Blauzungenkrankheit

Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue Disease, BT)  gehört zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. BT ist eine Virusinfektion und betrifft nur Wiederkäuer, hauptsächlich also Rinder und Schafe. Ziegen und Wildwiederkäuer können ebenfalls erkranken. Menschen können sich nicht anstecken. Fleisch- und Milchprodukte dürfen deshalb bedenkenlos verzehrt werden. Das Virus wird von Stechmücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) übertragen und ist somit nicht direkt (z.B. durch Schmierinfektionen) ansteckend. Die Mücke nimmt das Virus durch das Blut eines infizierten Tieres in sich auf und überträgt dieses beim nächsten Saugen auf ein anderes Tier.

Ist ein Tier erkrankt, reagiert es mit Fieber, Lahmheit und Apathie. Flüssigkeit sammelt sich in den Geweben an und es kommt zu Schwellungen im Maulbereich und vermehrtem Speichelfluss. Die Zunge kann ebenfalls anschwellen, blau werden und aus dem Maul hängen. Es existieren verschiedene Serotypen, d.h. verschiedene Varianten von BT-Vieren. In unseren Breiten dominiert der bisher wenig erforschte BTV 8 und die Krankheit verläuft eher leicht. Andere Virustypen können jedoch zum Tode von bis zu 80% der befallenen Tiere führen. Die Blauzungenkrankheit trat bis 2006 vor allem in wärmeren Ländern auf, da die Überträgermücke nur bei hohen Temperaturen aktiv ist und das Virus selbst ebenfalls Wärme benötigt, um sich in der Mücke zu vermehren. Trotzdem kann das Virus unbeschadet den Winter überstehen. Einerseits ist es in der Lage bis zu 160 Tage in den Blutkörperchen eines Wiederkäuers zu überleben und anderseits nutzen einige Gnitzenpopulationen die warmen Nutztierställe um zu überwintern. Durch den Handel mit infizierten Tieren oder dem Eintrag infizierter Gnitzen (z.B. durch Waren oder Tiertransporte) breitet sich das Virus schnell aus. Zudem können infizierte Mücken durch Winde und Flugzeuge bis zu 200 km weit versetzt werden. Mittlerweile hat sich das BTV 8 über weite Teile Europas ausgebreitet.

Erstmals trat das Virus im August 2006 in unseren Breitengeraden auf. Anschließend wurden in diesem Jahr 885 Fälle bundesweit amtlich nachgewiesen. Im Jahr 2007 stieg die Anzahl der infizierten Tiere bereits auf etwa 20.500 Fälle an. Nach Beginn der flächendeckenden Pflichtimpfungen von Rindern, Schafen und Ziegen sank die Zahl 2008 wieder auf etwa 5000 Fälle und im Jahr 2009 wurden nur noch 142 Fälle bestätigt. 2010 wurde bislang noch kein Fall gemeldet. Die Impfung gegen den Serotyp  BVT 8 erfolgt seit 2010 nur noch auf freiwilliger Basis. Dass die Tierhalter freiwillig weiterhin ihre Tiere impfen lassen, ist aber eher unwahrscheinlich. Denn nun tragen nicht mehr der Staat und die EU, sondern der Halter den Großteil der Kosten. Daraus folgt jedoch ein hohes Risiko für einen Neuausbruch der Seuche ab 2011.


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