Unverantwortlich: Deutschland unterstützt den Einsatz geklonter Tiere zur Nahrungsmittelproduktion

Ilse Aigner kündigte im Februar 2011 in Deutschland ein Tierschutzpaket für Nutztiere an. Gleichzeitig unterstützt Deutschland auf EU-Ebene die unbeschränkte Einfuhr von Klonnachkommen und ihren Erzeugnissen. Das würde den Verkauf unetikettierter Produkte, deren Ursprung in grausamen, tierquälerischen Klonprozessen liegt, in Deutschland und der EU Tür und Tor öffnen. Bis zum 29. März 2011 muss sich der Vermittlungsausschuss einigen, sonst platzt das Gesetzesvorhaben, mit dem ein umfassendes Klonverbot eingeführt werden könnte.[1]

Das angebliche Engagement der Landwirtschaftsministerin für den Nutztierschutz wird durch die deutsche Position als Lippenbekenntnis entlarvt. Denn das Klonen zur Nahrungsmittelproduktion wird sogar aus wissenschaftlicher Sicht abgelehnt: Der Europäischen Ethikrat (EGE) sieht in seiner Stellungnahme „angesichts des gravierenden Tierleids und der gesundheitlichen Probleme von Klontieren keine überzeugende Rechtfertigung für das Klonen zur Nahrungsmittelproduktion“. Und die Europäischen Lebensmittelaufsichtsbehörde (EFSA) gab in zwei Berichten (2008 und 2010) zu bedenken, die Gesundheit und das Wohlergehen eines bedeutenden Teils der Klone und ihrer Ersatzmütter sei oft schwer beeinträchtigt, was häufig sogar zum Tod führe. Laut Eurobarometerumfragen sind zudem 70 % der Europäer gegen das Klonen zur Nahrungsmittelerzeugung.[4]

„Die rücksichtslose Ausbeutung von Nutztieren wird durch das Klonen auf die Spitze getrieben, dem darf Europa keinen Vorschub leisten“, so der Vorsitzende von PROVIEH, Prof. Dr. Sievert Lorenzen. Ein signifikant hoher Anteil an Klontieren stirbt verfrüht durch Gesundheitsprobleme wie Herz-Kreislauf-Versagen, Atemwegsbeschwerden und Versagen des Immunsystems. In Neuseeland stellte eines der landesweit größten Forschungsinstitute (AgResearch) im Herbst 2010 nach öffentlichem Bekanntwerden der hohen Sterblichkeitsraten und Gesundheitsprobleme die Klonforschung komplett ein. Aber in den USA ist das Klonen bereits ein großes Geschäft, an dem einige Konzerne viel Geld verdienen: Besonders leistungsstarke Tiere – z.B. Kühe, die 15.000 Liter Milch pro Jahr geben, oder Schweine mit besonders hohen Tagesgewichtszunahmen – werden dort bereits seit Jahren vermehrt geklont. Im Rahmen der Welthandelsorganisation drohen die USA mit Klage, sollte die EU ihre Tore vor Klonnachkommen und deren Erzeugnissen verschließen.

Wer aber die Vermarktung von Nachkommen und deren Erzeugnissen erlaubt, befördert indirekt das Klonen selbst. Zudem vermehrt das Klonen die Zunahme der jetzt schon gravierenden Gesundheitsprobleme von einseitig gezüchteten Hochleistungstieren. Deren Skelette und Kreislaufsysteme halten weder die überdimensionierten Euter noch widernatürliche Gewichtszunahmen aus. Häufige Lahmheit und Klauenprobleme, aber auch Euter- und Gelenkentzündungen sind einige der typischen schwerwiegenden Beeinträchtigungen des Tierwohls. Gerade das Klonen von Hochleistungstieren ist aber absehbar, da Gewinnmaximierer nur die kurzfristig zu erreichende Produktionsmenge von Fleisch oder Milch pro Tier im Blick haben, nicht aber Lebensdauer und Lebensleistung, Gesundheit oder Wohlergehen der Nutztiere.

 

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[1] Die Novel Food Verordnung, seit drei Jahren im europäischen Gesetzgebungsverfahren, soll u.a. auch die Inverkehrbringung von Erzeugnissen aus Klonen und ihren Nachkommen regeln. Am 23.03.2011 tagt der Vermittlungsausschuss im Trilog zwischen Kommission, Rat und Europäischem Parlament (EP). Auf der Sitzung am 28.03. müssen sich die Vertreter von Rat und EP spätestens auf einen gemeinsamen Text einigen, sonst läuft am 29.03. die Frist ab und der Gesetzgebungsprozess ginge von vorne los.

[2] European Group on Ethics (EGE) in Science and New Technologies 2008: Ethical aspects of animal cloning for food supply – Opinion No 23

[3] European Food Safety Authority 2008: Opinion of the Scientific Committee/Scientific Panel on “Food Safety, Animal Health and Welfare and Environmental Impact of Animals derived from Cloning by Somatic Cell Nucleus Transfer (SCNT) and their Offspring and Products Obtained from those Animals” und European Food Safety Authority 2010: Update on the state of play of animal cloning

[4] Europarometer Special Report: Biotechnlogy Report, Oktober 2010, siehe http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_341_en.pdf

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