Petition gegen Klon-Importe

25.07.2011: Tier- und Umweltschützer, Grüne Politiker und Verbraucherschützer wollen sich nicht abfinden damit, dass die EU-Kommission untätig dabei zuschaut, wie immer mehr Fleisch und Milch aus Klontieren in den Handel kommen – ganz ohne Kennzeichnung.

Deshalb trafen sich am 8. Juli 2011 wieder einmal viele Interessierte zu einem Fachgespräch über den Umgang mit Klonerzeugnissen in der Europäischen Union.  Christoph Then, Leiter der Nichtregierungsorganisation Testbiotech, erläuterte auf der Veranstaltung in München, wie das Klonen funktioniert: Man isoliert eine Zelle des zu klonenden (Original-)Tieres, entnimmt dessen Zellkern und fügt diesen in die entkernte Eizelle eines artgleichen anderen Tieres ein. Die Eizelle verpflanzt man in eine Leihmutter, die den Fötus austrägt. Geboren wird – wenn alles gut geht – eine genetische Kopie des Originaltieres. Vor dem Einpflanzen des Zellkerns in die entkernte Eizelle können zudem Gensequenzen verändert oder ausgetauscht werden, so dass das Klontier die gewünschten Eigenschaften in sich trägt. Gentechnik und Klonen gehen also Hand in Hand. Und das Endprodukt kann natürlich patentiert werden. Die Hersteller solcher Klone wollen schließlich an den Lizenzen verdienen. Denn beim Klonen geht längst nicht immer alles glatt: Über 80 Prozent der Föten sterben vor oder bei der Geburt. Die wenigen Tiere, die lebend geboren werden, leiden meist unter einer Vielzahl von Missbildungen und / oder Krankheiten. Letztere sind in der Regel auf ein geschwächtes Immunsystem zurückzuführen. Zum Beispiel bei Dolly, dem ersten geklonten Schaf: Es verendete an den Folgen eines Infektes.

In den USA sind trotzdem Erzeugnisse von Klonen und ihren Nachkommen schon längst weit verbreitet im Handel – natürlich ohne Kennzeichnung. In der EU spielte das Klonen bisher nur eine „Nebenrolle“, da die Anwendung der Technik an sich nur sehr begrenzt und mit Ausnahmegenehmigung möglich ist. Aber es wird ignoriert, dass nicht Milch und Fleisch direkt aus Klonen vermarktet werden soll, was viel zu teuer wäre, sondern dass es den Klonspezialisten in Nord- und Südamerika um die Vermehrung von sogenannten Spitzenbullen und Hochleistungskühen geht: Im Internet kann sich jeder völlig legal konserviertes Sperma in Dosen oder auch gefrorene Klonembryos bestellen und Zucht mit Klonmaterial betreiben. Das geschieht bereits seit Jahren, auch in Deutschland, vor allem in der Milchkuh- und Rinderzucht. Besonders produktive Tiere werden so tausendfach vervielfältigt. Das bedeutet genetische Verarmung: Die Linien werden immer enger, die Nachkommen sind immer enger miteinander verwandt.

Der Mensch spielt Gott. Er kreiert sich die Schöpfung nach seinem persönlichen Geschmack. Wollen wir das? Brauchen wir das? Wem nützt das Klonen? Wer verdient daran? Diese Fragen kommen uns bekannt vor: In der Gentechnik-Debatte werden sie bereits heftig diskutiert.

Auf der Tagung am 8. Juli waren sich die Anwesenden einig, dass  zumindest eine eindeutige Kennzeichnung von Produkten aus Klonnachkommen nötig sei. Nur so könne der Verbraucher beim Kauf entscheiden, ob er dieses Fleisch essen will oder nicht. Der Versuch des Europäischen Parlaments, ein generelles Verbot von Klon-Importen und den Verkauf von Erzeugnissen aus Klonen und ihren Nachkommen in die EU zu erlassen, war im Frühjahr 2011 von den Mitgliedsländern und der Kommission erstickt worden, weil man die guten Handelsbeziehungen zu den USA nicht gefährden wollte. Doch das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen.

Wir Verbraucher müssen uns unserer Macht noch mehr bewusst werden und sie noch geballter einsetzen, zum Beispiel an der Ladentheke: Indem wir nur noch Fleisch- und Milcherzeugnisse in Bio-Qualität aus regionaler Erzeugung kaufen, bis eine umfassende Regelung in der EU vor unbewusstem Verzehr von Klonerzeugnissen schützt.

Susanne Aigner, Fachreferat Witzenhausen

Sabine Ohm, Europareferentin


Weiterführende Informationen und Quellen:

Frühere Artikel zu Klonfleisch: