Herpesvirus gefährdet Karpfen

477763_R_K_by_Angelina_20Stroebel_pixelio.de_11.07.2011: EHEC ist kaum vorbei, schon kündigt sich das nächste Virus an. Diesmal betrifft es die Fische: Ein aggressives Herpesvirus bedroht die Karpfenbestände weltweit. Erstmalig wurde es vor 15 Jahren bei Koi-Karpfen in japanischen Zierteichen nachgewiesen. Nun breitet es sich mit einer Rasanz aus, die selbst Experten ratlos macht.

Foto: © Angelina Stroebel / PIXELIO


Je nach Art kann ein Koi bis zu einem Meter lang werden. Wachstum und Gesundheit hängen vor allem von der Wasserqualität ab. Nitrit-, Ammoniak- und pH-Werte entscheiden über das Gedeihen der Fische. Gerät das ökologische Gleichgewicht durcheinander – was häufig durch industrielle Massentierhaltung wegen zu hoher Nährstoffeinträge passiert – hat das gesundheitliche Folgen für die Karpfen. In der Zucht kann ein Koi-Karpfen bei sehr guter Haltung 50 bis 70 Jahre alt werden. Das Virus dürfte die traumhaft lange Lebensdauer der Tiere aber empfindlich verkürzen.

Um Ursachen und Entstehung des Virus herauszufinden, reisten Anfang Juli 2011 deutsche und japanische Wissenschaftler zu einer Tagung in Münster. Zen'ichiro 510330_R_by_Jens_Bredehorn_pixelio.de_Kawabata, Professor für mikrobielle Ökologie am Research Institute for Humanity and Nature in Kyoto, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch von Infektionskrankheiten wie dem Koi-Herpesvirus und Umweltveränderungen durch menschlichen Einfluss. Diese Vermutung wird durch frühere Studien aus Japan noch untermauert. Inzwischen sei das Herpes-Virus zu einem weltweiten Problem angewachsen, das nicht nur Zierfische, sondern auch Karpfen in Aquakulturen betrifft, meint der Biologe Prof. Arndt Telschow vom Institut für Evolution und Biodiversität der Universität Münster. Zu seiner rasanten Verbreitung trägt vor allem der globalisierte Handel bei. Durch Export und Import findet das Virus den Weg auch nach Deutschland: Eine Untersuchung ergab, dass inzwischen 60 Prozent aller Teiche in Deutschland mit dem Virus infiziert sind. Besonders Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen sind betroffen.

Foto: © Jens Bredehorn / PIXELIO

Eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht: Keine Impfstoffe und keine Medikamente können das Virus innerhalb der Karpfenbestände aufhalten. Zwar können die Karpfen längere Zeit das Virus unerkannt in sich tragen. Wenn aber die Krankheit ausbricht, kommt es zum Massensterben: Dann sterben innerhalb von zwei Wochen 80 bis 100 Prozent aller Fische des erkrankten Bestandes. Die gute Nachricht: Eine Übertragung auf andere Fischarten konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Auch der Mensch blieb bislang vom Virus verschont.

Susanne Aigner, Fachreferat Witzenhausen


Weiterführende Quellen:

www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Herpesvirus-bedroht-Karpfen-in-aller-Welt-id15769646.html

www.borkenerzeitung.de/aktuelles/muensterland/1574143_Herpesvirus_bedroht_Zierfische.html

Studie des Research Institute for Humanity and Nature in Kyoto:

http://www.chikyu.ac.jp/rihn_e/project/FS-07.html   

Auflistung bekannter Infektionskrankheiten:

http://www.chikyu.ac.jp/z/zhp/p6e.html 

Frühere Artikel zu Aquakultur:

https://provieh.de/node/10702https://provieh.de/fische