Luigis Geschichte

Puttelchen schläft, ihre Küken liegen verstreut um sie herum. Die Kleinen sind jetzt schon acht Wochen alt und damit fast selbstständig. Puttelchen schläft auf einer blau gestrichenen alten Gartenbank und die Sonne wärmt sanft ihr Gefieder. Auf einmal wird sie von einem leisen Geräusch geweckt. Es ist Luigi, der sich neben sie setzt. Sein prächtiges buntes Gefieder glänzt wie gelackt. „Luigi Du bist der schönste Hahn auf der Welt „ sagt Puttelchen und sieht ihn liebevoll an. Sie ist am Ziel. Nie wieder Qualen in der Legebatterie. Nie wieder Gefangenschaft. „Puttelchen ich werde dir jetzt eine Geschichte erzählen, die ich noch nie jemanden erzählt  habe.“

Wie_Luigi_entkommen_ist-Kamilla_Ebert-11JahreMit traurigen Augen sieht er die kleine Henne an und beginnt: Durch die riesige weiss gekachelte Halle flutet kaltes Neonlicht. Die Halle wird durch ein großes Fliessband getrennt das bedeckt ist mit vielen kleinen gerade geschlüpften und getrockneten, flaumigen Kücken. Rechts sitzen Arbeiterinnen und Arbeiter die mit geschulten Griffen die kleinen Küken packen und nach kurzer Prüfung die Hähnchen von den Hühnchen trennen. Die Hähnchen werden auf ein anderes Fließband gesetzt welches in einem Kükenmuser endet, in dem die Tierchen blitzschnell zerhackt werden. Ein Küken fällt beim Umsetzen daneben, ohne das die Arbeiterin es bemerkt. Das kleine Hähnchen  hockt verschreckt auf dem Boden der Halle und hört das Verlassenheitspiepen seiner Artgenossen. Es versteckt sich verängstigt und allein in einer Ecke der Halle. Inzwischen ist Arbeitsende und alle Arbeiter haben die Halle verlassen. Das winzige Hähnchen sitzt immer noch an der gleichen Stelle und wagt sich nicht vor und auch nicht zurück. Es hat Hunger, Durst und panische Angst. Da sieht es wie eine Frau mit einem Besen auf es zukommt. Nun ist es um mich geschehen denkt es noch, doch es kommt ganz anders. Die Frau hebt das Küken mit sanften Händen auf. Sie redet mit einer zärtlichen Stimme auf das winzige Wesen in ihren Händen ein und haucht ihren warmen Atem auf es. Dann wird es in eine Jackentasche gesteckt  in der es behaglich und warm ist. Ganz schnell fällt das kleine Hähnchen in einen tiefen Schlaf. Als es am nächsten Tag aufwacht, sieht es wieder Hahn-Luigi_Janet-Strahl_P1010195die rettenden Hände und hört die sanfte Stimme. Es ist jetzt in einem weich ausgepolsterten Käfig. Eine warme rote Lampe spendet Licht und wohlige Wärme. Vor ihm steht ein kleiner Teller mit Futter und daneben ein Schälchen mit Wasser. Die Frau lockt ihn mit weicher Stimme zum Futter  und da er sehr ausgehungert ist beginnt er zu picken. So vergehen erst die Tage und dann Wochen. Aus dem winzigen Küken ist bildschöner bunter Hahn geworden, der sich seiner Retterin eng angeschlossen hat, aber trotzdem vermisst er seine Artgenossen. Eines Tages nimmt die Frau ihn mit zu einem Bauernhof auf dem alle Tiere artgemäß und frei leben dürfen. Noch einmal streichelt die Frau den Hahn, verabschiedet sich und verspricht ihn jeden Monat einmal zu besuchen. Dann läuft sie schnell davon. Puttelchen hat wie gebannt zugehört. Jetzt sieht sie mitfühlend Luigi an. "Der kleine Hahn der dem Kükenmuser entkommen ist, das bist Du Luigi?" fragt sie leise. "Ja das bin ich", antwortet Luigi.

Janet Strahl