Massenkeulung – ein Fall für das Gericht

22.07.2011: Dürfen Tiere, die nachweislich gesund sind, in Massen gekeult werden? Nein, sagen 13 Geflügelzüchter aus Wickersdorf bei Saalfeld (Thüringen), deren Geflügel in einer Nacht- und Nebelaktion Anfang Juli 2007 auf grausame Weise vernichtet wurde. Im März 2008 hielt das Verwaltungsgericht Gera die Vernichtung für rechtmäßig. Ob das Oberverwaltungsgericht Weimar die beantragte Revision zulassen will, wird es mit dreijähriger Verspätung in den kommenden drei Monaten entscheiden.

Das Unglück nahm am 2. Juli 2007 seinen Lauf, als eine Hausgans verendete und in ihr eine minimale Menge des Virus H5N1 nachgewiesen wurde. In einer Nacht- und Nebelaktion wurden deshalb einige Tage später alle 1200 Hausvögel im Umkreis von 3 km auf grausame Weise getötet. Die Zucht von Jahrzehnten wurde zerstört. Bei keinem der getöteten Vögel wurde das Virus nachgewiesen. Die 13 Geflügelzüchter nahmen sich einen Anwalt und klagten beim Verwaltungsgericht Gera gegen die Tötung, die sie als objektiv unnötig begründeten. Wenn überhaupt, sei eine Tötung im Umkreis von 500 m nötig gewesen. Der Anwalt bezeichnete die Tat als „staatlichen Aktionismus“ der Behörden, der auf dem Rücken wehrloser Bürger ausgetragen wurde. Doch das Verwaltungsgericht in Gera wies die Klage zurück, legitimierte also die Tötung der Tiere. Der Anwalt der Kläger beantragte noch 2008 die Revision des Urteils beim Oberverwaltungsgericht Weimar, das erst in den nächsten drei Monaten über die Zulassung der Berufung entscheiden will, wie Proplanta meldet (s. unten).

Sperrbezirke und Massenkeulungen sind nach wie vor Alltag in der Geflügelbranche. Im Juni 2011 wurden Geflügelbetriebe im Kreis Gütersloh gesperrt und 100.000 Tiere getötet, 13.000 Vögel wurden im Kreis Paderborn hingemetzelt. Inzwischen wurden die Sperrgebiete wieder aufgehoben. Der Schreck sitzt den betroffenen Geflügelhaltern noch in den Knochen.

PROVIEH verweist schon lange darauf, dass die Geflügelindustrie für die „Zucht“ und die nah- und fernräumige Verbreitung hochpathogener Stämme von Vogelgrippe-Viren verantwortlich ist und nicht etwa die Wildvögel und das freilaufende Geflügel. Doch bislang gibt es keine Anzeichen, dass diese Erkenntnis berücksichtigt wird. Im Gegenteil: Die Anzahl der Hähnchen in Intensivmastanlagen nimmt stetig zu. Laut Statistischem Bundesamt  wurden im  März 2010 in Deutschland 67,5 Millionen Hähnchen in 4.532 Betrieben gemästet. Im Mai 2007 waren es noch 59,2 Millionen in 8.680 Betrieben. Es drängeln sich also immer mehr Masthühner in nur noch etwa halb so vielen Betrieben.Und wo Hühner so dicht aufeinander hocken, können sich Viren ideal ausbreiten.

Susanne Aigner


Weiterführende Informationen:

www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Tier/Justiz-laesst-Gefluegelzuechter-auf-Urteil-zu-Massentoetung-warten_article1311074980.html                                                       

www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Tier/Gefluegelgrippe-Sperrgebiete-in-Ostwestfalen-aufgehoben_article1311094974.html                                                         

www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Tier/Landwirtschaftszaehlung-2010-Mehr-Masthaehnchen-gezaehlt_article1311128835.html

H5N1-Fund 2007: www.focus.de/gesundheit/ratgeber/vogelgrippe/news/h5n1_aid_65758.html

Frühere PROVIEH-Artikel:

Lorenzen, Sievert: Evolution und Ausbreitung des Vogelgrippe-Virus H5N1 https://provieh.de/downloads_provieh/voelorenzeninternet.pdf                

provieh.de/downloads_provieh/proma0208internet.pdf (S. 35 bis 39)

provieh.de/s3177.html   
 
                  

http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Tier/Vogelgrippe-bei-Legehennen-festgestellt_article1311397987.html

Filmtipp: „H5N1 antwortet nicht“: https://provieh.de/s3073.html