Entenschicksal in Deutschland

In Deutschland werden für die "Produktion" von Entenfleisch ca. 18,5 Millionen Tiere vornehmlich unter Intensivhaltungsbedingungen gehalten. Entenfleisch erfreut sich immer größerer Beliebtheit, denn auch wenn der Absatz ganzer Enten über die letzten Jahre größtenteils konstant geblieben ist und sie als "Braten" nur zu besonderen Gelegenheiten auf den Tisch kommen, findet die Ente in zerteilter und vorbereiteter Form (Entenbrust, Entenschenkel, etc.) immer öfter auch im Alltag den Weg auf den Tisch.

Für die "Entenfleischproduktion" werden Pekingenten, Moschusenten (Handelsname früher "Flugente", heute "Barbarieente") und Mularden gehalten. Mularden sind die Kreuzung aus Peking- und Moschusenten, die vornehmlich in der ökologischen Tierhaltung gezogen werden. In der Intensivhaltung für die konventionelle "Entenfleischproduktion" werden Peking- und Moschusenten in großen Ställen mit bis zu 10.000 Tieren pro Stall untergebracht. Während die Haltungssituation bei den Pekingenten wenigstens durch Einstreu, Tageslicht, niedrigere Besatzdichten und teilweise Ausläufe erträglicher wird, treten bei den Moschusenten große Probleme auf.

Die Moschusente wird erst seit dem 16. Jahrhundert von den Menschen als Haustier gehalten. Seit den sechziger Jahren hat man die Tiere auch für die Intensivhaltung entdeckt. Da die Enten in der Natur einzeln oder in getrennt geschlechtlichen Kleingruppen leben und aktive Sammler und Jäger auf dem Wasser und auf dem Land sind, stellen die Haltungsbedingungen, die sie in der Intensivhaltung vorfinden, eine besondere Belastung dar, die auch mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar ist.

Problem Moschusentenhaltung – Besatzdichte

Während Pekingenten bei einer "relativ" niedrigen Besatzdichte mit ca. 6 – 8 Enten pro Quadratmeter auf Stroh und bei Tageslicht gehalten werden, geht es bei den größeren Moschusenten deutlich enger zu. Die Haltung von 13 Enten pro Quadratmeter ist bei den großwüchsigen Moschusenten üblich. Wenn die Küken klein sind, sieht das zwar großzügig aus, jedoch wachsen die Tiere schnell und entwickeln sich innerhalb der 10 Mastwochen für Enten bzw. 12 für Erpel zu großen Tieren.
Ungestörtes Aufstehen, Strecken, Flügelschlagen oder Laufen ist schon ab der sechsten Woche nicht mehr möglich. Die Tiere können in den letzten Wochen ihres Lebens nicht mehr aufstehen und zu den Tränken oder zum Futter laufen, ohne auf die Schwänze anderer Artgenossen zu treten.

Problem Moschusentenhaltung – fehlende Bade- und Beschäftigungsmöglichkeiten

In den Ställen stehen Moschusenten keine Bade- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Während die Tiere in der Natur auf dem Wasser und an Land den ganzen Tag auf Nahrungssuche sind und die Umgebung mit dem Schnabel auf Nahrung untersuchen, sind die Nahrungssuche und -aufnahme in der Intensivhaltung bei dem hochenergetischen, pelletierten Futter in ca. 60 Sekunden abgeschlossen. Andere Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es nicht. Wasser steht den Tieren nur über Rund- oder Nippeltränken zur Verfügung, Badeangebote zum Reinigen des Gefieders und für die vielen Verhaltensweisen im Umgang mit Wasser fehlen ganz. Dadurch ist den Tieren das Ausüben eines großen Teils ihres natürlichen Verhaltensrepertoires wie die Nahrungssuche und das gesamte Verhalten im Umgang mit Wasser unter diesen Haltungsbedingungen nicht möglich und muss unterdrückt werden, was für die Tiere eine zusätzliche Belastung darstellt.

Problem Moschusentenhaltung – Schnabel- und Krallenkürzen

Als Folge dieser absolut nicht artgemäßen Lebensumstände treten bei Enten die Verhaltensstörungen Federrupfen und Kannibalismus regelmäßig auf. Bei Enten ist dieses Verhalten nicht aggressiv motiviert, vielmehr entsteht es durch Exploration (= Untersuchung) mit dem Schnabel am Gefieder einer anderen Ente. Durch die hohe Besatzdichte, bei der jeder Ente zahlreiche Schwänze buchstäblich vor den Schnabel gehalten werden, bieten sich in der ansonsten reizarmen Umgebung die Federkiele anderer Tiere als interessantes Objekt an. Die werden ab der 2. Lebenswoche "geschoben" und sind sehr gut durchblutet. Es gehört nicht viel "Manipulation" dazu, bis sie anfangen zu bluten. Das rote Blut ist dann für jede Ente in unmittelbarer Nachbarschaft ein besonders starker Reiz, der die Aufmerksamkeit aller Enten in der Umgebung auf sich zieht und mit dem Schnabel untersucht wird. Bei dem berupften Tier können dabei starke Schäden und Schmerzen entstehen. Da das "Opfer" aufgrund der hohen Besatzdichte bald merkt, dass Ausweichen keine Verbesserung bringt und Rückzug nicht möglich ist, gibt es schnell jede Gegenwehr auf (= erlernte Hilflosigkeit).

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Was Sie beim Einkauf von Entenfleisch beachten sollten mehr...

