Saublöd? Von wegen!

Schweine sind intelligent. Sie merken sich genau, wie Menschen mit ihnen umgehen, können ihren Namen lernen und lassen sich sogar mit diesem einzeln zum Futterplatz rufen. Das bestätigen neue Forschungsergebnisse aus Brasilien und Deutschland.

Beim Futter hört die Freundschaft auf, jedenfalls unter Sauen. Im Konkurrenzkampf um den besten neugierige_Sattelschweinferkel_PROVIEHPlatz am Trog kommt es immer wieder zu Hautverletzungen. Selbst wenn Sauen auf Abruf gefüttert werden, also mit einem elektronischen Chip am Kopf als Türöffner nur einzeln in eine Futterstation gelassen werden, gibt es Rangeleien um den Zugang. Wissenschaftler aus Celle und Dummerstorf haben eine pfiffige Alternative gefunden. Sie gaben den Tieren individuelle Namen und trainierten sie darauf, dass es nur etwas zu fressen gibt, wenn sie über einen Lautsprecher namentlich aufgerufen wurden. Das sorgte in der Sauengruppe für spürbar mehr Ruhe und weniger Streit. Auch die  Häufigkeit von Verletzungen am Kopf verringerte sich. Nun soll erprobt werden, wie man das tierschonende Namenstraining in der Praxis erfolgreich umsetzen kann. Ab 2013 wird die Gruppenhaltung von Sauen europaweit Pflicht.

Ferkel sind nachtragend

Junge Schweine merken sich sehr genau, wie sie von ihren Betreuern behandelt werden. Ein sanfter Umgang mit ihnen erleichtert nicht nur den Kontakt zwischen Ferkel und Mensch, er sorgt auch insgesamt für einen deutlich stressfreieren Kontakt der Tiere untereinander. Werden die täglichen Arbeiten dagegen von Lärm, abrupten Bewegungen und unvermitteltem Herumbrüllen begleitet, scheuen die Ferkel vor Menschen zurück, verbringen weniger Zeit mit Ruhen und Auskundschaften im Stall, und kämpfen mehr untereinander. Das fanden Forscher an der Uni Santa Catarina in Brasilien heraus.

PROVIEH sieht damit erneut bestätigt, wie wichtig es für eine verhaltensgerechte und tierschonende Schweinehaltung ist, die Neugier und Lernfähigkeit von Schweinen besser zu berücksichtigen und auch ein möglichst gutes Verhältnis zwischen den Haltern und ihren Tieren zu pflegen.

Stefan Johnigk

Foto: PROVIEH