Milchkrise durch Corona: Mehr Tierschutz statt Butterberge fördern­

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In der EU sinkt der Milchpreis aufgrund der weltweit niedrigeren Nachfrage durch die Coronakrise. PROVIEH fordert eine Drosselung der Milchmenge verbunden mit Tierschutzmaßnahmen, anstelle von Beihilfen zur privaten Lagerhaltung.

Die weltweit gesunkene Nachfrage nach Milch stellt fast 60.000 Milchbauern in Deutschland vor eine große Herausforderung. Freiwillig fahren viele Landwirte ihre Milchmengen bereits herunter. Da jedoch nicht alle mitziehen, entsteht ein Ungleichgewicht und der Preisverfall wird nicht gleichermaßen abgebremst. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) und der Tierschutzverein PROVIEH sehen dringenden Handlungsbedarf.

Nach anfänglichem Zögern will die EU-Kommission nun 80 Millionen Euro für die private Lagerhaltung bereitstellen, davon 30 Millionen Euro für Milchpulver, Butter und Käse. Sie bezuschusst damit vor allem die zusätzlichen Lagerkosten. Für Jasmin Zöllmer, Leiterin der Agrarpolitik bei PROVIEH ist dies der falsche Weg: „Wo kein Markt, da kein Käufer. Bevor wir wieder Butterberge erzeugen wie in den 80er Jahren, sollten wir dringend die Überproduktion drosseln und stattdessen auf mehr Tierwohl setzen!“.

Hierzu nennt Kathrin Kofent, PROVIEH-Fachreferentin für Rinder, einige Maßnahmen, die bereits kurzfristig die Milchmenge reduzieren würden: „Kurzfristig können die Kälber mit Vollmilch statt mit Milchaustauschern getränkt werden, idealerweise ad libitum. Dies erhöht die Kälbergesundheit und fördert insgesamt eine optimale Entwicklung der Tiere. Auch die Zwischenkalbezeit könnte erhöht werden“, so die Expertin.

Darüberhinaus sollten neue Absatzwege gefördert werden. Ein nicht unerheblicher Teil der Verbraucher möchte Milch und Fleisch aus muttergebundener Kälberaufzucht und würde diese auch mit höheren Preisen wertschätzen.

PROVIEH erkennt in der Krise eine Chance, die derzeitige Wirtschaftsweise zu überdenken und darüber auch Raum für mehr Tierwohl zu schaffen. Neben Steuerungsmöglichkeiten sollten Fördermaßnahmen ins Leben gerufen werden, die es erlauben, aus den alten Strukturen auszubrechen. Langfristig müsse man von der hohen Milchleistung runter und zurück zu einer nachhaltigen Milchproduktion mit alten robusten Rassen, die länger leben und gesünder sind. Zudem sollten wieder vermehrt Zweinutzungsrassen zum Einsatz kommen.

Zusammenfassend sieht PROVIEH folgende mögliche Maßnahmen für eine Reduktion der Milchmenge bei gleichzeitiger Anhebung der Tierschutzstandards

Kurzfristig:
· Tränken mit Vollmilch statt mit Milchaustauscher
· Erhöhung der Zwischenkalbezeit auf
· Umstellung auf muttergebundene Aufzucht

Langfristig:
· Reduzierung der Milchleistung in den ersten beiden Laktationen mit Fokus auf die Lebensleistung
· Förderprogramme für Zweinutzungsrinder
· Förderung von regionalen Mast-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen vor allem für männliche Nachkommen von Milchkühen
· Vernetzung mit bestehenden Projekten der muttergebundenen bzw. kuhgebundenen Kälberaufzucht zur Auslotung der Möglichkeiten: Förderprogramme und Plattformen für Betriebe

PROVIEH erarbeitet mit unterschiedlichen Kooperationspartnern gangbare Alternativen und vermittelt gern Kontakte zu alternativ wirtschaftenden Landwirten.

Über vier Millionen Milchkühe und ihre Kälber werden es uns danken!

Pressemitteilung, 05.05.2020, Kiel/Berlin



Ansprechpartnerinnen:
Kathrin Kofent
Leitung Fachreferat
Telefon: 0431-248 28 16
E-Mail: kofent@provieh.de

Jasmin Zöllmer
Leitung Hauptstadtreferat und Politik
Mobil: 0176 88471 854
Mail: zoellmer@provieh.de