Wiesenhof: Hygienemängel und Tier-Amputationen

02.05.2011: Egal ob Hühner misshandelt werden oder ob katastrophale hygienische Zustände in den Schlachtbetrieben herrschen – Wiesenhof ist regelmäßig in den Schlagzeilen. Der Wiesenhof-Betrieb in Möckern schlachtet täglich 130.000 Hähnchen. 60.000 Tiere werden zu Hähnchenteilen zerlegt und zu Tierkühlfleisch verarbeitet. Das sind 40 Millionen Hähnchen im Jahr. Das Fleisch, vor allem die Filets, werden vorwiegend nach England, Schweden und in die Schweiz exportiert.

„Qualität“ ist eines der Lieblingsworte auf der Website des Konzerns. Doch bei genauem Hinsehen nimmt der Schlachtbetrieb es damit nicht so genau. Bereits 2010 stellten die Kontroll-Behörden aus Halle im Schlachthof Möckern in Sachsen-Anhalt Schwarzschimmel an Wänden und Decke fest. Eine unzureichende Kühlung fördert die Entstehung von Salmonellen. Das sind Bakterien, die Darmkrankheiten auslösen. Sogar Russland hat eine Importsperre für Hähnchen aus Möckern verhängt, weil mehrere Tonnen gefrorenes „Separatoren-Fleisch“  (Fleischreste von Knochen) mit Salmonellen verseucht waren.

Schon die Überschreitung der behördlich zugelassenen Schlachtmenge von 240 Tonnen Geflügel pro Tag brachte dem Betrieb einen Bußgeldbescheid von mehreren zehntausend Euro ein. Nun wurde festgestellt, dass nach dem Aufschneiden der Hühnchen mit der Schlachtmaschine Kot aus dem angeschnittenen Darm auf das Fleisch läuft. Für diesen gravierenden Hygiene-Verstoß setzte die Behörde ein Zwangsgeld von 100.000 Euro fest. Eine ausreichende Kühlung und eine langsamere Bandgeschwindigkeit würden zwar ausreichen, um wenigstens die vorgeschriebenen Hygiene-Mindestnormen einzuhalten, doch das kostet Geld, das Wiesenhof nicht investieren will.

Unter anderem bescheinigte die Behörde dem Unternehmen ein „erhebliches Gefährdungspotenzial für die Verbraucher“. Schon im August 2010  wurde Wiesenhof aufgefordert, die „Verletzungen hygienerechtlicher Bestimmungen» in seinem Betrieb zu beseitigen. Dem kam der Betrieb nur teilweise nach. Die meisten Vorwürfe wurden nur abgestritten. Anstatt die Ursachen der Mängel zu beseitigen, setzt sich Wiesenhof nun rechtlich zur Wehr.

Verbotene Amputationen an Hühnern

In den Lohmann-Brütereien in Dorum und Altenwalde werden 5 Millionen Küken im Jahr als künftige Elterntiere für die Legehybriden produziert. Die Lohmann Tierzucht GmbH in Cuxhaven geriet in die Kritik, weil Mitarbeiter bei den Tieren massenweise Schnäbel gekürzt, Kämme und Zehen amputiert und männliche Küken getötet haben. Wie sich im Nachhinein herausstellte, gab der Kreisveterinär hierfür sogar sein Einverständnis.

Tierschutzplan angekündigt – wird er auch umgesetzt?

Der niedersächsische Agrarminister Gert Lindemann hat einen neuen Tierschutzplan mit 38 Maßnahmen angekündigt, doch ob diese umgesetzt werden und, wenn ja, wie schnell, ist äußerst ungewiss. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft jedenfalls sieht in dem Maßnahmeplan nichts anderes als eine trügerische „Rechtfertigung agrarindustrieller Haltungsmethoden“.

Susanne Aigner 


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