Bentheimer Landschafe - gute Marschierer

Bis zu 90 Kilogramm bringt ein Bentheimer Landschafbock auf die Waage. Damit ist diese langbeinige Rasse das größte Moor- und Heideschaf.

Von einst 15.000 Zuchttieren ging der Bestand bis in die siebziger Jahre auf gerade mal noch 50 Tiere zurück. Heute hat sich ihre Anzahl mit mehr als 2.500 Tieren zwar deutlich erhöht, für einen dauerhaften Erhalt sind es jedoch immer noch viel zu wenige. Der Mindestbestand bei Schafen läge bei 7.500 Tieren.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) stuft das Bentheimer Landschaf deshalb als „stark gefährdet“ ein und hat es zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2005“ gekürt.


Die Geschichte des Bentheimer Landschafs ist recht jung. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Schafe beschrieben, die dem Landschaf ähneln. Der Name Bentheimer Landschaf taucht jedoch erst gegen 1918 auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte man damit begonnen, das deutsche Landschaf immer häufiger mit Böcken aus den hervorragenden Zuchten der niederländischen Drenthe-Schafe einzukreuzen. So entstand ein großrahmiges, gut marschfähiges und sehr fruchtbares Tier: das „Bentheimer Landschaf“, wie es seit 1934 offiziell genannt wird.

Bentheimer Schafe sind nicht nur sehr fruchtbar, 30 bis 60 Prozent der Mutterschafe bringen Zwillinge auf die Welt. Das können wir in der Arche Warder nur bestätigen. Bei unserer kleinen Herde gab es einige Zwillingsgeburten in dieser Saison. Insgesamt sind von Januar bis März 25 Lämmer geboren worden.

Als das größte unter den deutschen Moor- und Heideschafen eignete sich das Bentheimer Landschaf in den dreißiger Jahren ideal für die Wanderschäferei, da es am Tag mühelos zehn Kilometer zurücklegen konnte. Die Wolle war schlicht, das Fleisch recht gut, die Menge in beiden Fällen ansehnlich. Die Rasse galt als ebenso anspruchslos wie die Heidschnucke, bei besserem Ertrag.

Ursprünglich soll das Bentheimer Schaf einen unbewollten Bauch besessen haben. Solche Schafe wurden von den Schäfern sehr geschätzt, da das Scheren des Bauches schwierig war. In der Zucht wurde später aber auf einen gut bewollten Bauch geachtet.

Mit der Intensivierung der Landwirtschaft begann der Niedergang der Bentheimer Schafsrasse. Sie konnte gegen andere Schafsrassen, die quantitativ mehr Wolle und Fleisch liefern, nicht konkurrieren. Bentheimer Landschafe sind allerdings hervorragende Landschaftspfleger. Besser als Rasenmäher fressen sie überwiegend auf Flächen in Naturschutzgebieten alles kurz und klein, was da nicht wachsen soll. Hier gewinnen die Schafe mühelos gegen die Konkurrenz von Mensch und Maschine, und daher liegt genau in diesem Bereich ihre Chance zum Überleben.

Susanne Kopte

Foto: © Judith Handy / PROVIEH