Das Sulmtaler Huhn

Die Sulm ist ein 80 km langer Fluss, der durch das nach ihm benannte Tal in der Steiermark in Österreich fließt. Das milde Klima der Steiermark war und ist nicht nur geeignet für den Anbau von Wein- und Getreide, sondern vor allem auch für Mais. Hier züchtete man schon vor 120 Jahren Altsteirer Hühner, und die wurden mit dem dort angebauten Mais gefüttert. Mit den Altsteirern ist die Geschichte der Sulmtaler Hühner eng verknüpft. Denn diese wurden schon um 1800 von Napoelon gern gegessen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die schweren "Sulmtaler" an den Königshäusern in Wien und Frankreich eine Spezialität, mit der die Bauern auf den Märkten einen beachtlichen Erlös erzielten.

Doch die Qualität der österreichischen Hühner verschlechterte sich im Laufe der Zeit. Zwischen Sulmtaler-Huhn_Artnerhof_3e76ac7ee01865 und 1875 wurden planlos Cochin-, Houdan- und Dorking-Hühner eingekreuzt, aus denen sich ein unregelmäßiger Landschlag herausbildete. Um 1900 gründeten Armin Arbeiter und Emanuel Martiny deshalb den Verein zur Reinzucht des Altsteirer Huhns. Ziele waren die Reinzucht des Altsteirer und des Sulmtaler Huhnes. Innerhalb von nur fünf Jahren bildete sich das Sulmtaler Huhn aus uneinheitlichen Landschlägen des Sulmund Saggautales wieder heraus. Es entstand ein schweres fleischiges Huhn, angepasst an die fruchtbaren Ackerbaugebiete der südlichen Steiermark. Bis zum Jahre 1915 wurde es in seiner Reinform gezüchtet und war über die Landesgrenzen hinaus berühmt für seine hervorragenden Fleischansatz bei gleichzeitig hoher Legeleistung. Deshalb empfahl auch die steirischen Landesregierung die Haltung des Huhnes in den Maisanbaugebieten.

Während des 1. Weltkrieges erlebte die Hühnerzucht in der Steiermark einen Einbruch. Erst 1925 wurde sie wieder systematisch fortgesetzt. Die Zuchtanstalt Dornegg brachte die Sulmtaler Hühner wohlbehalten sogar durch die Wirren des 2. Weltkrieges. Doch dann wurde hohe Legeleistung zum oberste Zuchtziel erklärt. Als Folge schlief das Interesse an der Sulmtaler Hühnerzucht ein und wurde ab 1957 ersetzt durch die industrielle Hühnerzucht. Viel Gewicht und Fleisch konnten diese Tiere nicht mehr entwickeln. Nur dem Engagement einzelner Züchter ist es zu verdanken, dass die Sulmtaler Hühner nicht in Vergessenheit gerieten und ausstarben, sondern unbeirrt weiter gezüchtet wurden. Die Anzahl der Sulmtaler ist wieder gestiegen.

Inzwischen hat das Sulmtaler Huhn die Gourmetküche in Österreich erobert. Die Sulmtaler Vermarktungs-GmbH organisiert die Mast auf den Bauernhöfen und die Vermarktung der Hühner als Premiumprodukt" in der Spitzengastronomie und an private Kunden. Die Vertragsbauern verpflichten sich, die Hühner artgerecht zu halten und ihnen als Zusatzfutter nur Produkte (z.B. Mais, Kürbiskerne oder Sonnenblumenkerne) aus der Region anzubieten.

Das robuste, wetterfeste Zweinutzungshuhn ist sehr gut an gepasst an die hügeligen Gegenden der Südsteiermark. Seine Haltung eignet sich besonders für kleinbäuerliche Betriebe an extremen Hanglagen, so sie den Bauern den sonst kargen Lebensunterhalt aufbessern. Durch das Fleisch und die Eier von den Sulmtalern verbessern sie den Grad ihrer Selbstversorgung und erreichen außerdem einen Zusatzverdienst.

Das Sulmtaler Huhn ist kräftig gebaut, das Federkleid gold-weizenfarbig. Hahn und Hennen tragen einen kleinen Schopf und einen Wickelkamm. Die Federn an Schopf und Hals des Hahnes sind braunrot. Brust, Bauch, Schwanz und Schenkel sind schwarzgrün gefärbt. Im ersten Jahr legen die Hennen im Schnitt 160 hellbraune Eier, im zweiten Jahr etwa130. Die Bruteier sind mindestens 55 g schwer. Die Hähne wiegen zwischen 2,5 bis 4 kg und die Hennen bis zu 3,5 kg. Die Tiere sind frohwüchsig und temperamentvoll, aber genügsam. Einen Großteil seiner Nahrung sucht es sich selber – auf Wiesen, Äckern und Weiden. Im Sommer hält es sich gerne unter schattigen Bäumen auf. Im Winter bleibt es lieber im trockenen, gut belüftetem Stall.

Im Jahr 2000 waren bei 50 deutschen Züchtern 94 Hähne und 398 Hühner des weizenfarbigen Farbschlags registriert. Ein Züchter hielt vom weißen Farbschlag einen Hahn und drei Hennen. Bis 2005 war die Anzahl der Hähne hierzulande auf 131 und die der Hennen auf 6363 gestiegen. Doch das ist noch kein Grund zur Entwarnung, denn nach wie vor steht die Rasse auf der Roten Liste der GEH.



Susanne Aigner

(Fotos: www.artnerhof.at)