Mehr Transparenz bei Fleischherkunft gefordert

23.02.2015: Man stelle sich eine Kühltheke im Supermarkt vor: Jedes Stück Fleisch und Wurst ist mit einer Ziffer gekennzeichnet, die auf die Haltungsform des Tieres hinweist, wie bei den Eiern. Das könnte bald Wirklichkeit werden. Die Verbraucher könnten dann auf einen Blick sehen, ob das Tier beispielsweise sein gesamtes Leben im Stall verbracht hat oder auch nach draußen durfte, ob seine Umwelt reizarm oder mit Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestaltet war, ob es artgemäß gefüttert oder mit Kraftfutter vollgepumpt wurde etc. So ließen sich hier noch viele weitere Beispiele aufführen. Die durch eine simple Kennzeichnung nach der Haltungsform geschaffene Transparenz würde ganz neue, bewusstere Kaufentscheidungen ermöglichen.

Überblick

Bestes Beispiel ist die vor einigen Jahren eingeführte und gesetzlich verbindliche Kennzeichnung von Eiern. Die daraus entstandenen Diskussionen haben dazu geführt, dass Schaleneier aus Käfighaltung (3) vom Handel ausgelistet wurden, auch weil die Kunden mit ihrem Kaufverhalten deutlich zeigten, dass sie Eier aus alternativen Haltungsformen, aus Bio- (0), Freiland- (1) oder Bodenhaltung (2) bevorzugten. Was würde also passieren, wenn dem Verbraucher plötzlich die Information zur Haltungsform direkt und klar sichtbar auch für Fleisch und Wurstwaren zur Verfügung stünden? Dies soll auch am 26. Februar 2015 in Berlin im Rahmen einer vom baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium initiierten Podiumsdiskussion diskutiert werden, die PROVIEH mit Interesse verfolgt.

Chancen

Konventionelle Bauern, die ihren Tieren mehr bieten als die gesetzlichen Mindestanforderung, erhalten für den Mehraufwand momentan keine zusätzliche Entschädigung, da die Verbraucher darüber nicht informiert werden. Die heutigen Preise stehen teilweise in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen finanziellen Aufwendungen der Landwirte, zum Beispiel bei der Milch: Die wird derzeit nur noch mit unter 30 Cent pro Liter bezahlt und deckt damit nicht die Erzeugungskosten der Tierhalter. Hier böte die zusätzliche Kennzeichnung nach Haltungsform eine Preisdifferenzierungsmöglichkeit und dadurch einen direkten Weg, diese zusätzlichen Maßnahmen zu entlohnen. Denn: Gute Haltung darf und muss seinen Preis haben!

Was wir bis dahin tun können

Auch wenn es momentan noch keine Kennzeichnung nach Haltungsform für Fleisch und Wurst gibt, bleiben uns einige Möglichkeiten, durch unseren Kauf bewusst bessere Haltungsbedingungen zu unterstützen:

  • Fleischprodukte aus ökologischer Erzeugung sind als solche gekennzeichnet. Man bekommt sie in ausgesuchten Schlachtereien, Naturkost- oder Hofläden, immer öfter auch im Supermarkt.
  • Kleine Schlachtereien kennen ihre Zulieferer meist persönlich und können auf Nachfrage sagen, woher und aus welcher Haltung das Fleisch stammt.
  • Billiges Fleisch aus der Kühltheke bedeutet meistens keine artgerechte Haltung.
  • Lieber das Sandwich oder Pausenbrot selber belegen und nicht fertig kaufen.

Was PROVIEH fordert

PROVIEH fordert seit Jahren eine transparentere Kennzeichnung von Lebensmitteln. Würde sich diese bei Fleischprodukten in Zukunft etablieren, könnten sich  Haltungssysteme, die den Tieren ein Mehr an Artgerechtheit bieten, letzten Endes durchsetzen und Agrarfabriken, die billig und qualvoll produzieren, ihre Tore schließen. Ganz nach Darwin: „ Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand“.

Machen Sie mit

Unterstützen Sie uns. Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten über die unterschiedlichen Haltungsformen und wie bewusstes Einkaufen in Zukunft etwas daran ändern kann. Und unterzeichnen Sie bitte die Petition unserer europäischen Partnerorganisation Compassion in World Farming zur europaweiten Einführung der Kennzeichnung von tierischen Erzeugnissen nach der Haltungsform der Tiere.

 

Stefanie Pöpken und Sabine Ohm

Foto oben und mitte: © PROVIEH; Foto unten: © freeanimalpix


Quellen & weiterführende Informationen: