Füttern ohne Gensoja

Siegel_ohnegentechnik21.07.2011: In deutschen Tierställen findet ein versteckter Tierversuch gigantischen Ausmaßes statt. Millionen Hühner, Schweine und Rinder werden mit Millionen Tonnen gentechnisch veränderter Soja gefüttert. Das geschieht gegen den Willen einer Mehrheit der Verbraucher, ohne wissenschaftliche Begleitung und mit ungewissem Ausgang. Das Risiko tragen die Bauern und ihre Tiere. Doch längst nicht alle Bauern machen mit. PROVIEH sprach mit zweien von ihnen.

Christoph Hönig aus Baden-Württemberg hält Legehennen in Boden- und Freilandhaltung. Seine Hennen brauchen viel Eiweiß im Futter, um gesund zu bleiben und Eier zu legen. Doch obwohl Hühner von Natur aus Allesfresser sind, müssen sie in Deutschland und der EU rein vegetarisch gefüttert werden. Futtermittel tierischer Herkunft wurden in Reaktion auf die BSE-Krise im Jahr 2001 in der EU komplett verboten. Statt tierischem landet also pflanzliches Eiweiß aus Soja in Europas Futtertröge. Jahr für Jahr werden rund 35 Millionen Tonnen in die EU importiert. Über 70 Prozent davon sind gentechnisch verändert. Das treibt Umwelt- und Verbraucherschützer auf die Barrikaden und sollte auch den Tierschützern zu denken geben.

Fruchtbarkeitsstörungen durch Gensoja

Wissenschaftliche Hinweise mehren sich, dass die Verfütterung von gentechnisch veränderter und mit dem Pflanzengift „Roundup“ behandelter Soja zu Erkrankungen, zu Fruchtbarkeitsstörungen und zu einer Zunahme von Totgeburten führen kann. Veränderungen in den Enzymwerten konnten bereits im Labor beobachtet werden. Mögliche Ursachen sind nicht nur die gentechnische Veränderung von Soja, sondern auch Bestandteile des Unkrautvernichtungsmittels, gegen die die Sojapflanze künstlich resistent gemacht wurde. Verlässliche Langzeitstudien zum Problem wurden bisher nicht gemacht. Die Profiteure des Genpflanzenanbaus wollen solche Studien auch nicht finanzieren. Sie üben vielmehr Lobbydruck auf Politiker aus, um den massenhaften Anbau und Verbrauch von Soja durchsetzen. So werden tausende Bauern in Abhängigkeit geführt und Millionen Nutztiere als Versuchsobjekte missbraucht.

Bauern, die gegen den Strom schwimmen

Hühnerbauer Christoph Hönig und seine Erzeugergemeinschaft verzichten auf Gensoja. Das tun sie auch den Kleinbauern in Südamerika zuliebe, die von Saatgutlieferanten wie Monsanto abhängig gemacht und von uferlos wachsenden großen Sojafarmen verdrängt werden. Die Erzeugergemeinschaft würde die Hennen gern mit den einweißreichen Reststoffen füttern, die bei der Herstellung von Gelatine aus Schlachtabfällen anfallen und qualitativ hochwertig und hygienisch einwandfrei sind. Erste Versuche hierzu verliefen sehr ermutigend, doch solange die Verfütterung von tierischem Eiweiß verboten bleibt, wird auf Soja im Hühnerfutter kaum zu verzichten sein.

Joergen-Sierck_Christina-Petersen_0148Milchbauer Jörn Siercks aus Schleswig-Holstein hat es leichter, schließlich sind seine Kühe Vegetarier und brauchen kein tierisches Eiweiß im Futter. Sie brauchen auch kein Sojakraftfutter, erst recht kein gentechnisch verändertes. Jörn Siercks hat seinen Hof bereits 2006 zum gentechnikfreien Betrieb erklärt und ärgert sich maßlos über den Deutschen Bauernverband (DBV), der seine Mitglieder nicht über die Risiken der Verfütterung von Gensoja informiert. „Billiges Futter für billige Produkte“, so laute doch die offizielle Strategie des DBV. Gensoja ist in der Tat billig. Wer dieses Produkt vermeiden wolle, müsse deshalb mit höheren Kosten rechnen. Doch der DBV verschweige den Bauern, dass sie und nicht der Saatguthersteller Monsanto oder der Vermarkter der Futtermitte für Schäden haften, die durch die Verfütterung von Gensoja an Vieh entstehen. Gegen dieses Risiko könne auch keine Versicherung abgeschlossen werden, wie Jörn Sierks erfuhr. Sollten die Versicherungskonzerne mehr wissen als der DBV?

Die Molkereigenossenschaft, mit der Jörn Siercks einen Abnahmevertrag hat, will für das Qualitätszeichen „Ohne Gentechnik“ keinen Aufpreis für die gelieferte Milch zahlen. Deshalb betreibt Siercks seit Anfang 2010 auf seinem Hof Fuhlreit eine eigene kleine Molkerei. Seine Kunden, die er direkt mit Milchprodukten versorgt, informieren sich gerne vor Ort über die Tierhaltung und Fütterung, freuen sich über den Verzicht auf Gentechnik und wissen den täglichen Weidegang der Milchkühe und die ausgewogene Zucht auf Zweinutzung zu schätzen.

Wir von PROVIEH freuen uns über die zukunftsweisenden Initiativen von Hühnerbauer Christoph Hönig und Milchbauer Jörn Siercks. Auf Bauern wie diese können wir uns auch dann noch verlassen, wenn die Agrar-Großindustrie eines Tages zusammenbrechen wird.

Stefan Johnigk

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