Gemeinsam sind auch die Schwachen stark

Endlich war der lange kalte Winter vorüber. Es war sehr früh am Morgen. Puttelchen  erlebte zum ersten Mal das Erwachen der Natur. Die Luft duftete nach Frühling. Überall sprossen die zartgrünen Spitzen der ersten Frühlingsblumen aus der schwarzen Erde. Draußen war es noch dämmerig, als Luigi, der kühne Hahn, und seine Hühnerschar sich zu einem kleinen Wäldchen aufmachten, um frisches Gras, würzige Kräuter und fette Regenwürmer  zu suchen.

Die_Perlhühner_Mona_und_Dana_76768_R_by_Miroslaw_pixelio.dePuttelchen hatte sich gut bei seiner neuen Hühnerfamilie eingelebt und schritt freudig aus. Auch etliche der Hennen, die erst zu Weihnachten aus ihrer Legebatterie geflohen waren, kamen mit. Sie lernten nun von den erfahrenen Hühnern, wie man sich in Freiheit zu verhalten hat. Vor Puttelchen liefen die Perlhühner Mona und Dana – wie immer zusammen, in ihrer eigenen Sprache schwatzend und gackernd. Mit ihren vielen weißen Perlen gleichen Tüpfeln auf dem grauen Gefieder sahen sie sehr exotisch aus. Perlhühner leben in den Savannen und Wäldern Afrikas. Sie sind etwa so groß wie Haushühner, haben einen kurzen Schwanz und einen fast kahlen, oft auffallend gefärbten Kopf. Sie sind Bodenvögel, die schnell laufen und über kurze Strecken auch gut fliegen können.

Bald waren Luigi und seine Hühnerschar auf einer kleinen Lichtung angekommen und begannen eifrig zu scharren und zu picken. Es war wunderbar, im weichen Moos zu scharren und den herben würzigen Geruch des Waldbodens einzuatmen. Wie schön kann das Leben sein! Puttelchen staunte wie berauscht und vergaß alles um sich herum. So entfernte sie sich immer weiter von ihrer Gruppe. Doch auf einmal spürte sie, dass jemand sie beobachtete. Als sie aufschaute, sah sie vor sich ein dichtes Gebüsch. Neugierig näherte sie sich – und plötzlich sah sie einem Fuchs direkt in die glühend gelb funkelnden Augen.

„Komm näher, Du kleines Hühnchen, hier im Gebüsch sind viele fette Würmer. Hab keine Angst. Puttelchen_sei_auf_der_Hut-253226_R_by_dieter-haugk_pixelio.deGlaub nicht den Lügen über mich. Ich habe noch nie einem Huhn etwas zu leide getan. Komm nur, komm her!“, lockte der Fuchs. Doch gerade als Puttelchen schon auf das Gebüsch zu laufen wollte, bemerkte der Hahn Luigi die Gefahr und stieß schrille Warnrufe aus. Mit gesträubten Gefieder, hochrotem Gesicht und geschwollenem Kamm ging er geradewegs auf den Fuchs los. Gleich darauf folgten die Perlhühner Mona und Dana, die ein besonders schrilles Geschrei ausstießen, und hinterdrein die übrigen aufgeregten Hennen. Als der Fuchs die ganze schreiende Hühnerschar auf sich zu laufen sah, suchte er entsetzt sein Heil in der Flucht.

Die Hühner drängten sich zusammen. Zornig sah Luigi die kleine Henne Puttelchen an. „Wie oft haben wir dich vor dem Fuchs gewarnt? Er hätte dich mit einem Biss töten können und mich ebenso.  Nur weil wir so zahlreich und gemeinsam gegen ihn vorgegangen sind, hat  er Angst  bekommen und ist geflüchtet. Danke, Mona und Dana, euer schrilles Geschrei hat viel zu unserer Rettung beigetragen.“ Der Schreck saß allen in den in den Gliedern und sie beschlossen, zum Hof zurück zu kehren. Luigi übernahm die Spitze und Alphahuhn Johanna sicherte die Hühnerschar am Ende ab. Und als die Menschen vom Hof die Hühner so still und verängstig zurück kommen sahen, wussten sie, dass der Fuchs wieder aufgetaucht war.

Janet Strahl