Reicht es, weniger Fleisch zu konsumieren?

20.12.2010: Diese und viele weitere interessante Fragen über ein moralisches Dilemma stellt "Die Zeit" im Gespräch mit Jonathan Safran Foer über das Essen von Tieren.

Der amerikanische Bestsellerautor ist kein radikaler Apostel des Vegetarismus, sondern bietet pragmatische Handlungsalternativen an, ohne Fleischesser zu verdammen.

 

Wichtig ist ihm, dass über die Realitäten in der Nutztierhaltung mehr informiert und gesprochen, aber auch von den Verbrauchern nachgedacht wird. Rund um sein inzwischen auch auf Deutsch erschienenes Buch "Tiere Essen" gab es viel Medienrummel. "Die Fleischindustrie hat nicht reagiert. Keine einzige Reaktion! Warum nicht? Die wissen: Je mehr man darüber redet, desto schlechter ist es für die Industrie, desto weniger Fleisch werden die Leute essen", so Foer im Interview. Denn zwangsläufig kommen so die tierquälerischen Zustände in der Massentierhaltung ans Licht, aus der leider inzwischen auch der allergrößte Teil der in deutschen Landen feilgebotenen Fleischwaren stammt.

Manchmal hat man Heißhunger auf einen Burger oder eine Bratwurst, und es gibt kein Fleischangebot aus artgerechter Haltung in der Nähe. Kein Problem, sagt Foer: "Das Ziel ist ja nicht, ethisch rein zu sein, sondern die Welt besser zu machen". Das meint auch PROVIEH. Wir setzen uns nach Kräften für ein würdiges, artgerechtes Leben der Nutztiere und gegen die industrielle Massentierhaltung ein, wobei wir von vielen Mitgliedern und Aktiven unermüdlich unterstützt werden – ein herzliches Dankeschön auch auf diesem Wege einmal an alle Unterstützer/innen!

Nicht-Vegetarier können beim alltäglichen Kaufentscheid zudem einen unmittelbaren Beitrag leisten, indem sie den eigenen Verbrauch an Fleisch, Milch und Eiern reduzieren und, wo immer möglich, zu tierfreundlich erzeugter bzw. Bioware greifen. Und alle können helfen, indem sie behutsam mit anderen über ihre Ansichten sprechen. Dazu gehört auch die Nachfrage beim Schlachter oder im Supermarkt, wenn es dort an tierfreundlich erzeugten Waren fehlt.

Leider mangelt es häufig nicht nur am ausreichenden Angebot an solch tierschutzgerechten Erzeugnissen. Es fehlt bisher auch überwiegend an sichtbaren Informationen in Form von Tierschutzetiketten. Die einzige Ausnahme bilden hier bisher die Eier: Auf den Eierverpackungen muss auf einen Blick zu sehen sein, aus welcher Haltungsform die Ware stammt, und jedes Ei ist mit einer Zahl zwischen Null und Drei gemäß der Haltungsform gekennzeichnet. Das ist noch nicht optimal, da je nach Betrieb auch in Boden- und Freilandhaltung die Hennen zum Teil erheblichem Leid ausgesetzt sind. Dieses System kann auch nicht einfach auf alle anderen tierischen Erzeugnisse übertragen werden; aber es lässt zumindest Rückschlüsse auf die Lebensumstände der Legehennen zu (0 = Bio = am tierfreundlichsten, 3 = Käfighaltung = am tierquälerischsten). Und es gibt Verbraucher/innen eine einfache Wahlmöglichkeit an die Hand.

Dies ist ganz im Sinne der auch von Foer geforderten besseren Information und Reflektion über die wahren Zustände in der Nutztierhaltung; denn die Kennzeichnung regt erst das Nachdenken über die unterschiedlichen Haltungsformen und die Lebensqualität der Tiere sowie die eigene Verantwortung bei der Kaufentscheidung an.

PROVIEH setzt sich deshalb auch weiter vehement für die EU-weite Einführung einer verpflichtenden, umfassenden Tierschutzetikettierung für alle tierischen Erzeugnisse ein.

Sabine Ohm, Europareferentin


Zu unserem Thesenpapier über die Auswirkungen einer hohen Fleischproduktion bzw. eines hohen Fleischkonsums kommen Sie hier.

Quellen und weiterführende Informationen: