Die Leinegans

In Hannover an der Leine haben Gänse... schöne Beine.

Die brauchen sie auch, denn die Rasse ist eine ausgesprochene Weidegans. Sie wurde auch auf Flächen getrieben, die relativ weit vom Hof entfernt lagen. Ihre ausgeprägte Marschfähigkeit ließ lange Treibwege zu. Die Leinegans ist eine bodenständige Landgans, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in der Flussniederung der Leine zwischen Göttingen und Hannover hat. Hier wurde sie in bäuerlichen Zuchten "nebenher" gehalten.

In den 1950er Jahren gingen die Bestände der Leinegans deutlich zurück – das Schicksal vieler Gänserassen. In Deutschland legte man nur noch Wert auf billige Massenproduktion. Bodenständige Rassen für die bäuerliche Haltung kamen aus der Mode. Das Fleisch aus diesen Intensivhaltungen wurde schließlich auf Grund billigerer Lohnkosten im Ausland durch importiertes Fleisch verdrängt. Ende der 1960er Jahre kam die Leinegans in der einschlägigen Literatur nicht mehr vor. Sie galt schließlich als ausgestorben.

Durch Zufall entdeckte 1994 Dipl.Ing.agr. Mathias Vogt im Raum Hildesheim noch ein Paar der Leinegänse. Nach umfangreicher Suche fand er weitere Einzeltiere verteilt in Deutschland. Insgesamt nur 6 (sechs!) reinrassige Tiere waren offenbar der Restbestand einer einst blühenden Leineganszucht! In "letzter Sekunde" konnte die Rasse vor dem endgültigen Verschwinden bewahrt werden!

Es gibt sie mit weißem oder graugeschecktem Gefieder. Als mittelschwere Gans soll sie ein Gewicht von 6 bis 7 kg erreichen. Das Gefieder liegt dicht an, wie auch die Flügel, die den Rücken voll abdecken. Die Leinegans beginnt zeitig im Jahr mit der Eiablage. Die Gelege zählen meist 20  bis 40 Eier, von denen bei Naturbrut etwa zwölf Eier ausgebrütet werden können. Die Gans brütet sehr zuverlässig und führt die Gössel gemeinsam mit dem Ganter sorgsam. Die Gössel sind frohwüchsig und leicht aufzuziehen. Bemerkenswert ist eine frühe Schlachtreife der Junggänse. Das Fleisch einer solchen Gans ist besonders schmackhaft.

Die anspruchslose Leinegans hat Ausdauer bei der Futtersuche, Wetterfestigkeit und Widerstandskraft gegen Krankheiten. Diese Eigenschaften machen sie zum idealen Freilandtier. Eine Aufstallungspflicht im Rahmen der Wildvogelverleumdung anlässlich der Vogelgrippe würde ihr endgültiges Ende bedeuten.

Heute kümmert sich der Herdbuch Leinegans e.V. um die Erhaltung der Rasse:
"Die Leinegans gilt als extrem gefährdet. Wir wollen diese alte Nutztierrasse als wertvolles Zucht- und Kulturgut für die Nachwelt erhalten." Dafür wird einiges getan: "Alljährlich am ersten Wochenende im November findet die Junggansschau statt. Hier werden die zur Zucht geeigneten Junggänse ausgestellt und rassetypische Gänse an Neuzüchter abgegeben. Diese zentrale Verteilung nach zuchtgenetischen Gesichtspunkten ist wegen des engen Verwandtschaftsgrades der Tiere untereinander notwendig. Man bedenke, es standen nur sechs Einzeltiere als Zuchtbasis zur Verfügung." So der Vorsitzende des Vereins, Prof. Dr. Gerhard Boenigk, der auch gerne mit weiteren Auskünften zur Verfügung steht:
Tel. und Fax: 05131. 93 134,
Email: info@leinegans.de

Mathias Güthe, Mitglied des Vorstandes, September 2007