Ferkelkastration soll bis 2018 EU-weit abgeschafft werden

15.12.2010: Die "Brüsseler Erklärung" zum Ausstieg aus der betäubungslosen chirurgischen Kastration von Ferkeln ist nun offiziell. Wie bereits am 08.12.2010 von PROVIEH im Artikel über die "Aktion Tierwohl" angekündigt, hat sich die von der EU-Kommission koordinierte Plattform mit allen wichtigen Akteuren aus Schweine-erzeugenden Mitgliedsstaaten auf 2018 als Frist zum Umstieg von der Kastraten- auf die Jungebermast geeinigt.

Nach nur sechsmonatiger Ausarbeitungszeit wurde der Kompromiss zwischen Erzeugern, Politik, Lebensmittelindustrie und -einzelhandel sowie Tierschützern veröffentlicht. Im Juni 2010 war von der EU-Kommission in Brüssel der 2. Workshop zum Thema Ferkelkastration abgehalten worden, an dem auch PROVIEH teilnahm. Zum Abschluss der Veranstaltung schlug der Leiter der Division Tierschutz in der Generaldirektion Gesundheit (SANCO), Dr. Andrea Gavinelli, die Ausarbeitung einer "Brüsseler Erklärung" vor Ablauf des Jahres vor.  In Anlehnung an die Erklärungen von Noordwijk (Niederlande) und Düsseldorf beschlossen die Teilnehmer/innen daraufhin zu versuchen, eine gemeinsame Erklärung zur Abschaffung der chirurgischen Ferkelkastration auszuarbeiten. PROVIEH erhielt mehrfach Gelegenheit, durch eigene Vorschläge und Änderungswünsche daran mitzuwirken.

Wie bereits berichtet, wird in der "Brüsseler Erklärung" das Tierleid durch die chirurgische Kastration eindeutig benannt und deren Abschaffung als Ziel formuliert. Ab 2012 soll als erster Schritt EU-weit nicht mehr ohne Schmerzbehandlung und/oder Betäubung kastriert werden dürfen. Die gänzliche Abschaffung der chirurgischen Ferkelkastration ist ab dem 01. Januar 2018 vorgesehen. Auch Frankreich, wo bisher der Verkauf von Eberfleisch sogar gesetzlich verboten war, hat sich dazu entschlossen. Ausnahmen bilden "garantiert traditionelle Spezialitäten" sowie Erzeugnisse mit "geschützter Ursprungsbezeichnung" oder "geschützter geografischer Angabe" (z.B. Parmaschinken). Für deren Herstellung sind besondere Anforderungen notwendig, die Eber bisher nicht erfüllen können. Auch Forschungsziele wurden in der Erklärung formuliert. Die entstehenden Kosten der Umstellung sollen von allen Akteuren in der Produktionskette und dem Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam getragen werden.

Alle Akteure entlang der Produktions- und Vermarktungskette in der EU (inklusive Tierschutzorganisationen) sind nun aufgefordert, diese "Brüsseler Erklärung" zu unterzeichnen.

PROVIEH sieht die "Brüsseler Erklärung" als einen Schritt mit sieben Meilenstiefeln in die richtige Richtung an und wird sie unterzeichnen. Noch zum Auftakt unserer deutschlandweiten Kampagne im Sommer 2008 wäre niemand auf die Idee gekommen, von solchen Fortschritten auch nur zu träumen, so groß waren die Widerstände. In Deutschland und den Niederlanden, die dann aufgrund des Kampagnendrucks durch Tierschützer bei der Abschaffung der Ferkelkastration eine Pionierrolle spielten, ist der Umstieg bereits in vollem Gange. Jungeberfleisch wird seit zwei Jahren erfolgreich produziert, verarbeitet und verkauft. Daher erwartet PROVIEH von der deutschen Fleischwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel auch ein deutliches Bekenntnis zu einem früheren Ausstiegstermin und wird dieser Forderung ab Januar 2011 gegebenenfalls durch weitere Kampagnenaktionen Nachdruck verleihen.

Sabine Ohm, Europareferentin


Weiterführende Informationen:

Informationen zur Ferkelkastrationskampagne 

Pressemitteilung vom 16.12.2010 

Volltext der "Brüsseler Erklärung"

EU-Informationsseite zur Brüsseler Erklärung zum Ausstieg der Ferkelkastration