Geflügel: Keine Aufhebung der Stallpflicht in Sicht!

14.04.2011: Die Vogelgrippe ist in Deutschland offenbar kein Thema mehr. Trotz allem ist die Stallpflicht weiterhin in Kraft, und das seit fünf Jahren. Zwar hat das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) längst einen Entwurf zur Änderung der Geflügelpestverordnung ausgearbeitet. Eine Aufhebung der Stallpflicht wurde im Oktober 2010 angekündigt. Doch seitdem ist nichts mehr passiert.

Die 500 Meter-Sperrzonen für Geflügel betrifft vor allem die Geflügelhalter im Südwesten Deutschlands: am Bodensee (Halbinsel Höri), am Federsee (Schwaben) sowie die Geflügelhalter an Rhein und Neckar. Hier müssen Enten, Gänse, Puten und Hühner weiterhin im Stall bleiben. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart sei die Aufhebung der Stallpflicht in der Diskussion - wie lange noch, ist ungewiss.

Weil die Vogelgrippe erstmalig 2006 bei Wildvögeln im Südwesten Deutschlands nachgewiesen wurde, kursierte in der Fachwelt lange das Gerücht, sie würde von Wildvögeln übertragen. Man befürchtete eine Ansteckung des Hausgeflügels mit dem H5N1-Virus. Als Schutzmaßnahmen wurden darum Sperrbezirke eingerichtet. Davon ist die 500-Meter-Uferzone heute übrig geblieben. Doch die Krankheit ist ein hausgemachtes Problem. Das bewies der Zoologe Sievert Lorenzen zweifelsfrei in seinem wissenschaftlichen Beitrag (s. unten).

Die wahren Ursachen der Krankheit sind in der Intensivmast bei Hühnern und Puten zu suchen. Im Jahr 2008 befiel der niedrig pathogene Virus H5N3 die Putenställe im Landkreis Cloppenburg, eine Hochburg der Geflügelmast. 560 000 Puten wurden damals vorsorglich getötet, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern (wir berichteten im PROVIEH-Magazin 1/2009). Letztmalig wurde die Krankheit Anfang März 2009 bei einer erlegten Wildente in der Nähe von Starnberg festgestellt.

PROVIEH fordert eine sofortige Aufhebung der Stallpflicht! Denn Enten und Gänse brauchen das Bad in natürlichen Gewässern. Hühner und Puten müssen auf Wiesen und Gehöften picken und scharren! Das stärkt das Immunsystem und ist der beste Schutz gegen Vogelgrippe. In unserer Kampagne "Bauernhahn statt Turbohuhn" ist jeder, der einen Garten besitzt, aufgefordert, selber Hühner zu halten.

Susanne Aigner, Fachreferat Witzenhausen


Lesen Sie mehr zum Thema hier:

Lorenzen, Sievert: Evolution und Ausbreitung des Vogelgrippe-Virus H5N1 https://provieh.de/downloads_provieh/voelorenzeninternet.pdf https://provieh.de/downloads_provieh/provieh_magazin_2010_02.pdf 

Ammann, H. P.: Bioaerosole in der Geflügelintensivhaltung

https://provieh.de/downloads_provieh/provieh_magazin_2009_03.pdf (S. 9–11)

provieh.de/downloads_provieh/PROVIEH_Magazin_2009_01.pdf (S. 29–31) 

provieh.de/s3424.html 

provieh.de/s3135.html                                                                                                                                             

provieh.de/s2736.html 

www.bauernhahn.de