Puten

 

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In Deutschland werden pro Jahr zwischen 30 und 36 Mio. Puten (auch Truthähne/-hühner) gemästet. Die meisten Tiere werden in Betrieben mit fünf bis zehntausend Mastplätzen gehalten. Die schwersten Puten werden in Deutschland gemästet.

Die deutsche Geflügelindustrie wirbt damit, dass Puten gute Futterverwerter seien und somit für die Geflügelfleischerzeugung eine geringe Futtermenge (und damit auch landwirtschaftliche Nutzfläche) benötigt werde. Bei der derzeitigen intensiven Mastputenhaltung ist diese Aussage richtig. 95 Prozent aller Puten in Deutschland sind Hochleistungshybride. In 16 bis 22 Wochen können Putenhähne ein Schlachtgewicht von 22 kg erreichen. Diese Rassen (meist B.U.T. Big 6) sind auf gute Futterverwertung und schnellen Fleischansatz gezüchtet.

Von den negativen Folgen für die Tiere erfährt man von der Geflügelindustrie jedoch nichts. Wie in der industriellen Mast meist üblich, werden auch Puten künstlich besamt. Aufgrund ihres Körpergewichts und des überdimensionalen Brustmuskels können sich diese Tiere aber auch gar nicht mehr natürlich vermehren. Annähernd 100 Prozent der Puten sind von zucht- und haltungsbedingten Krankheiten betroffen. Das Skelett und die inneren Organe können mit der enormen Wachstumsgeschwindigkeit der Muskeln nicht mithalten. Dadurch entstehen schwere gesundheitliche Schäden, wie z.B. Herz- und Kreislauferkrankungen, Fußballenveränderungen oder verformte Knochen (X- und O- Beine). Zum Mastende liegen die Tiere aufgrund ihres hohen Gewichts fast nur noch. Dadurch kommt es zu eitrigen Entzündungen des Brustschleimbeutels (Brustblasen).

Fünf Hennen oder drei Hähne müssen sich ungefähr einen Quadratmeter teilen. Besatzdichten von 45 bis 58 kg pro Quadratmeter sind heute üblich. Eine rechtsverbindliche Vorgabe gibt es nicht. In einer solchen Bedrängnis können die Tiere ihr arteigenes, natürliches Verhalten nicht ausüben. Soziale Mindestabstände können nicht eingehalten und Rangstreitigkeiten nicht friedlich gelöst werden. Zudem stehen die Puten den gesamten Mastdurchgang auf feuchter, harter Einstreu in einer völlig reizarmen Umgebung. Die Folge sind Hackschläge, Federpicken und Kannibalismus. Um der hohen Verletzungsquote (und damit den wirtschaftlichen Verlusten) vorzubeugen, werden den Kücken die Schnäbel gekürzt. Das ist eine extrem schmerzhafte Amputation, denn Schnäbel sind als Tastorgane von Nerven durchzogen, wie in etwa unsere Fingerspitzen.

Drei bis acht Prozent Verluste werden von den Mästern einkalkuliert.

Langfristig fordert PROVIEH den gewerblichen Einsatz einer gesunden, langsam wachsenden und kleineren Putenrasse. Denn bessere Haltungsbedingungen können die hochleistungszuchtbedingten Gesundheits- und Verhaltensprobleme nur mildern, aber nicht beseitigen. Die Hochleistungshybriden sind Qualzuchten und nach § 11b des Tierschutzgesetzes verboten.

 

Das fordert PROVIEH:

  • Verbot des Schnabelkürzens
  • Deutliche Verringerung der zulässigen Herdengrößen und Senkung der maximalen Besatzdichte auf 21 kg/qm
  • Einstallung erwachsener Hennen mit den Küken
  • Strukturierte Stallhallen mit stets ausreichend trockener Einstreu (auch als Beschäftigungsmaterial) + Tageslicht und Weidezugang
  • Verbot der schweren Rassen (Qualzüchtungen)