Weniger ist mehr – Nutztierschutz beginnt bei der Wahl der Speisen

01.10.2009: Der 1. Oktober jedes Jahres wird als Weltvegetariertag begangen. Ein guter Anlass, um über unser Konsumverhalten nachzudenken.

Die Weltbevölkerung wächst seit Jahrzehnten exponentiell. Mit ihr steigt das Verlangen – dem westlichen Beispiel folgend – nach Fleisch und anderen tierischen Erzeugnissen. Dies sind die Hauptargumente der Agrarindustrie, um immer mehr Tiere in Tierfabriken einzusperren, wo sie ein qualvolles Dasein im Dienste der Nahrungserzeugung fristen müssen. Anders ginge es nicht, solche Mengen könne man nicht mit Freilandhaltung erzeugen, heißt es seitens der Agrarlobby. Das stimmt.

Aber die Frage ist doch eine ganz andere: Müssen wir überhaupt so viele Nutztiere halten bzw. können wir überhaupt langfristig so viele Tiere füttern? Die Antwort lautet nein. Schon jetzt hungern über eine Milliarde Menschen auf der Welt, Tendenz steigend. Das liegt auch daran, dass in vielen Ländern der Erde so genannte „cash crops“ (Getreide nur für den Export) wie z.B. Soja angebaut werden, die als Tierfutter für Massentierhaltungsanlagen nach Europa verkauft werden, weil das mehr Geld bringt. Rücksichtslos wird dort durch Monokulturen mit gentechnisch veränderten Soja- und Maissorten Raubbau an der Umwelt getrieben. Anschließend werden bei uns die Tiere in industriellen Massentierhaltungsanlagen ausgebeutet. Die neueste Mode ist nun Landkauf in armen afrikanischen Ländern wie Äthiopien (z.B. von China), um dort genug Futternachschub für ihre Tierfabriken anzubauen.

Dabei wird dadurch die Nahrungskette nur unnötig verlängert. Für die Erzeugung von 1 kg Rindfleisch braucht man beispielsweise 7 – 16 kg Soja oder Getreide, das auch für den menschlichen Konsum verwendet werden könnte. Und den Menschen schadet der Überkonsum von tierischen Erzeugnissen nachweislich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt jedem, maximal 90 g Fleisch pro Tag zu verzehren.

Laut Berechnungen des Vegetarierbundes (auf der Grundlage von Daten des Statistischen Bundesamtes) verspeist jeder Deutsche in seinem Leben durchschnittlich 1.094 Tiere: Vier Kühe oder Kälber, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und 945 Hühner. Wenn also jeder von uns einen (ggf. zusätzlichen) fleischfreien Tag pro Woche einlegen würde, dann müssten jährlich allein für den deutschen Konsum 157 Millionen Tiere weniger gemästet und geschlachtet werden. Wenn die Nachfrage sinkt, dann geht auch das Angebot mittelfristig zurück.

Mit gutem Beispiel in diesem Sinne gehen seit diesem Jahr einige Städte wie Gent, Antwerpen und Sao Paulo voran, die in ihren öffentlichen Kantinen einen offiziellen vegetarischen Tag pro Woche eingeführt haben. Damit wollen sie das Bewusstsein für die Problematik schärfen. Denn es ist Zeit, umzudenken und unseren Speiseplan anzupassen – den Tieren, der Umwelt, aber auch uns selbst zuliebe. Weniger tierische Erzeugnisse und dann aus tier- und umweltfreundlicher Erzeugung essen (z.B. Demeter, Neuland) bedeutet mehr Tierschutz, mehr Umweltschutz und mehr Gesundheit.

Sabine Ohm, Europareferentin