Für die Entenhalter kann Federrupfen und Kannibalismus zu einem großen wirtschaftlichen Problem werden, da die "Schlachtkörper" dieser Tiere durch die Verletzungen zu B-Ware deklariert werden müssen und nur noch die Hälfte "wert" sind. Deswegen werden bei Moschusentenküken bis zum Alter von drei Wochen routinemäßig der Schnabel und die Krallen gekürzt. Dabei wird mit einer Gartenschere ein Teil des Schnabels entfernt. Da der Schnabel bei Enten bis in die Spitze hinein gut durchblutet und mit vielen schmerzempfindlichen Nervenzellen versorgt ist, entstehen den Küken hierbei große Schmerzen. Zudem ist die Funktion des Schnabels als empfindliches Tast- und Greiforgan dauerhaft eingeschränkt.

Durch das Kürzen der Krallen an den Paddeln sollen Verletzung und Kratzspuren am "Schlachtkörper" verhindert werden. Die Zehen werden dafür zusammengedrückt, mit einem einzigen Schnitt werden die Krallen entfernt. Das Zehenglied der hervorstehenden Mittelzehe wird dabei häufig mit abgetrennt. Um das zu verhindern, müssten die Krallen an den Paddeln einzeln geschnitten werden. Die nötige Zeit dafür nimmt sich aber leider keiner.

In der Praxis wird für das Kupieren und Impfen von 1000 Enten von zwei Personen etwa eine Stunde Zeit benötigt. Die aufgebrachte "Sorgfalt" dabei ist ungefähr vorstellbar, und so wird den Tieren häufig nicht nur die Spitze, sondern auch deutlich mehr von ihrem Schnabel und ihren Krallen entfernt.

Problem Moschusentenhaltung – Dunkelhaltung

Moschusenten werden zusätzlich, spätestens wenn Federrupfen und Kannibalismus auftreten, ohne Licht gehalten. Ziel der Dunkelhaltung ist, die Aktivität der Tiere zu senken. Moschusenten sehen dann in der Regel bis zum Tag des Ausstallens und des Transportes zum Schlachthof das Tageslicht nicht wieder.

Problem Moschusentenhaltung – Bodenbeschaffenheit

Moschusenten werden auf Vollspaltenböden aus Plastik, Holz oder Draht gehalten, wo der Kot über die gesamte Mastzeit in die knapp darunter liegende Güllegrube fällt, in der er gelagert wird. Stroh wird den Tieren nicht angeboten. Die Spaltenböden verursachen an den Zehen und Ballen der Paddeln zum Teil blutende Wucherungen. Nicht selten kommt es vor, dass die Sprunggelenke während des Ruhens in die Lücken der Spaltenböden rutschen. Beim Aufstehversuch geraten die Tiere dann in Panik und fügen sich beim Befreiungsversuch selbst Verletzungen bis hin zu Knochenbrüchen zu. Bis sie von den Haltern bei den Kontrollgängen gefunden werden, können sich die verletzten Tiere nur unter Schmerzen auf dem Bauch rutschend fortbewegen und ziehen das verletzte Bein hinter sich her. Wenn sie in der Menge der Tiere bei den Kontrollgängen auffallen, werden sie getötet oder unbehandelt in Krankenabteile gesetzt. Die unentdeckten Tiere können nur unter großen Schmerzen zu den Tränke- und Futterstellen gelangen.

Problem Moschusentenhaltung – Transport Der Transport der Küken zum Mastbetrieb wird von den Brütereien übernommen. Dabei werden häufig nicht klimatisierte Fahrzeuge oder Anhänger verwendet. Die Küken sind damit gleich nach dem Schlupf, besonders im Winter, über mehrere Stunden "ungeeigneten" und viel zu kalten Witterungsbedingungen ausgesetzt und kommen zum Teil in katastrophalem Zustand bei den Mastbetrieben an.

Für den Transport zum Schlachthof werden von den Schlachthöfen Transportbehälter aus Plastik oder Draht bereitgestellt. Die Dichte, mit der die Behälter beladen werden, richtet sich dabei nach den zur Verfügung stehenden Behältern und nicht nach der Anzahl der zu transportierenden Tiere. Nach der Tierschutzschlachtverordnung muss Geflügel innerhalb von zwei Stunden nach Ankunft im Schlachtbetrieb geschlachtet werden, es sei denn, die Versorgung in den Behältnissen ist gewährleistet. In der Praxis sieht es jedoch anders aus: Hier werden die Enten bereits am Vortag des Schlachtens abgeholt und in die engen Behälter verladen. Dabei sind Verletzungen der Flügel und Beine nicht selten. Am Schlachthof angekommen, verbleiben die Tiere bis zum nächsten Morgen ohne Futter und Wasser in den beengten Behältern. Das letzte Tier wird oftmals nicht selten erst 24 Stunden nach dem Verladen geschlachtet. Die zuständigen Amtstierärzte zeigen dabei gegenüber den Schlachtbetrieben in der Regel eine größere Rücksichtnahme als gegenüber den Tieren.

Die dargestellten Probleme in der Moschusentenhaltung belegen, dass eine artgemäße Haltung dieser Tiere in der konventionellen Landwirtschaft scheinbar nicht möglich ist. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, über ein generelles Haltungsverbot für Moschusenten in der Intensivhaltung nachzudenken!

Maren Bulheller, Fachreferentin Nutztiere, März 2006