sieht dabei erheblichen Nachbesserungsbedarf. Alleine die Umkehr der bekannten Kategorien von 0 - 3 wie beim Ei  ist äußerst kritisch. Bei der gesetzlichen Eierkennzeichnung steht die 0 für ökologische Tierhaltung und die 1 für Freilandhaltung. Das muss auch so bleiben, damit ein Wiedererkennungswert für Verbraucher gegeben ist. Stattdessen findet sich beim Lidl-Haltungskompass der gesetzliche Mindeststandard in der Kategorie 1. Kategorie 2 bildet die unwesentlich bessere „Stallhaltung plus“ ab. In der Kategorie 3 haben die Tiere Zugang zu einem Außenklimabereich. Doch damit nicht genug. Lidl führt eine vierte Kategorie ein, in der Premium-Tierwohllabel und ökologische Tierhaltung zusammengefasst werden. In Bezug auf gleichwertige und tiergerechte Haltungssysteme mag dies sinnvoll erscheinen, beim konsequenten und fairen Umbau der Landwirtschaft hingegen nicht. Nachhaltige, ökologisch erzeugte Futtermittel und der Verzicht auf Antibiotika in der Biohaltung sind nicht generell gleichzusetzen mit den Anforderungen verschiedener Premium-Tierwohllabel.

„Die Bundesrepublik sollte nun ihre Aufgabe ernst nehmen und für Transparenz und Aufklärung bei Lebensmitteln tierischer Herkunft sorgen“, sagt Angela Dinter, Fachreferentin bei PROVIEH. „Eine verpflichtende Haltungskennzeichnung analog zur Eierkennzeichnung ist längst überfällig“. Die Lösung dieser Aufgabe darf nicht dem Lebensmitteleinzelhandel überlassen werden, sondern ist ein klarer Auftrag an die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

PROVIEH erwartet nun ein Signal von Seiten der Bundesregierung. Die Erarbeitung eines neutralen und fairen Kennzeichnungsmodells, das durch staatliche Fördermaßnahmen flankiert wird, könnte den Umbau zu einer tiergerechten und fairen Landwirtschaft ermöglichen.

PROVIEH hat bereits 2016 ein Praxismodell für eine verpflichtende Haltungskennzeichnung erarbeitet. Es basiert auf der wissenschaftlichen Einschätzung zu Tiergerechtheit und Tiergesundheit des Nationalen Bewertungsrahmens.

 

https://www.provieh.de/haltungskennzeichnung

https://provieh.de/downloads_provieh/images/Praxismodell_Haltungskennzeichnung.pdf

28.03.2018

Ansprechpartnerin:
Angela Dinter 
Fachreferentin
Telefon: 0170 48 75 75 4
Mail: dinter@provieh.de

 

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