Von nicht aussterbenden Milchkühen und pieksendem Stroh. Ein Tag auf der Umweltmesse in Lüneburg.

Stolz_auf_die_bemalten_Taschen-(c)Stampe_provieh03.09.2011: An einem Samstagmorgen früh aufzustehen ist gar nicht so schlimm. Es ist ja für eine gute Sache. Ich treffe mich mit meinen Mitstreiterinnen Verena Stampe und Ursula Mertins um 8:15 Uhr an der PROVIEH-Geschäftsstelle in der Kieler Innenstadt, um zunächst das Auto zu beladen. Tapeziertisch, Infomaterial, Glücksrad, Banner. Alles muss mit. Motiviert machen wir uns auf den Weg zur Umweltmesse nach Lüneburg, das Wetter ist uns hold und Ursula sorgt mit belegten Brötchen und Obst aus dem Garten für unser leibliches Wohl. Doch auf der A7 ist vorerst Schluss mit Enthusiasmus – Stau, Stau und nochmals Stau.

Statt wie geplant um 10 Uhr kommen wir um 12 Uhr an, als die Messe bereits in vollem Gange ist. Ein hilfsbereiter Mitarbeiter öffnet uns einen Zaun, damit wir unsere Sachen herein tragen und unseren Stand im Schatten einer großen, aggressiven Eiche aufbauen können. Aggressiv deshalb, weil dieser Baum wild mit Eicheln schießt –aber zum Glück niemanden trifft.

PROVIEH-Stand-mit-Gluecksrad_(c)StampeUnser Glücksrad übt eine große Anziehungskraft auf Kinder aus. Gegen ein Entgelt von 50 Cent erdrehen die Kinder eine Farbe und müssen eine Frage über Hühner, Schweine oder Kühe beantworten, um sich einen Preis aussuchen zu können. Trostpreise für falsch beantwortete Fragen haben wir auch. Und auch wenn der Papa falsch vorsagt, gibt es leider nur einen Trostpreis.

So manchem kleinen Tierschützer raucht der Kopf. Sterben Milchkühe aus, wenn sie nicht jedes Jahr ein Kalb bekommen? Und liegt ein Schwein wirklich gerne auf Stroh oder piekst es zu sehr? Aber bei der aufgezeigten Alternative Betonfußboden ist den Kindern schnell klar: Stroh ist eindeutig gemütlicher.

Ein weiteres Highlight für die Kinder ist „Taschen bemalen“. Ursula Mertins hat in liebevoller Arbeit bemalte_Leinenbeutel_StampeBaumwolltaschen vorgemalt und mit der Aufschrift „Artgerecht statt Ungerecht“ versehen. Und die Kinder malen Tiere, Gras, Sonne – und schreiben manchmal auch Slogans wie „Auch Tiere haben Gefühle“. Es wird mal wieder klar, wie sehr sich Kinder in Tiere hinein versetzen können, wie schnell sie verstehen, wie Tiere sich wohlfühlen. Sie malen keine Käfige oder Kastenstände sondern Wiesen.

Natürlich findet auch unser Infomaterial Beachtung. Die meisten Menschen, die an unseren Stand kommen, sind Vegetarier oder sehr bedachte Fleischkäufer und wissen um das Problem der Massentierhaltung. Wir kommen mit vielen Menschen ins Gespräch und sehen, dass unsere Arbeit Anerkennung findet.

Und als drei erschöpfte PROVIEH-Aktivistinnen am Abend wieder an der Geschäftsstelle ankommen, ist die Jazz-Nacht in vollem Gange. Es ist ein für diesen Sommer ungewöhnlich milder Abend und die Leute lauschen im Freien der Musik. So soll es sein. Wir wünschen uns Glück und Zufriedenheit für die Menschen - und für die Tiere.