MKS und BSE Alibi für millionenfaches Töten landwirtschaftlicher Nutztiere

16.07.2001: Als betroffene Rinderhalterin möchte ich Ihnen heute einen kleinen Einblick geben in unsere Betrachtungsweise des politischen Umgehens mit BSE und MKS. Nach wie vor werden diese beiden Erkrankungen von der Politik genutzt, um den Menschen langsam aber stetig das Bewusstsein näher zu bringen, dass Tiere Produktionsmittel sind, die man bei Nichtgefallen=Überproduktion unschädlich beseitigen kann. Immer mehr wird in den Hintergrund gedrängt, dass die Domestizierung landwirtschaftlicher Nutztiere dem Lebenserhalt von Menschen dienen soll, indem sie diese mit wertvollen Lebensmitteln wie Eiern, Milch, Milchprodukten und Fleisch versorgen. Es gerät in Vergessenheit, dass wir mit "unserem Vieh" einen guten Umgang pflegen sollten, sein guter Hirte sein müssen und nur dann uns das Recht herausnehmen können, das Geschenk der wertvollen Lebensmittel anzunehmen. Durch die grausamen Methoden der Abschlachtung ganzer Tierbestände wird Tierhaltung einer industriellen Produktion immer mehr angeglichen. Hier wie dort wird bei Fehlproduktion alles eingestampft und bei Interesse des Produzenten ggf. eine neue Produktionsserie aufgelegt. Dass solch ein Umgang mit Tieren gerade uns Klein- und Mittelbetrieben das Herz bricht und viele von uns dazu bringt, die Landwirtschaft aufzugeben, weil wir unseren Tieren nicht mehr in die Augen sehen können, ist dabei ein gewichtiges Ziel der Weltagrarpolitik, die gerade diese Betriebe als Störenfried auf dem allseits verherrlichten Weg in die Globalisierung ansieht. Darum sind es natürlich auch gerade wir Vertreter der Klein- und Mittelbetriebe, die solch einem Umgang mit unseren Tieren entschiedene Gegenwehr leisten. Inzwischen haben wir uns hierzu auch bereits europäisch vernetzt und wir sind sicher, dass es uns gemeinsam gelingen wird, dem unbarmherzigen Umgang mit Tieren, mit Tiererkrankungen und der Tierhaltung auf Dauer ein Ende gebieten zu können.

Maul- und Klauenseuche

Als im Februar dieses Jahres (2001) in Großbritannien MKS ausbrach, war David Byrne als zuständiger EU-Kommissar sehr schnell mit seinen Vorschlägen. Als einzig wirksame Methode zur schnellen und vollständigen "Ausrottung der Seuche" müsste die sofortige Tötung infizierter Bestände sowie aller Klauentiere in einem weiten Umkreis durchgeführt werden. Dass die EU- Richtlinie 511 auch mildere Maßnahmen, wie z.B. eine vorsorgliche Schutzimpfung (Notimpfung) ohne anschließende Tötung der Tiere zulässt, wurde überhaupt nicht in Betracht gezogen Und die EU-Agrarminister - einschließlich unserer grünen Ministerin Renate Künast - waren sich nur zu einig, geschlossen nach der Methode "Ausrottung der Klauentiere" vorzugehen, denn ging es doch nicht um Gesunderhaltung unschuldiger Tiere, sondern ausschließlich um die Gesunderhaltung der Welt-Marktwirtschaft. Immer und immer wieder wurde gebetsmühlenartig wiederholt, dass eine akute Schutzimpfung der Tiere einjährige Handelssperren gewisser Drittländer nach sich ziehen würde und auch sämtliche Bauernverbände der entscheidenden Länder wehrten sich mit Händen und Füßen gegen eine Impfung, die dann eine regionale Vermarktung der geschützten Tiere nach sich gezogen hätte. Oh, du goldenes Kalb Welthandel, angebetet von allen, die über das Schicksal unserer Tiere zu entscheiden befugt sind.

Inzwischen wurden unter dem Mantel dieser "Vorsorge" in Großbritannien nach offiziellen Zahlen 6 Millionen Klauentiere getötet (inoffizielle Angaben sprechen von ca 10 Mio), die gemeldeten Prozentzahlen schwanken zwischen 12 und 20 % des gesamten Viehbestandes. In den Niederlanden wurden bei "nur" 26 MKS-Ausbrüchen immerhin fast 300.000 Tiere getötet. Und wenn man dann Meldungen liest, die berichten, dass der Preis für Lammfleisch aufgrund der MKS-Krise steigt, dann kann man sich unschwer zusammenreimen, wer hier einmal wieder Tiere unschädlich beseitigt, um eine Verknappung der vorher im Überhang "produzierten Ware Tier" und damit steigende Erlöse für den verarbeitenden Bereich zu gewährleisten.

