Schnabelkürzen? Schluss damit!

Mit Laser amputierte Kükenschnabel (c) Melanie Nolte21.11.2011: Küken von Legehennen, Mastputen und Moschusenten die Schnabelspitze zu amputieren ist eine besonders barbarische Form der Tierquälerei. Dennoch wird es von den Behörden immer noch geduldet und ist in zahllosen Betrieben der Intensiv-Geflügelhaltung in Deutschland übliche Praxis. PROVIEH will das ändern.

Gemeinsam mit veränderungswilligen Geflügelhaltern, Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft und des Handels rufen die Mitglieder des Nutztierschutzvereins zu einer Kampagne gegen das Schnabelkürzen auf.

Die Schnabelspitze ist nicht unempfindlich wie ein Fingernagel, sondern im Gegenteil hochsensibel. Der sensorische Verlust durch eine Amputation dieses wichtigen Tastorgans zieht lebenslange, erhebliche Leiden für die Vögel nach sich.

Das Schnabelkürzen verursacht zudem akuten Schmerz, der oft in chronischen Schmerz übergeht; die klaffende Wunde erlaubt krankheitserregenden Bakterien den Eintritt in den Körper und führt oft genug zu Atemproblemen; und für den Rest des Lebens sind die Nahrungsaufnahme sowie die Gefiederpflege beeinträchtigt. Nur mit intaktem Schnabel können Vögel Nahrungsbrocken gut fassen und das Gefieder artgemäß pflegen.

Das Schnabelkürzen wird durchgeführt, um eine Stallfläche mit möglichst großen Mengen an Geflügel besetzen zu können. Es wird gerechtfertigt durch die Behauptung, mit gekürzten Schnäbeln ließen sich die Verhaltensstörungen "Federpicken" und "Kannibalismus" – beide verursacht durch vielfältigen Stress in der Gedrängehaltung – vermeiden oder wenigstens stark einschränken.

Nach § 6 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) ist das Schnabelkürzen bei Geflügel eine Amputation und daher in Deutschland grundsätzlich verboten. In der Praxis dagegen wird es behördlich gebilligt, weil die Mehrzahl der Geflügelhalter es so will. Sie müssen den Behörden nur „glaubhaft darlegen“, dass die Verstümmelung gemäß § 6 Abs. 3 S.2 TierSchG „zum Schutz der Tiere unerlässlich ist“, wenn diese gemäß der Mindeststandards der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung in Verbindung mit den Europaratsempfehlungen gehalten werden.

Bei Puten und Moschusenten genügt den Behörden sogar ein Verweis auf die absolut unzureichenden, freiwilligen Mindestvereinbarungen der Geflügelindustrie, weil die Bundesregierung die Haltungsanforderungen in diesen Fällen bisher nicht regelte. So konnten Ausnahmen, die vom § 6 TierSchG erlaubt sind, zu Regeln werden mit grausamen, weil lebenslang anhaltenden schweren Konsequenzen für Millionen von Nutzvögeln.

PROVIEH hat deshalb im Frühjahr 2011 eine Kampagne gegen das Schnabelkürzen gestartet, die auf die Unterstützung einiger Handelsunternehmen und veränderungsbereiter Erzeuger setzt. Schritt für Schritt und Stall für Stall wollen die Beteiligten beweisen: Man kann auf das Schnabelkürzen verzichten, wenn man nur will. Mehr Tierschutz ist machbar - sofern Halter und Handel dabei mitziehen.

Wer uns bei unserer Facharbeit stärken und unterstützen will, ist herzlich dazu eingeladen.

Stefan Johnigk


Mehr zur laufenden Kampagne im PROVIEH Magazin 02-2011 und 03-2011.

Mitglieder von PROVIEH erhalten das Magazin vierteljährlich in gedruckter Fassung zugesandt.

Fotos: Melani Nolte