Pure Heuchelei der CDU/CSU und FDP auch in der Klonfrage

25.03.2011: Offiziell lehnt die Bundesregierung angeblich das Klonen zur Nahrungsmittelerzeugung ab. Den nötigen EU-Gesetzentwurf will sie aber nicht verabschieden. PROVIEH protestiert in einem offenen Brief.

PROVIEH fordert die zuständige Bundesministerin Aigner mit folgendem offenen Brief auf, endlich für ein umfassendes Klonverbot einzutreten. Wir rufen zudem bundesweit die Menschen über Internetplattformen wie Facebook auf, per E-Mail mit uns zu protestieren (poststelle@bmelv.bund.de):

Umfassendes Klonverbot für Lebensmittelerzeugung

Sehr geehrte Frau Bundeministerin,

das Antwortschreiben von Dr. Schneider in Ihrem Auftrag vom 22. März 2011 ist leider höchst unbefriedigend, insbesondere auch angesichts des letzten Verhandlungsstandes nach der Sitzung vom 23.03.2011.

Nach Angaben der Europaabgeordneten Dagmar Roth-Behrendt war Deutschland zuletzt maßgeblich am Scheitern der Verhandlungen über die Novel Food Verordnung beteiligt. Der deutsche Vertreter habe im Vermittlungsausschuss ein Verbot von Lebensmitteln aus Klonnachfahren strikt abgelehnt.

Sie, Frau Aigner, wurden vergangene Woche zitiert mit den Worten, die Bundesregierung sei generell gegen das Klonen von Tieren. Es sei jedoch eine andere Frage, was mit den Nachfahren von Klontieren geschehe. Zu einer möglichen Kennzeichnungspflicht sollen Sie gesagt haben: „Ich kann mir vorstellen, dass eine Kennzeichnung bei der ersten Generation noch möglich ist; bei den Weiteren dürfte es einfach praktikabel schwierig sein.“ [1]

Frau Ministerin, Ihre Haltung ist pure Heuchelei und zudem von Unwissenheit gekennzeichnet: Wer das Klonen ablehnt, muss auch den Verkauf von Klonnachkommen und ihren Erzeugnissen verbieten; denn ohne Klone (und ihr Leid / häufigen Tod bei der Entwicklung im Mutterleib, Geburt und in der Aufzucht) keine Klonnachkommen. Unsere Rücksprache mit Vertretern der Industrie hat außerdem ergeben, dass lückenlose Rückverfolgbarkeit durchaus möglich, wenn auch mit Kosten verbunden ist – auch im Schweinesektor, wo es bisher noch keine offizielle Verpflichtung zur Rückverfolgbarkeit gibt (anders als bei Rindern seit der BSE-Krise); d.h. „unpraktikabel“ ist das keinesfalls, schwierig auch nicht, es kostet nur Geld.

Ihre Argumente halten also einer Prüfung nicht stand, sondern sind windelweiche, durchsichtige Ausweichmanöver. Ihr groß angekündigtes Tierschutzpaket verblasst angesichts des unermesslichen Tierleides, dass Sie durch Ihre indirekte Förderung des Klonens mit zu verantworten hätten, sollte die Novel Food Verordnung jetzt wegen der Unnachgiebigkeit Deutschlands / des Rates platzen. Denn die USA stehen in den Startlöchern und werden sicher nicht zögern, den EU-Markt vorsorglich mit Klonnachkommen und ihren unetikettierten Erzeugnissen zu überschwemmen. Damit würden sie vollendete Tatsachen noch vor der Ausarbeitung der geplanten eigenständigen EU-Gesetzgebung über das Klonen schaffen. Das ist angesichts der großen Ablehnung seitens der Bevölkerung (drei Viertel sind dagegen) eine absolute Zumutung, die wir keinesfalls akzeptieren werden.

PROVIEH fordert Sie noch einmal auf, jetzt umgehend und öffentlich den Standpunkt des Europäischen Parlaments einschränkungslos zu unterstützen. Wegen der hohen Stimmenzahl im Rat und der Bedeutung der deutschen Fleisch- und Milchwirtschaft werfen Sie großes Gewicht in die Waagschale. Dieser Verantwortung müssen Sie gerecht werden.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Sievert Lorenzen
Vorsitzender


[1] Vgl. http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Agrarpolitik/Streit-ueber-Klonfleisch-Verbot-in-der-EU_article1300455112.html