Dioxinskandal: So teuer kommt uns "billig".

05.01.2011: Tausende Tiere wurden bereits vernichtet, etliche landwirtschaftliche Betriebe vorübergehend dichtgemacht, die wahren Konsequenzen aus dem jüngsten Skandal um Dioxin in Tierfutter lassen aber noch auf sich warten. PROVIEH setzt sich für eine umfassende Produkthaftung bei der Futtermittelherstellung ein und erwartet vom Gesetzgeber die Einführung lückenloser Kontrollen. "Weil in der Tierfutterproduktion bislang nur stichprobenweise auf Gifte wie Dioxin untersucht wird, stellen Skandale wie dieser lediglich die Spitze des Eisbergs dar.", so Stefan Johnigk, Geschäftsführer von PROVIEH. "Billige Futtermittel kommen uns letztlich teuer zu stehen."

Im Rahmen einer Routineuntersuchung des Lebensmittelprüfsystems QS ("Qualität und Sicherheit GmbH") war am 23.12.2010 die Belastung von Tierfuttermitteln des Herstellers Harles & Jentzsch mit Dioxin aufgefallen. Grund für die Verunreinigung mit dem Seweso-Gift war die illegale Beimischung von Fettsäuregemischen aus der Agrardiesel-Erzeugung. Technische Fette sind preiswert und damit verlockend für die Futtermittelerzeuger, stellen doch die Futterkosten den wichtigsten Preisfaktor bei der Intensiv-Geflügelhaltung und -Schweinemast dar. Ihre Verwendung aber ist nur dann erlaubt, wenn sie ausdrücklich für die Futtermittelerzeugung zugelassen sind. Das war bei den verwendeten Mischfettsäuren des Biodieselherstellers Petropec aus Emden nicht der Fall, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärte.

Schutz vor illegalen Beimischungen potentiell giftbelasteter Futtermittelgrundstoffe kann nur eine konsequente Produkthaftung der Futtermittelhersteller in Kombination mit einer lückenlosen Beprobung auf Dioxin und andere Umweltgifte bieten. "Die stichprobenartigen Kontrollen von QS haben den Vorfall aufgedeckt, als das Gift bereits durch die Tiermägen ins Fleisch und die Eier gelangt waren.", so Johnigk. "Jeder Futterhersteller ist aber selbst dafür verantwortlich zu machen, dass keine belasteten Grundstoffe verwendet werden. Weil die Vernunft dazu offensichtlich nicht reicht, sollte der Verordnungsgeber in Zukunft jede Charge lückenlos kontrollieren lassen."

Wer glaubt, das Futter für die Millionen Schweine und Hühner in der deutschen Intensiv-Tierhaltung bestünde nur aus Getreide und Grünzeug, hat sich durch bunte Werbebotschaften böse blenden lassen. Um die maximale "Leistung" aus den Tiere heraus zu holen, wird ihr Industriefutter genauestens auf die biochemische Zusammensetzung hin zusammengemischt und "optimiert". "Eine Tütensuppe ist das reinste Slowfood-Produkt dagegen", meint der Biologe Johnigk. "Und wer es immer noch billiger haben will, darf sich über gelegentlich auftauchendes Transformatorenöl oder Rückstände aus der Kraftstoffherstellung im Futter nicht wundern." Na dann guten Appetit.


Weiterführende Informationen:

  • Ein Fachgutachten zu rechtlichen Aspekten der Sicherheit, Qualität und Kontrolle von Futtermitteln hat Frau Dr. Sabine Schlacke im Auftrag von foodwatch e.V. vorgelegt. Hier ist es zu finden.
  • "Lug und Trog", den Foodwatch-Report zu billigen Lebensmitteln, lesen Sie hier.