Das Limpurger Rind – eine alte Rasse wieder im Aufwind

Auf der Internationalen Grünen Woche im Januar 2011 lenkten baden-württembergische Bauern die Aufmerksamkeit auf die älteste noch existierende Rinderrasse ihrer Heimat, das Limpurger Rind. Es wurde von der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.“ (GEH) zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2011 gewählt. Mit dieser Wahl wird jährlich auf den drohenden Verlust der Vielfalt in der Landwirtschaft aufmerksam gemacht.

Gute Weidetiere und doch vom Aussterben bedroht

Limpurger-Rind_Hof-Kwade_Judith-Handy_proviehDas Limpurger Rind ist genügsam, langlebig und sehr umgänglich. Seinen Namen verdankt es der Grafschaft Limpurg, wo es schon vor etwa 200 Jahren als robustes Dreinutzungsrind gezüchtet wurde: Es lieferte Milch und Fleisch und diente den Kleinbauern noch bis etwa 1950 als Zugtier bei der Feld- und Waldarbeit.

Die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft ab den 1950er Jahren führte zum gewollten Niedergang der Limpurger Rasse durch eine ausgeprägte Verdrängungskreuzung hauptsächlich mit Simmentaler Rindern. Schon 1963 galt die Rasse als ausgestorben. Dennoch machten sich Hans Hinrich Sambraus (Zoologe, Tierarzt und Mitbegründer der GEH e. V.) und Hans Wieland noch 1986 auf die Suche nach möglicherweise überlebenden, reinblütigen Limpurgern und hatten Glück: Sie fanden einige Tiere des Limpurger Typs – und etliche Züchter, die am Erhalt der Rasse interessiert waren. Für dieses Ziel rief die GEH im Mai 1987 die „Züchtergemeinschaft Limpurger Rind“ mit 14 Mitgliedern ins Leben.

Nun gilt es, die Inzucht und Blutlinienverengung so gering wie möglich zu halten. Da für Sambraus kein Zweifel besteht, dass das Limpurger Rind eine Rasse im Gelbviehtyp darstellt, werden die Limpurger mit Gelbvieh, Glan-Donnersberger und Lahnvieh angepaart. Aus insgesamt vier Bullenlinien gingen auf diese Weise bereits 24 Söhne, Enkel und Urenkel hervor. Der Bulle „Herzog“ ist heute das einzige lebende Vatertier. Das Zuchtziel ist ein widerstandsfähiges, langlebiges Zweinutzungsrind mit hoher Milch- und Fleischleistung, guter Fruchtbarkeit, drüsigem Euter, trockenem Fundament und harten Klauen.

Limpurger-Rind_Hof-Kwade_Judith-Handy_proviehNoch heute findet sich die Mehrzahl der Züchter rund um Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd, Aalen und Ellwangen. Das Limpurger Rind eignet sich für die Haltung als Zweinutzungsrind für Milch und Fleisch oder nur als Fleischrind. In beiden Fällen findet Mutterkuhhaltung statt, Mutter und Kalb bleiben also zusammen. Dass das Fleisch der Limpurger heute immer mehr en vogue wird, ist im Wesentlichen den Spitzenköchen und Gourmets zu verdanken, die das feinfaserige, saftige und gut marmorierte Fleisch des Limpurger Rinds für sich wiederentdeckt haben. Darum ist das „Limpurger Boeuf de Hohenlohe“ heute das Qualitätssiegel für Limpurger Fleisch. Es darf nur von Limpurger Weideochsen aus dem traditionellen Zuchtgebiet und dem angrenzenden Hohenlohe stammen, die im Winter Wiesenheu bekommen. Soja und Mais sind verboten, denn die Ochsen sollen langsam wachsen. Sie dürfen frühestens im Alter von zweieinhalb Jahren geschlachtet werden. Die hervorragende Qualität des Fleisches dürfte entscheidend zur Erhaltung der Limpurger Rasse beitragen.

 

Susanne Aigner, Sievert Lorenzen


Info-Box

Das Limpurger Rind hat einfarbiges, hell-bis rotgelbes Fell. Die Maulpartie ist fleischfarben, Hörner und Klauen sind gelblich. Die Widerristhöhe beträgt bei den Kühen bis zu 137 cm, bei den Bullen etwa 10 cm mehr. Eine Limpurger Kuh wiegt bis zu 630 kg und gibt im Schnitt rund 4.500 kg Milch im Jahr mit 3,5 Prozent Eiweiß und 4 Prozent Fett. Ein ausgewachsener Bulle kann ein Lebendgewicht von rund 1.100 kg erreichen – mit Tageszunahmen von bis zu 1.300 Gramm. 2006 gab es 130 Kühe und 12 Bullen, 2009 waren es schon 450 Tiere, davon 15 Bullen. Auf der Roten Liste wird das Limpurger Rind von der GEH als „extrem gefährdet“ eingestuft.

Fotos: © PROVIEH