Marion und Sven auf dem Bauernhof

Marion_Janet-Strahl_PROVIEH„Marion, komm schnell hierher, so etwas Süßes hast Du bestimmt noch nie gesehen!“ Hell klingt die Stimme von Sven über den Bauernhof. „Ja, sofort, ich komme“, antwortet Svens Schwester Marion zurück. Aber vorher hält sie noch das kleine Shetlandpony Molly in ihren Armen. Molly spürt die Zuneigung des kleinen Mädchens und schubbert zärtlich ihren Kopf mit der dichten schwarzen Mähne an Marions Bauch. „Molly meine Molly“, flüstert sie dem aufmerksam zuhörenden Pferdchen ins Ohr. Das Mädchen spürt die Wärme des Tieres und riecht den Atem, der nach Heu duftet. Ein nie zuvor gekanntes Glücksgefühl durchströmt sie. Marion kann sich nur sehr schwer von dem Pony trennen. „Ich komme gleich wieder“, flüstert sie und läuft dann zu ihrem Bruder Sven. Der steht verzückt vor einem Freilandauslauf mit einer Glucke und ihren erst vor wenigen Tagen geschlüpften Küken. Für die beiden Geschwister, die in der Stadt in einer Hochhaussiedlung leben, sind es die ersten Küken, die sie in ihrem Leben wirklich sehen und erleben. Sie schauen wie gebannt auf die kleinen gelben und schwarzen, geschäftig umher trippelnden Bällchen. Stolz führt die Glucke ihnen ihre Kinder vor. Mit einem sanften „Gluck Gluck“ lockt sie die Küken zum Futterplatz, wo die Kleinen sofort eifrig die bereit liegenden Körnchen aufpicken. Einige trippeln zu ihrem Wassernapf, tauchen die winzigen Schnäbel ins Wasser, werfen die Köpfchen in den Nacken und lassen das Wasser durch ihre Kehle rinnen. Marion und Sven sind fasziniert von diesen kleinen Geschöpfen. Ihre Mutter kauft die Eier in einem  Supermarkt in der Stadt. Das daraus so zauberhafte kleine Wesen schlüpfen können ist für die Geschwister kaum zu glauben. „Schau mal, da drüben“, Sven zeigt mit seinem Finger auf eine große bunte Hühnerschar. Aufgeregt laufen die beiden Kinder zu den vielen Hühnern. Als sie den großen, bunt schillernden Hahn sehen, bleibt ihnen vor Ehrfurcht fast die Luft weg. Als ob er es gespürt hat, wirft sich derMarion_mit_Molly_Janet-Strahl_PROVIEH Hahn in Positur und kräht aus voller Kehle. Die Geschwister hocken sich auf die Wiese ins Gras und beobachten das emsige Zupfen der Hühner. Die Kinder sind ganz still geworden. „Marion“, flüstert Sven seiner Schwester zu, „welche Tiere gefallen Dir am besten?“ Beide hatten schon die aufgeregt schnatternden Gänse mit ihren klugen dunklen Augen bewundert, die kleinen lustigen Schweinchen mit den Ringel-schwänzchen und die wunderschönen schwarz weiß gefleckten Kühe und die vielen Katzen auf dem Hof, die schnurrend in der Sonne liegen, „Ich liebe alle Tiere, die wir gesehen haben, alle sind toll, Sven, aber wenn ich ein Tier mit nach Hause nehmen könnte, wäre es Molly“, antwortet Marion sehr sehnsuchtsvoll. „Ich würde die Glucke mit ihren Küken mitnehmen, dann hätten wir immer frische Eier“ sagt Sven fast genauso sehnsuchtsvoll. So träumen die beiden vor sich hin, wie es wäre, wenn. Aber manchmal gehen im Leben ja auch Träume in Erfüllung.

Janet Strahl