Bio-Essen in Kitas: So klappt es

30.06.2011: Die gute Nachricht zuerst: Wenn Eltern für ihren Nachwuchs einen Betreuungsplatz in einer Kita (Kindertagesstätte) suchen, achten sie zunehmend auf die Qualität des dort angebotenen Essens. Deshalb ist es wichtig für eine Kita, trotz knapper Budgets den erhöhten Ansprüchen der Eltern nachzukommen. Erfreulicherweise haben auch viele Erzieherinnen und Erzieher ein großes Interesse an ausgewogener, ökologischer Ernährungsweise. So bietet sich die Chance, die Erwachsenen von morgen schon in den entscheidenden jungen Jahren nachhaltig auf verantwortungsvollen Konsum zu prägen.

Es geht nicht darum, bestimmte Speisen und Zutaten aus dogmatischen Gründen vom Essensplan zu verbannen. Besser als Dogmen und Verbote ist die Erziehung zu altersgemäßer Freiwilligkeit in der Ernährung. Dann ist es kein Problem, wenn die fünfjährige Karla seit fast zwei Jahren freiwillig vegan isst, der fast vierjährige Mika aber gern auch mal zur (Bio-)Wurst greift, obwohl sich die Eltern von Karla und Mika vegan beziehungsweise vegetarisch ernähren und ihren Kindern diesen Lebensstil auch erklären.

Eine Kita-Leitung von verantwortungsvoller Ernährung zu überzeugen, ist oftmals leichter als gedacht. Am besten schließt man sich mit einigen Gleichgesinnten zusammen und liefert gute Argumente. Da viele Eltern und Kita-Leitungen nicht auf ein Fleischangebot verzichten mögen, macht es vor allem Sinn, auf das Angebot von Bio-Fleisch hinzuarbeiten und das Fleischangebot zu reduzieren. Selbstverständlich sollen Kinder, die sich vegetarisch ernähren wollen, die Möglichkeit hierzu erhalten.

Der Verfasser dieses Artikels hat für  die Kita, in der sein Sohn untergebracht ist, ein ausführliches Argumentationspapier zum Thema Ernährung in der Kindertagesstätte mit vielen Literaturhinweisen erstellt. Denn allein zum Thema Bio-Fleisch gibt es zahlreiche Aspekte, die über das richtige Argument "weniger und dafür besseres Fleisch" hinausgehen.

Das Papier finden Sie am Ende dieses Textes unter "Anmerkungen zur Ernährung in einer Kita".

Möglich ist, dass eine Kita-Leitung den angeführten Argumenten zwar zustimmt, sie wegen angeblicher Budgetprobleme aber nicht umsetzt. Doch es gibt zahlreiche Kitas, die hochwertiges Essen auch bei knappen Budgets anbieten können, also ohne horrende Extrabeiträge von Eltern zu verlangen. Wie das möglich ist, darüber informiert das "Aktionshandbuch zur Umstellung auf Bio-Verpflegung" vom Tollwood Festival und der Stadt München.

In der Kita des Sohnes des Verfassers wurde übrigens dank des Engagements vor allem der Erzieherinnen und Erzieher das Fleischangebot drastisch reduziert und komplett auf Bio umgestellt. Ganz ohne den Druck der Eltern ging das allerdings nicht: Regelmäßig brachten diese das Thema auf den Tisch.

Sven Garber, PROVIEH-Mitglied und Vater eines dreijährigen Sohnes


weiterführende Informationen:

Anmerkungen zur Ernährung in einer Kita (Sven Garber)

Link zu Tollwood und zum "Aktionshandbuch zur Umstellung auf Bio-Verpflegung"