Monsanto auf Deutsch

Autor: Bergstedt, JörgMonsanto_auf_deutsch-cover

Titel: Monsanto auf Deutsch

Verlag: SeitenHieb-Verlag, Reiskirchen, Dezember 2010

Preis: 18,- €, 230 Seiten

ISBN: 978-3-86747-043-8.

03.02.2011: Jörg Bergstedt lebt in der Nähe von Gießen. Er schreibt und arbeitet in einer Projektwerkstatt, die sich als Plattform für politische Aktionen versteht. Eines seiner Themen sind Versuchsfelder mit transgenen Pflanzen. Selbst aktiv im Widerstand, packt der Feldbefreier nun aus – über Machenschaften und Verstrickungen von Gentechnik-Firmen, Forschung und Justiz.

Jeder, der sich mit Pflanzenbau und Gentechnik beschäftigt, kennt Monsanto. Bekannt wurde der internationale Konzern vor allem durch den Film und das Buch „Monsanto – mit Gift und Genen“ von Marie-Monique Robin. In Deutschland sind es Bayer, BASF und die KWS SAAT AG, die im Geschäft mit der Gentechnik kräftig mitmischen. Jörg Bergstedt hat ausführlich recherchiert und Fakten zusammen getragen: Zu Saatgutfirmen, Biotechnologie-Forschung und Justiz. Akribisch recherchiert er Details zu einzelnen Personen, verfolgt ihren beruflichen Werdegang, Verbindungen und Überschneidungen. Was er vorfindet, ist ein undurchsichtiges Konglomerat aus Wirtschafts- und Privatinteressen. Und er nennt Namen. Vorbei die Zeiten, in denen Akteure auf entscheidenden Posten anonym bleiben durften. Es zeigt sich: Gentechnik in Deutschland wird von konkreten Personen vorangetrieben. Sie gründen flächendeckend kleine Firmen, um Fördergelder abzugreifen und Giganten wie Bayer und BASF zuzuarbeiten.

Die drei Unternehmen BioMath GmbH Rostock, Biovativ GmbH Sanitz, BioOK GmbH, Groß Lüsewitz zum Beispiel haben sich den Anbau von transgenen Pflanzen auf die Fahnen geschrieben. Alle drei haben nur eine Geschäftsführerin - Kerstin Schmidt. Sie ist auch Geschäftsführerin vom AgroBioTechnikum in Üplingen. Denn die Gründung vieler „innovativer“ Unternehmen im strukturschwachen Osten wird mit Fördergeldern belohnt. Auch „innovative Forschungseinrichtungen“ wie die Uni Rostock forschen zur Grünen Gentechnik und Lobbyverbände wie InnoPlanta (Horst Rehberger) machen lautstarke Werbung dafür.

Tatorte der Aussaat von Gen-Pflanzen sind der Schaugarten Üplingen, Rauischholzhausen bei Gießen und Gatersleben: Ausgerechnet neben der größten Genbank Deutschlands, in der rund 150 000 alte Kulturpflanzen archiviert sind, werden transgenen Pflanzen ausgesät. Da lässt der Widerstand nicht auf sich warten. Felder werden besetzt, zerstört und von Gen-Pflanzen befreit. Die  „Täter“ sind schnell dingfest gemacht, werden vor Gericht gezerrt und als Kriminelle ins Gefängnis gesteckt.

Jörg Bergstedt ist einer von ihnen. Zunächst aber hat er sich dem Vorwurf der Verleumdung von Uwe Schrader und Kerstin Schmidt in seiner Broschüre „Organisierte Unverantwortlichkeit“ gestellt. Vom Landgericht Saarbrücken für schuldig befunden, hob das Oberlandesgericht das Urteil wieder auf. Grund: Seine Veröffentlichungen waren mit seriösen Quellen belegt. Am Ende wird er doch zu sechs Monaten Haftstrafe verurteilt, die er noch bis März 2011 absitzen muss. So rechnet Bergstedt auch mit dem eigenen Gerichtsprozess ab: Minutiös schildert er Verhandlungen, Urteilssprüche, Einwendungen, Revisionen – eine lange Liste von Pannen und Ungereimtheiten auf Seiten der Justiz vom ersten bis zum letzten Tag. 

Die Broschüre hat an Fakten und Infos Einiges zu bieten: Ob „Gentechnik bekämpft den Welthunger“, „Gentechnik schützt die Umwelt“ oder „Der Wirtschaftsstandort Deutschland muss konkurrenzfähig bleiben" - alle diese gängigen Thesen verweist er dahin, wo sie hingehören: In das Reich der Mythen. Wir lesen Fakten zu beliebten Gen-Kulturen wie Raps und Mais. Beispiel Mexiko: Der Mais ist hier inzwischen durchweg kontaminiert, durch eingeschleppte Gen-Pflanzen aus den USA. Und das, obwohl der Anbau von Gen-Mais im Land verboten ist. Ausführlich geht er auf den Lebensraum und die Funktion der inzwischen vom Aussterben bedrohten Bienen ein.

Umweltverbände wie die Grünen, NGO`s und grüne Organisationen lässt Bergstedt nicht ungeschoren davonkommen. Denn deren Widerstand erschöpft sich bei genauem Hinsehen in Internet-Petitionen, Spendenaufrufen und Mitgliederwerbung - und das ist ihm zu wenig. Außerdem kritisiert er deren Nähe zu den Saatgut-Firmen: Etliche ehemals kritische Gentechnik-Gegner haben heute führende Posten in der Gentechnik-Industrie (zum Beispiel Jens Katzek, KWS). Bergstedt warnt  vor Gen-Gentechnik-Kritik, die aus der rechten Ecke kommt, genauso wie vor Verschwörungstheoretikern mit esoterischen Weltbildern. Reinen Schreibtischtätern gegenüber hegt er ein gesundes Misstrauen. Ist seinen Texten auch eine gewisse Polemik nicht abzusprechen, wird doch Eines deutlich: Der Autor will den Leser bewegen, selbst kreativ zu werden im aktiven Widerstand. Denn wo andere aufgeben, macht Jörg Bergstedt weiter, ohne sich von den Drohgebärden von Unternehmern und Justiz einschüchtern zu lassen. Ziviler Ungehorsam ist sein täglich Brot. Und das teilt er am liebsten mit anderen.

Susanne Aigner