Sehr deutlich wird diese Vorgehensweise aus einem Bericht der Landwirtschaftlichen Zeitung des Rheinlandes, der nachfolgend auszugsweise wiedergegeben wird: "Fischler wies darauf hin, dass in Großbritannien aufgrund der MKS allein in diesem Jahr 600.000 Rinder getötet worden seien; damit hätten die britischen Landwirte bereits ihren Anteil zur Produktionsverringerung geleistet." Und in einem weiteren Absatz heißt es dann: "Nach Ansicht des Kommissars ist die Erholung auf dem Rindfleischmarkt nicht zuletzt eine Folge der ergriffenen EU-Maßnahmen. Im Rahmen der Intervention, der BSE-Aufkaufprogramme sowie der Tötungen zur Bekämpfung der MKS seien mehr als 500.000 Tonnen Fleisch vom Markt genommen worden."

Und entgegen der Versicherung der EU, mit den unbarmherzigen Tötungskommandos die Seuche schnellstens in den Griff zu bekommen, wütet diese in Großbritannien noch immer. Täglich kommen zwischen 3 und 7 Neuausbrüche hinzu und natürlich werden dann auch weiterhin sofort alle Klauentiere in einem weiten Umkreis getötet. Erschreckend ist, dass es immer wieder in Gebieten, die vorher schon einige Wochen von Neuausbrüchen verschont waren, zu MKS-Fällen kommt. Nach Meinung von Experten bedeutet das, dass die Seuche inzwischen endemisch ist und es nun überhaupt gar nicht mehr möglich ist, sie mit irgend welchen Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Stattdessen wird sich das Seuchengeschehen fortsetzen, bis es sich, wie das dem Verlauf einer Seuche entspricht, nach einer geraumen Zeit von allein "totläuft". Der genannte Grund für die Tötungsmaßnahmen, nämlich so schnell wie möglich wieder den Seuchenfreiheitsstatus zu erlangen, um dann wieder ein gewichtiges Wort im Welthandel mitreden zu können, ist damit also völlig verfehlt.

Wenn nach wie vor behauptet wird, dass Schutzimpfungen gegen MKS zu teuer, nicht sicher genug, nicht nachweisbar oder nicht schnell genug zu organisieren seien, so entspricht dieses alles nicht den Tatsachen, sondern diese Aussagen werden benutzt, um weiterhin mit der Tötungsmethode "voran zu kommen".

Wir wissen aus sicheren Quellen, dass es inzwischen hochwirksame und äußerst sichere Impfstoffe gegen die verschiedenen Stämme und Unterstämme der MKS gibt, die schnellstens zur Verfügung stehen können. Natürlich kostet es sehr viel weniger, Tiere vorsorglich zu schützen, als Milliarden auszugeben für das Totschlagen von Tieren, ganz zu schweigen von den nicht zu beziffernden wirtschaftlichen Schäden, die durch den gesamten Umgang mit MKS in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen entstanden sind und weiterhin entstehen. Darüber hinaus gibt es bereits sichere Testverfahren, die zwischen geimpften Tieren und denen, die eine Krankheit durchlaufen haben, unterscheiden können.

Ich darf Sie zum Abschluss alle innig darum bitten, uns zu unterstützen im Kampf gegen dieses grausame Vorgehen. Und wenn Sie sich gewundert haben sollten, dass ich bisher nur von wirtschaftlichen Schäden gesprochen habe, so geschah dieses, weil rundherum ausschließlich in dieser Münze gerechnet wird. Keiner denkt daran, welche unendlichen Sünden an den Tieren wir unentwegt begehen und ich möchte an dieser Stelle die Worte des von mir unendlich geschätzten Prof. Dr. Anton Mayr wiedergeben, der immer wieder darauf hinweist, dass wir aus ethischen und moralischen Gründen verpflichtet sind, Tiere gesund zu halten, sie gesund zu machen und sie vorm Tod zu bewahren!

Lassen Sie uns gemeinsam dafür eintreten!

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