Die Diepholzer Gans - ein Paradebeispiel für eine aussterbende alte Landrasse

Die Diepholzer Gans stammt aus der Grafschaft Diepholz im Norden Deutschlands. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg trieben die Diepholzer im Frühjahr ihre Gänse zu Tausenden auf die gemeindeeigenen Feuchtwiesen. Im Herbst wurde das Federvieh zusammengetrieben und mit Hafer- und Gerstenschrot in einfach eingerichteten, offenen Ställen gemästet und schließlich als hoch geschätzter Weihnachtsbraten verkauft.

Ein Blick noch weiter zurück in die Geschichte zeigt die historische Bedeutung der Diepholzer Gans. Neben dem Fleisch waren die Federn eine begehrte Handelsware. Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Diepholz rund 1,5 Millionen Schreibfedern produziert und bis nach Holland und Frankreich exportiert. Die zunehmende Industrialisierung in der Landwirtschaft sowie die Auflösung der Gemeindegründe führten ab den 50er Jahren zum Niedergang dieser robusten Landgansrasse.

Unter der Kategorie „extrem gefährdet“ steht die Diepholzer Gans heute auf der Roten Liste der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH). Ihr Bestand ist bundesweit auf etwa 500 Tiere geschrumpft. Die Diepholzer Gans wird seit über 100 Jahren gezüchtet und ist eine der wenigen noch existierenden Landgänserassen. Durch die Anpassung an extensive Fütterungs- und Haltungsbedingungen hat sich eine Rasse entwickelt, die auch heute noch äußerst fruchtbar, genügsam und robust ist. Immer wieder kam es vor, dass sich zu den domestizierten Herden auch wild lebende Graugänse gesellten. Durch solche Paarungen wurde die bereits durch die verschiedensten Futter- und Witterungsverhältnisse vorhandene Robustheit der Diepholzer Gans noch zusätzlich verstärkt. Auch andere typische Landganseigenschaften wie Frühreife, Bruttrieb und das Führen der Gössel sind in den heutigen Zuchtstämmen der Diepholzer Gans noch fest verankert.

Obwohl Gänse zur Ordnung der Schwimmvögel gehören, halten sie sich vor allem auf dem Lande auf. Dort finden sie auch ihre Nahrung, nämlich Gräser und Kräuter. Im Gegensatz zu Enten fressen Gänse keine Schnecken, Kaulquappen und andere Kleintiere. Sie ernähren sich rein vegetarisch. Die Diepholzer Gans begnügt sich ihr Leben lang mit saurem und süßem, sonst kaum verwertbarem Moorgras und entwickelt dabei ein fettarmes und zugleich feinfasriges, zartes Fleisch von hervorragendem Geschmack.

Das könnte die Rettung für diese besondere Landgansrasse bedeuten. Dank des bewussteren Verbraucherverhaltens erfreut sich die Diepholzer Gans in den letzten Jahren einer langsam steigenden Beliebtheit bei Züchtern und Verbrauchern. Einen wichtigen Beitrag können die robusten und anspruchslosen Diepholzer Gänse aber auch in der Landschaftspflege leisten, wenn sie zur Beweidung von Brachflächen und Feuchtwiesen eingesetzt werden.

Susanne Kopte