Studie belegt Antibiotikamissbrauch in der Intensivhähnchenmast

Biohähnchenmast: Hybridmastlinie im Grünlandauslauf (c) PROVIEHÜber 80 Prozent aller Masthühner werden in ihrem kurzen Leben mit Antibiotika behandelt. Das belegt nach Angaben von NDR Info eine Studie aus NRW. Die bislang unveröffentlichten Daten legen nahe, dass Antibiotika nach wie vor auch zur Mastförderung verabreicht werden, obwohl dies bereits seit 2006 EU-weit verboten ist. Jeglicher Einsatz von Antibiotika in der Tiermast leistet der Entstehung von resistenten Krankheitserregern Vorschub und muss schon deshalb nach Kräften vermieden werden. Der sinnvollste Weg dahin ist eine tiergerechte, extensive Haltung. Auslauf an der frischen Luft, Bewegung und viel Grünfutter sind die beste Medizin - auch für Hühner.

So erschreckend die Befunde sind: Man muss dem Land NRW und seinem Minister Remmel ein großes Dankeschön ausssprechen. Nie zuvor hat nämlich ein Ministerium so genau hingesehen, was tatsächlich in der Intensivgeflügelmast an Antibiotika eingesetzt wird. Nun gilt es, drei Dinge zu tun: Die Landesregierungen der übrigen Bundesländer sollten so schnell wie möglich diese Studien in ihren Regionen nachholen. Die Ergebnisse sollten umgehend veröffentlicht werden. Und dann gehören alle Produkte aus Betrieben, die Antibiotika missbrauchen oder in deren Produktchargen wohlmöglich schon resistente Krankheitserreger nachweisbar sind, konsequent vom Markt gefegt. PROVIEH hilft gerne mit dem Kampagnenbesen nach.

Die Studie aus NRW enthält allerdings auch ein paar gute Nachrichten:

  • Rund 17 % der untersuchten Mastbetriebe kam ganz ohne Antibiotika aus. Das geht offensichtlich nicht nur in der extensiven Biohaltung gut.
  • Betriebe mit geringeren Bestandsgrößen setzen weniger häufig Antibiotika ein. Auch das ist plausibel und stützt die Forderung von PROVIEH, die Bestände zu verkleinern.
  • Eine verlängerte Mast scheint ebenfalls weniger oft Antibiotika zu erfordern. Nutztierschützer fühlen sich bestätigt: Weniger intensiv ist offenbar gesünder für die Haltung.

PROVIEH hat nach den letzten Negativberichten aus der Geflügelmast den Lebensmitteleinzelhandel unter anderem aufgefordert, nur noch Geflügelfleisch zu akzeptieren, das nachweislich keine multiresistenten Keime enthält. Einige Unternehmen haben bereits entsprechende Schritte eingeleitet.

Doch eine wirklich nachhaltige Lösung wäre: Rauf mit den Erzeugerpreisen und runter mit den Tierdichten. Das würde eine verhaltensgerechtere Hühnerhaltung ermöglichen, wäre gesünder für Tiere und Verbraucher und käme letztlich auch den bäuerlichen Betrieben zugute. Wer dagegen weiter Hähnchenfleisch billiger verramschen will als Katzenfutter, gehört eingedost.

Stefan Johnigk, Geschäftsführer PROVIEH

Fotos: PROVIEH


Quellen: