Milcherzeugnisse ohne Gentechnik im Supermarkt – ein weiterer Meilenstein im Kampf gegen GVO in der Nahrungskette

12.01.2010: Das Jahr 2010 beginnt mit guten Nachrichten: Neben REWE und Tegut verkauft auch LIDL gentechnikfreie Milch.

Unter dem Label "Die faire Milch" bietet die Milchvermarktungsgesellschaft Süddeutschland (MVS) seit Jahresbeginn 2010 Milch an, die garantiert ohne Gentechnik produziert wurde und ihrem Namen alle Ehre macht: Eine faire Preispolitik gewährt den Landwirten adäquate Abnahmepreise, regionale Vertriebsstrukturen fördern den Erhalt des ländlichen Raumes, und durch hochwertige Fütterung bietet die Milch den Kunden zudem einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. “Die faire Milch” ist bisher nur in Filialen der Supermarktketten REWE und Tegut in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen erhältlich. PROVIEH hofft, dass diese vorbildliche Initiative bald auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt wird.

Seit Wochenbeginn stehen auch schon beim Discounter LIDL in Bayern Milcherzeugnisse in den Regalen, die ebenfalls ohne gentechnisch veränderte Organismen (GVO) produziert werden. Der Spiegel berichtete am 10. Januar 2010 in seiner Online Ausgabe, dass dort Milch, Joghurt und Butter mit der Aufschrift "Ein gutes Stück Heimat" angeboten werden. Die Produkte stammen garantiert aus der Region, tragen aber noch nicht das neue “Ohne Gentechnik”-Etikett – wohl aber bald? LIDL verlangt schon jetzt von seinen Lieferanten eine Garantieerklärung, dass ihre Tiere nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln (Genmais, Gensoja etc.) gefüttert werden. Dies geht aus einem internen Schreiben hervor, welches dem Spiegel vorliegt. Nach einer Übergangsfrist von drei Monaten, also ab April 2010, könnte LIDL auf seinen bayerischen Milcherzeugnissen dann das “Ohne Gentechnik”-Etikett verwenden.

Bisher ist nicht klar, ob LIDL diese wichtige Information den Käufern ersichtlich machen oder mit ihr werben wird. Vielleicht will man die Kunden nicht “verunsichern”, weil noch massenhaft konventionelle Erzeugnisse im Regal direkt daneben stehen, die kein solches Label verdienen und von den Verbrauchern dann gemieden werden könnten.

Wie freudig die Europäerinnen und Europäer bei GVO-freien Nahrungsmitteln zugreifen, wenn sie die Wahl haben, zeigt die Erfahrung des Milchprodukteherstellers FrieslandCampina: Produkte der Marke “Landliebe”, die in Deutschland als erste tierische Erzeugnisse seit Mai 2008 offiziell das “Ohne Gentechnik”-Label tragen (und sogar ohne den Einsatz von Sojaproteinen erzeugt werden!), erfreuen sich seither steigender Umsätze.

Laut Umfragen wollen die meisten EU-Bürger trotz der von der Gentechniklobby verbreiteten Mythen weiterhin keine GVO im Essen. Aber die verantwortlichen Politiker kümmerte das bisher herzlich wenig: Die EU-Kommission erteilt stattdessen munter weiter Importlizenzen für immer mehr Genfuttersorten, obwohl das EU-Zulassungsverfahren von den EU-Umweltministern schon 2008 scharf kritisiert wurde und seitdem immer noch nicht verbessert wurde (wir berichteten, s. S. 14-17)!

PROVIEH begrüßt den – wenn auch unangekündigten – Vorstoß von LIDL ausdrücklich. Wir wünschen REWE, Tegut und LIDL viel Erfolg mit diesen Initiativen und hoffen, dass sie ihre Programme bald auch auf andere Erzeugnisse und weitere Teile Deutschlands ausweiten. Denn da auch die Bundesregierung konsequent an den Verbraucherwünschen vorbeiregiert, bleibt letztlich nur dieser eine Weg: Über den Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel müssen Fakten geschaffen werden, die allen beweisen, dass Landwirtschaft sehr wohl ohne Genfutter möglich ist. Die Konkurrenz im In- und Ausland wird sich hoffentlich beeilen, es ihnen gleich zu tun. Dann hätten die Verbraucherinnen und Verbraucher endlich die Chance, mit dem Geldbeutel abzustimmen und deutliche Signale an die Futtermittelhersteller und –importeure zu senden.

Was alles gegen GVO auf dem Acker, im Futtertrog und auf den Tellern spricht, können Sie hier nachlesen.

Sabine Ohm, Europareferentin