Ziegenkrimi vierter Teil: PETRI hält an Ziegenfabrikplänen fest

Juni 2010: Im Sommer 1955, wurde das Wesertal zum Landschafts- schutzgebiet (LSG) erklärt. Heute, 55 Jahre später, soll plötzlich alles anders werden. Für den Bau Deutschlands erster und Europas größter industrieller Ziegenhaltungsanlage soll einfach eine Fläche aus dem Gebiet ausgegliedert werden. Dort im niedersächsischen Landkreis Holzminden sollen dann auf dem ehemaligen Areal der Landesdomäne Heidbrink (Gemeinde Polle) 7.500 Ziegen Milch für Produkte der Firma PETRI-Feinkost produzieren. Die Tiere erwartet keine ländliche Idylle auf saftig grünen Wiesen, sondern Massentierhaltung im großen Stil. In drei großen Stallungen sollen sie ohne jegliche Auslaufmöglichkeit „leben“ (siehe Heft 3- und 4-2009 sowie 1-2010).  

Bereits im vergangenen Jahr sollte der Ziegenfabrik der Weg bereitet werden. Doch sowohl in Herbst und Winter 2009 wurde eine Entscheidung über die Ausgliederung der benötigten Fläche aus dem LSG vertagt. Wichtige Antragsunterlagen zur Tierhaltung und Emissionen lagen nicht vor. 

Auf kommunalpolitischer Ebene sind mittlerweile erfreuliche Entwicklungen zu verzeichnen. Am 11. April 2010 fanden in der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle aufgrund der Fusion beider Gemeinden außerordentliche Kommunalwahlen statt. Die Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, einen neuen Samtgemeindebürgermeister und einen neuen Samtgemeinderat zu wählen. Hierbei erhielten die Grünen in Polle über 33 % der Stimmen und demgegenüber die CDU als Befürworter der PETRI-Pläne nur noch 14 %. In einer Stichwahl konnte sich zudem der von den Grünen unterstützte SPD-Bürgermeisterkandidat gegen den Ziegenfabrik-Befürworter von der CDU mit 65 % zu 35 % durchsetzen. In Polle fiel das Ergebnis mit 79% sogar noch deutlicher aus.

In der Woche vor der Stichwahl hatte sich der SPD-Kandidat in der Presse dazu geäußert die Ziegenfabrik mit allen politischen und juristischen Mitteln verhindern zu wollen und dazu auch eine Klage der Samtgemeinde nicht ausgeschlossen.

Die Firma Petri hatte daraufhin Unterlassungsklagen gegen zwei Ratsherren eingereicht, die in einem Zeitungsbericht unter anderem auf fehlende Antragsunterlagen (s. o.) hingewiesen hatten. Daraufhin erklärte ein Sprecher des Landkreises Holminden nun einschränkend, dass alle erforderlichen Unterlagen zur geplanten Anlage vorlägen, allerdings sei man mit der abgelieferten Geruchseinschätzung nicht einverstanden. Vielmehr hätte der Landkreis bereits vor einigen Wochen den Architekten der Firma PETRI aufgefordert ein Geruchsgutachten einzureichen, welches bislang noch nicht vorläge.

Nachdem eine Abstimmung auf der Kreistagssitzung auch Anfang Mai 2010 nicht durchgeführt wurde, ist die nächste Kreistagssitzung für den 14. Juni 2010 anberaumt. Ob es an diesem Termin bereits einen neuen Anlauf zur Aufhebung des Landschaftsschutzgebietes geben wird, ist noch unklar. Klar ist allerdings, dass eine Entscheidung nicht mehr lange hinausgezögert werden kann. PETRI hält an seinem Vorhaben fest uns sitzt „in den Startlöchen“.

Abzuwarten ist nun zunächst die Vorlage des Geruchsgutachtens und zu hoffen ist auf ein Umdenken auch der Kreistagsmitglieder, denn hier haben die Befürworter des PETRI-Vorhabens eine Stimme Mehrheit.  

Es bleibt also spannend.

 

Kathrin Kofent