Gefahr am Himmel

Hoch oben am Himmel zieht ein Habicht seine Bahn. Der Greifvogel ist sehr hungrig und hält Ausschau nach einer Mahlzeit. Unten auf der Wiese grasen Puttelchen und eine kleine Hühnerschar. Sie sind eifrig damit beschäftigt, kurze Gräser und Insekten auf zu picken. Noch ahnen die Hühner nichts von der Gefahr, die hoch über ihnen auf sie lauert. Die anderen Hühner scharren im angrenzenden Wäldchen. Der kleine Araucanerhahn Unkas nähert sich der Wiese und erstarrt. Er hat den Habicht gesehen und warnt sofort mit schrillen Warnrufen vor dem Luftfeind. Die Warnrufe unterscheiden sich von den Warnrufen vor Bodenfeinden wie Fuchs und Marder. Plötzlich bleiben deshalb alle erschrocken stehen. Kein Laut ist mehr zu hören. Nun haben auch die anderen Hühner die tödliche Gefahr erkannt und flüchten in das Wäldchen. Unter einer riesigen Wurzel einer umgestürzten Tanne suchen sie Deckung. Bewegungslos und still mit heftigem Herzklopfen hocken sie auf dem Waldboden. Durch die Baumkronen sind die Hühner außer Sicht des Habichts, der aber immer noch seine Kreise zieht. Wie sollen sie bloß zurück auf den Hof und in Ihren Stall kommen? Die kleine Schar traut sich nicht den Schutz der Bäume zu verlassen. Kreist ihr Feind noch über dem Gelände?

Molly, die kleine Shetlandstute grast mit ihrem Freund Moritz, einem alten Schimmelwallach, im Wäldchen. Moritz ist auf einem Auge erblindet, aber ansonsten noch recht fit. Jetzt machen sich die beiden auf den Weg zu ihrem Stall. Die Pferde wundern sich über die plötzliche Stille. Sie sind das ständige fröhliche Gackern der Hühner gewöhnt. Es muss etwas passiert sein denkt Molly. Sie senkt den Kopf und späht in das Wäldchen. Unter der Wurzel hocken verängstigt sechs Hühner. „Puttelchen was macht ihr denn hier, was ist passiert?“, fragt Molly. Puttelchen kann vor Angst kaum einen Ton hervor bringen. Der Hühnerhabicht flüstert sie.

Für uns ist der Habicht keine Gefahr antworten Molly und Moritz. Wir geben euch Geleitschutz. Versteckt euch unter uns, wir gehen gemeinsam zum Stall zurück. Mit zitternden Beinen laufen die Hühner mit den Pferden mit und verstecken sich unter ihren Bäuchen. Der Habicht muss sich nach anderer Mahlzeit umsehen. Die Hühner sind glücklich, dass keines von ihnen vom Habicht getötet wurde.

Janet Strahl


 

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Habicht

Das Wort Habicht stammt von dem althochdeutschen Habuch ab und bedeutet Fänger/ Räuber. Die Habichtartigen sind eine Vogelfamilie die mit rund 220 Arten die Mehrzahl der Greifvögel umfasst. Die Habichte sind weltweit verbreitete, wendige und sehr leistungsfähige Jäger mit verhältnismäßig kurzen Flügeln und langem Schwanz. Sehr deutlich unterscheiden sich Männchen und Weibchen in der Körpergröße, die Weibchen sind deutlich größer. Habichte sind die stärksten Greifvögel Mitteleuropas außer den großen Adlern. Der Hühnerhabicht ist mit 48 bis 61 cm Länge und bis 2.200g Gewicht die größte Art seiner Gattung und jagt Vögel bis Hühnergröße und Säuger bis Hasengröße. Seine Nester baut er in Bäumen. Man nennt sie Reisighorste.