Einigkeit macht käfigfrei

25.02.2011: Die deutsche Tierschutz-bewegung in einer Vielzahl von Organisationen aktiv. Wie wertvoll eine koordinierte Zusammenarbeit dieser Verbände sein kann, beweisen erneut die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom 22.02.2011: In nur vier Jahren sank die Anzahl der Käfighennen in Deutschland von über 22 Millionen auf unter 5 Millionen. Das ist ein großartiger Erfolg für die Tierschutzbewegung und das Bündnis „Deutschland wird käfigfrei“. Doch der Weg dahin war lang und ist noch längst nicht zu Ende.

Blick zurück in den Käfig

Im Jahr 1999 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Haltung von Hennen in Legebatterien gegen das Grundgesetz verstößt. Doch der Handel mit Käfigeiern hielt zunächst unvermindert an. 2002 schlossen sich daher der „Bundesverband der Tierversuchsgegner – Menschen für Tierrechte e.V.“, „PETA – Deutschland e.V.“, die „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“, „VIER PFOTEN e.V.“ und „PROVIEH - Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V.“ zur Kampagne „Handel mit Gewissen“ zusammen. Das Team erwies sich als schlagkräftig. 2003 erklärte ALDI Nord öffentlich als erste Supermarktkette in Deutschland, Käfigeier nach einer Übergangsfrist bis 2008 ganz aus den Regalen zu nehmen. Das Fundament für den Käfig begann zu wackeln.

Mitte 2008 traten weitere Verbände dem Tierschutzbündnis bei. Unter operativer Leitung der Albert Schweitzer Stiftung und mit finanzieller wie auch fachlicher Unterstützung der Partner wurden alle verbliebenden Supermarktketten nachdrücklich aufgefordert, Käfigeier aus dem Sortiment zu nehmen. Mit großem Erfolg: Schon gegen Ende 2008 knickten die Verkaufszahlen der Käfighalter dramatisch ein. Nur zwei Jahre später, im Jahr 2010, waren praktisch keine Eier aus Käfighaltung mehr im Lebensmitteleinzelhandel erhältlich. Das Käfigei war endlich ins Rollen gekommen.

Gegen versteckte Käfigeier

Infobox_KaefigfreiIm Frühjahr 2009 war der Kreis der Bündnispartner bereits auf 13 Organisationen angewachsen (siehe Infobox). Unter der bewährten Leitung der Stiftung wurde nun auch die Eier verarbeitende Industrie höflich, aber bestimmt  aufgefordert, in Zukunft keine Käfigeier mehr in ihren Produkten zu verwenden. Billige Qualeier sind allzu oft versteckt in Backwaren, Feinkost oder Eiscremes verarbeitet. Die millionenschweren Käfigbarone blockieren seit langem mit ihrer Lobbyarbeit eine verbindliche Kennzeichnung der Herkunft von Eiprodukten in verarbeiteten Lebensmitteln. Dagegen setzt das Bündnis wirksame Mittel: Transparenz der Produkte und Aufklärung der Kunden, vor allem über das Internet.

Der Handel handelt.

Die unangenehme Aussicht, als Blockierer von tierschutzrelevanten Verbesserungen öffentlich bekannt zu werden, motivierte selbst große Unternehmen zu einem Umdenken in ihrer Einkaufspolitik. Nur selten musste das Bündnis seine vielen tausend Unterstützerinnen und Unterstützer zu direkten Protestaktionen gegen Konzerne und ihre Marken aufrufen. In den meisten Fällen zogen die Unternehmen konstruktive Gespräche vor, statt Ziel der gemeinsamen Kampagnenarbeit zu werden. Diese Arbeit verläuft bis heute sehr erfolgreich (mehr unter www.kaefigfrei.de). Etliche Supermarktketten, Lebensmittelproduzenten und Gastronomieunternehmen wurden bereits überzeugt, auf Käfigeier zu verzichten.

Wo bleibt die Politik?

»Wir haben unseren Beitrag geleistet, die Käfighaltung praktisch obsolet zu machen, jetzt muss Bundesministerin Aigner auch die letzten Käfighaltungsplätze schließen«, erklärt Wolfgang Schindler, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, für das Bündnis der Tierschutzorganisationen. Doch die Bundesregierung ist nicht nur aufgefordert, endlich einen Schlussstrich unter das dunkle Kapitel der Käfighaltung in Deutschland zu ziehen. Auch das schmerzhafte Amputieren der Schnabelspitzen, die millionenfache Vernichtung von Eintagsküken und die gnadenlose Hochleistungszucht müssen endlich gestoppt werden. PROVIEH wird weiter dafür kämpfen, Seite an Seite mit guten Partnern.

Stefan Johnigk