Die Eierindustrie hat sich verpokert

08.12.2009: Nachdem den Käfigbaronen die Kunden ausgehen, klafft die Produktionslücke in Deutschland immer weiter auseinander.

Laut Meldung der Online-Publikation LME vom 4. November 2009 machte der Rückgang der Eierproduktion in Deutschland in diesem Jahr höhere Importe von Schaleneiern notwendig: von Januar bis August 2009 insgesamt 4.743,4 Mio. oder 28,5 % Schaleneier mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum (Angaben des Statistischen Bundesamtes).

Zuwächse bei ihren Exporten nach Deutschland verzeichneten vor allem die Niederlande (plus 36,5 %), womit ihr Marktanteil auf 77 % der eingeführten Schaleneier anschwoll. Woran das liegt? In den Niederlanden hatten sich die Lebensmitteleinzelhändler bereits vor Jahren gemeinsam für eine Auslistung der Käfigeier entschieden. Ihre Begründung: die Käfighaltung der Legehennen sei unmoralisch, so dass man diese Wahl dem Verbraucher nicht schuldig sei. Deshalb werden dort heute vorwiegend Eier in Boden-, Freiland- und Biohaltung erzeugt.

In Deutschland hat sich die Eierindustrie dagegen lange taub gestellt, obwohl alle Zeichen auf Wandel standen: Seit 1999 ist das Aus für konventionelle Käfige auf EU-Ebene beschlossene Sache, für Deutschland ab Ende 2009 Realität (1.1.2012 ist Stichtag für die Abschaffung der Batteriekäfige in allen EU-Ländern).

Auch gegen die von der Käfigindustrie als Ersatz geschaffenen «ausgestalteten Käfige» läuft noch eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht. PROVIEH hatte im Rahmen des Bündnis "Handel mit Gewissen" schon 2003 mit ALDI Nord "weitgehende Übereinstimmung in der Beurteilung der Problematik der Batteriekäfighaltung" erzielt. ALDI Nord verzichtete als erstes auf den Verkauf von Käfigeiern. Und seit ca. 2 Jahren engagieren wir uns im Rahmen der europaweiten Kampagne unserer britischen Partnerorganisation Compassion in World Farming sowie in einer deutschen Allianz (“Deutschland wird Käfigfrei”) verstärkt und sehr erfolgreich für eine völlige Auslistung von Käfigeiern in Deutschland.

Trotzdem haben der Deutsche Bauernverband, die Deutsche Frühstücksei GmbH (Deutschlands größter Eierproduzent) und die Käfiglobby auf stur geschaltet und weiter auf Käfigeier gesetzt, nun aus der sog. «Kleingruppenhaltung». Das hat die anderen Erzeuger verunsichert, viele von ihnen haben die Umstellung auf alternative Haltungsformen verschlafen. Nun will hierzulande aber kaum einer mehr Käfigeier, denn neben dem Einzelhandel haben inzwischen auch viele Nudel- und Backwarenhersteller ihren Ausstieg aus der Käfigeierverarbeitung angekündigt (mehr dazu hier).

Nur langsam dämmert es den Verantwortlichen, dass sie falsch gewettet haben und sie Tierschützer, Verbraucher und Lebensmitteleinzelhandel unterschätzt haben. Nun gibt es unnötige Engpässe, selbst ausstiegswillige Supermarktketten sind derzeit wegen der Lieferschwierigkeiten zum Teil zum Rückgriff auf Käfigeier gezwungen. Nur die Metro Cash & Carry und zwei kleine Supermarktketten (famila Nordwest und V-Markt) setzen offiziell weiter auf Käfigeier, aber auch die werden irgendwann umstellen. Denn sobald der Lieferengpass beseitigt ist, werden wir gemeinsam mit unseren Bündnispartnern entsprechend den Druck erhöhen.

Das Gejammere der Eierindustrie wegen Unterversorgung und wachsender Importe kann uns nicht beeindrucken - hätte man vor dem eindeutigen Trend nicht so fest die Augen geschlossen, könnten die hiesigen Erzeuger jetzt schon viel besser aufgestellt sein und die Verbrauchernachfrage nach Eiern aus alternativen Haltungsformen befriedigen!

Sabine Ohm, Europareferentin