Die Essensvernichter - Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist

Titel: Die Essensvernichter

Autoren: Stefan Kreutzberger / Valentin Thurn

Verlag: Kiepenheuer & Witsch,2011

Preis: 16,99€, 320 Seiten

ISBN:  978-3-462-04349-5

Die Botschaft ist so klar wie erschütternd: „Wir werfen ebenso viele Lebensmittel weg wie wir essen. Laut Welternährungsorganisation der UNO landet weltweit ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Schätzungen für die Industrieländer gehen sogar von der Hälfte aus.“ Für seinen Film „Taste the waste“ hat der Dokumentarfilmer Valentin Thurn nachgeforscht, wie viele von unseren Nahrungsmitteln überhaupt den Weg vom Feld in die Küche schaffen. Wo und warum sie verschwendet werden. Und von wem. Gemeinsam mit dem Journalisten Stefan Kreutzberger stellt er die Ergebnisse und Hintergründe in einem Buch vor, spannend geschrieben und anschaulich illustriert.

Wir, das sind nicht nur die Verbraucher. Schon bei der Ernte, der Verarbeitung oder auf dem Weg durch den Handel werden Nahrungsmittel sinnlos vernichtet: jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot kommen erst gar nicht beim Kunden an. Besonders schlimm ist es, wenn tierische Erzeugnisse weggeworfen werden. Fleisch macht etwa 20 Prozent der Gesamtmenge an Lebensmittelabfall aus. Für die Erzeugung dieses Fleisches wurden Futtermittel angebaut. Landet das Fleisch im Müll, waren der Anbau der Futtermittel und die Belastung der Äcker mit Düngemitteln und Pestiziden umsonst. 91 Prozent der für den gesamten Müllberg verschwendeten Ackerflächen gehen auf die Rechnung von Müllfleisch. Und was PROVIEH-Mitglieder besonders erbost: Tausende Tiere werden sinnlos unter elenden Bedingungen aufgezogen und geschlachtet – für die Tonne.

Doch die Ernährungsindustrie und der Handel verdienen Milliarden mit der industriellen Essensvernichtung. Intensiv betriebene Landwirtschaft und Massentierhaltung machen das Überangebot an Waren billig. Was in den Müll wandert, ist bereits in die Preise der verkauften Waren eingerechnet. Die Rechnung zahlt der Konsument. Die Verschwendung verschärft den Hunger weltweit und treibt den Ressourcenverbrauch in die Höhe. Dabei wäre eine Umkehr so einfach: Würden wir weniger wegwerfen, bräuchten wir weniger einkaufen. Das würde helfen, Ressourcen zu schonen. Und wir könnten weniger Nutztiere halten, aber dafür artgemäß. Vielleicht stünde dann sogar genug Nahrung zur Verfügung, um den Hunger in der Welt zu besiegen. 

Der Film „Taste the Waste“ kommt am 8. September 2011 in die Kinos. Die Premiere wird begleitet von Aktionstagen in den größten deutschen Städten. Das Buch „Die Essensvernichter“ ist absolut lesenswert. Man sollte es in jeden Einkaufswagen legen, als Anstoß zum Handeln.

 

Stefan Johnigk