Gemeinsam für faire Milch

 

In der EU wird mehr Milch erzeugt als verbraucht. Das drückt auf die Erzeugerpreise der Milchbauern. Der Milchpreis liegt heute in fast allen europäischen Ländern auf einem Niveau, das nicht mehr die Kosten der Erzeugung deckt. Immer weniger Milchbauern gelingt es noch, genügend Einkommen zu erzielen, um ihre Familien zu ernähren und gleichzeitig Kapitalrücklagen zu bilden. Kleine Milchbetriebe sind genauso betroffen wie Wachstumsbetriebe mit hohem Investitionsaufwand. Eine Erhöhung der Milchquoten hat den Strukturwandel im überwiegend kleinbäuerlich strukturierten Milchbereich noch weiter verschärft mit der Folge, dass tausende europäische Milchbauern in den letzten beiden Jahren aufgeben mussten. Der Glaube an ein ungebremstes Wachstum der Betriebe schadet der Milchviehhaltung in Europa.

Trotzdem wird eine immer intensivere Landwirtschaft als Leitbild gefördert. Ungebremstes Wachstum gilt auch bei der Milcherzeugung als politisches Paradigma, und Kostensenkung gilt als die wichtigste Stellschraube bei sinkenden Preisen. Möglichst kostengünstig in großen Einheiten zu produzieren sei die wettbewerbsfähigste Art der landwirtschaftlichen Produktion, so der Tenor der Politik. Negative Folgen für die Regionen sowie für Boden und Wasser, Tiergesundheit, Klima und Biodiversität werden ignoriert.

Milchbauern in der Wachstumsspirale

Oft wird behauptet, nur wer zu Weltmarktpreisen produzieren kann, sei wettbewerbsfähig. Doch lassen sich ein Milchbauer aus Mitteleuropa und einer aus Übersee am Preis überhaupt miteinander messen? Erfüllen sie dieselben sozialen, ökologischen und tierschutzrechtlichen Standards bei der Produktion? Solche Standards spielen beim Weltmarktpreis keine Rolle, dort zählt nur Masse statt Klasse. Jeder Betrieb produziert so viel wie irgend möglich, um zu überleben – und das macht die Überschüsse nur noch größer. Die Milchbauern landen in einer nicht enden wollenden Wachstumsspirale.

Faire Haltung braucht faire Preise

Die Leistungsschraube am Milchmarkt geht zu Lasten der Tiergesundheit. Milchkühe leiden heute sechsmal häufiger an Eutererkrankungen und dreimal häufiger an Klauen- und Stoffwechselkrankheiten als noch vor vierzig Jahren. Kühe mit viel Weidegang und Grünfutter sind in der Regel gesünder als ganzjährig im Stall gehaltene Tiere. Zudem ist die Weidehaltung die energieeffizienteste und ökologischste Form der Tierhaltung. Grünfütterung weist eine wesentlich bessere CO2-Bilanz auf als die energie- und flächenintensive Fütterung mit Kraftfutter. Doch wer von der Tierhaltung „Premium-Qualität“ hinsichtlich Klimaschutz, Nachhaltigkeit und anderer ökologischer Ziele haben will und wer regionale Milchbetriebe erhalten möchte, der muss höhere Milchpreise zu zahlen bereit sein. Gelungenes Beispiel dafür ist die „Die Faire Milch“, eine Aktion von Milchbauern aus Bayern, Baden- Württemberg und Hessen.

Machtgefälle bei der Milch

Die meisten Molkereien sind Genossenschaften, also aus dem Zusammenschluss von Milchbauern entstanden. Doch die bäuerlichen Genossen haben entgegen der landläufigen Meinung bei „ihren“ Molkereien heute so gut wie nichts mehr zu sagen. Vielfach haben die Molkereien das operative Geschäft längst dem Einfluss ihrer Mitglieder entzogen. Für sie zählen vor allem betriebswirtschaftlich günstige Milchpreise. Der „Sektorbericht Milch“ des Bundeskartellamts von Anfang 2010 belegt ein starkes Machtgefälle von den Konzernen zu den Molkereien bis hin zu den Erzeugern. Einige Agrarökonomen und Politiker empfehlen, Molkereien zu bündeln. Doch aufgrund der unterschiedlichen Interessen am Markt verhilft das den Erzeugern nicht zu besseren Preisen, wie man am Projekt „Die faire Milch“ sieht. Viele Molkereien lehnen es aufgrund des Machtkampfes ab, „Die faire Milch“ abzufüllen.

Bauern schließen sich zusammen

Üblicherweise liefert der Erzeuger die Milch bei der Molkerei ab, und diese legt dafür im Nachhinein den Preis fest, der oft nicht einmal die Erzeugungskosten abdeckt. Der einzelne Bauer aber hat es schwer, kostendeckende Preise bei seinen Abnehmern geltend zu machen. Daher betont auch das Bundeskartellamt in seinem Sektorbericht Milch, wie wichtig schlagkräftige Erzeugergemeinschaften für eine faire Milchpreisgestaltung und zur Bündelung des Angebots sind. Solche Gemeinschaften können einen kostendeckenden Basispreis festlegen, der von den Molkereien nicht unterschritten werden darf.

MBLogoDie Milcherzeugergemeinschaft (MEG) „Milch Board“ ist so ein Zusammenschluss mit dem Ziel, nach genauen Kostenanalysen einen Basispreis für faire Verhandlungen mit den Molkereien festzulegen. Es wird kein Einheitspreis angestrebt, sondern ein Ausgangspunkt für fundierte Preisforderungen. Doch Forderungen können in Verhandlungen mit den Molkereien nur dann durchgesetzt werden, wenn die MEG Milch Board stark auftreten kann. Ein hoher Organisationsgrad aller deutschen Milcherzeuger und eine hohe Nachfrage der Verbraucher nach Projekten wie „Die faire Milch“ sind die Schlüssel zum Erfolg – für faire Haltung und faire Preise.

Dr. Andrea Beste, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, MEG Milch Board, c/o Büro für Bodenschutz, Kurfürstenstrasse 23, 55118 Mainz, Tel. (06131) 63 99 01, a.beste@milch-board.de, www.milch-board.de