Gäa

Gäa (griechisch: die Erde) wurde im Mai 1989 als erster ostdeutscher Anbauverband in Dresden gegründet. 1992 wurden der Verband und die Gäa-Richtlinien auf Basis des organisch-biologischen Landbaus durch die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) bundesweit anerkannt. Gäa vereinigt 561 ökologisch wirtschaftende Erzeugerbetriebe, die insgesamt 46.706 ha Nutzfläche nach den Gäa-Richtlinien bearbeiten. Gäa steht für einen würdevollen Umgang mit Natur, Tieren und Menschen. Dabei sind die Gäa-Richtlinien für die Tierhaltung strenger formuliert als die geltende EG-Öko-Verordnung Nr. 2092/91 vom 24.06.1991 (siehe Tabelle ausgewählter Beispiele).
  Regelungen zu Eingriffen am Tier in Gäa-Betrieben:

  • Enthornung (nach Genehmigung durch Gäa aus Sicherheitsgründen gestattet)
  • das Abkneifen der Zähne und vorbeugendes Zähneschleifen bei Ferkeln ist nicht zulässig
  • Schwänze und Ohren der Schweine dürfen nicht kupiert werden
  • das Einziehen von Rüsselklammern und Nasenringen bei Schweinen ist untersagt
  • das Kupieren von Körperteilen (Schnäbel, Flügel) bei Legehennen und Mastgeflügel ist verboten

(Die letzten drei Punkte gehen über gesetzliche Regelungen hinaus)

Geflügelhaltung (Begrenzungen s. Tabelle):
Die maximale Größe der Mastgeflügelstallungen eines Betriebes darf 1.600 m2 betragen. In festen Mastgeflügelställen dürfen 10 bis max. 21 kg Lebendgewicht je m2 von den Tieren nutzbarer Fläche gehalten werden. Legehennenställe sind auf 6 Tiere je m2 begrenzt (Käfighaltung ist untersagt.). Mindestens 8 Stunden Nachtruhe ohne Kunstlicht müssen gewährleistet sein.
Die Auslaufflächen müssen zum überwiegenden Teil begrünt sein und natürliche oder künstliche Deckungsmöglichkeiten (Schattenspender, Greifvogelabwehr) aufweisen. Wassergeflügel ist unter Beachtung hygienischer und umweltschutzrelevanter Gesichtspunkte Zugang zu Wasserflächen zu gewähren (bis 2010 Ausnahmen möglich).

Geflügelart max. Tierzahl je Stallgebäude oder abgegrenzten Gebäudeteil Mindestauslauffläche je Tier
Legehenne 3.000 4,0 m2
  Altställe bis 2010: mind. 2,5 m2
Masthuhn 4.800 4,0 m2
Perlhuhn 5.200 4,0 m2
Enten weibl. Flugenten 4.000  
  sonstige Enten 3.200 3,5 m2
Pute 2.500 10,0 m2
Gans 2.500 15,0 m2

 

Bereich Gäa EG-Öko-Verordnung
Begrenzung der Tierzahl 140 Hennen, 280 Masthühner oder 10 Mastschweine pro ha und Jahr 230 Hennen, 580 Masthühner oder 14 Mastschweine pro ha und Jahr
Anteil am konventionellen Futter Schweine dürfen max. 15% konventionelles Futter erhalten Schweine dürfen max. 20% konventionelles Futter erhalten
Anteil des Futters vom eigenen Hof > 50% muss vom eigenen Betrieb stammen (Ausnahme: Betriebe mit < 10 Dungeinheiten) eigene Futtererzeugung nicht eindeutig vorgeschrieben
zugelassene Futterkomponenten wenige Ausnahmen konvent. Soja, Trester aus Zitrusfrüchten, Importfutter aus der 3. Welt

Jeder Betrieb wird jährlich sowohl auf Einhaltung der EU-Bio-Verordnung als auch auf die Einhaltung der Gäa-Richtlinien kontrolliert. Die Gäa-Zertifizierung erfolgt seit Herbst 2003 nach weltweitem IFOAM-Standard (International Federation of Organic Agriculture Movements – Weltdachverband des Öko-Landbaus).

Informationen unter http://www.gaea.de; HARTMANN, J. (2002): Gäa-Richtlinien für Erzeuger


Steht Gäa für Produkte aus artgemäßer Haltung?
Milch/-produkte: wenig Unterschied zur konventionellen Milchviehhaltung. Kälber werden von Mutter getrennt, Einzelhaltung zum Beispiel im Iglu in den ersten Lebenswochen erlaubt. Enthornung ist nicht ungewöhnlich. Anm.: klingt widersprüchlich zu dem vorne gesagten, da klingt es eher wie große Ausnahme
Eier: wie andere Bio-Eier: mutterlose Aufzucht, Tötung der männlichen Küken. Gefahr der Mangelernährung wegen einseitig pflanzlicher Fütterung. Freilandgeeignete Tiere werden bevorzugt. Freilandhaltung vorgeschrieben.
Rindfleisch: zu 90 % aus Mutterkuh-Haltung, d.h. Kuh und Kalb durften zusammen bleiben.
Schweinefleisch: Sau und Ferkel bleiben beinah doppelt so lange zusammen wie es in konventioneller Haltung üblich ist. Auch Masttiere dürfen ins Freie.
Fleisch von Hühnern und Truthühnern: Mutterlose Aufzucht üblich. behutsame Mast. Freilandhaltung vorgeschrieben. Freilandgeeignete Tiere bevorzugt.
Enten und Gänse: Zugang zu Schwimm- und Badegelegenheit nicht garantiert, aber Freilandhaltung vorgeschrieben

Fazit: Käuferinnen und Käufer fördern durch den Kauf von Gäa-Produkten die ökologische Landwirtschaft in den Neuen Bundesländern. Hervorzuheben ist der hohe Anteil an Rindfleisch aus tierfreundlicher Mutterkuhhaltung. Eier werden erzeugt wie bei anderen Bios auch. Die Milcherzeugung unterscheidet sich kaum von der in konventioneller Haltung.


02.03.2005

  Gäa (griechisch: die Erde)