Die Kampagnen-Arbeit von PROVIEH hat sich gelohnt: Jungebermast wird von EU mit Forschungsgeldern gefördert

Zum Thema Tierschutzlabel meldete das Blatt die Kritik, dass die Branche sich nicht in eine riskante und schwer kalkulierbare Abhängigkeit von einer einzigen großen Tierschutzorganisation begeben sollte. Solche Risiken weiß PROVIEH zu vermeiden. Wir arbeiten gerne vertrauensvoll mit Partnerorganisationen zusammen, auch zum Thema Tierschutz-kennzeichnung.

Nachdem im Dezember 2010 die „Brüsseler Erklärung“ zur Abschaffung der betäubungslosen chirurgischen Kastration männlicher Ferkel bis spätestens 2018 verabschiedet wurde (siehe Heft 1/2011), ist sie mittlerweile von allen wichtigen europäischen Verbänden unterzeichnet worden. Da die systematische Kastration männlicher Mastschweine bisher bis auf weinige Ausnahmen (UK, Spanien, Portugal und Griechenland) weit verbreitet war, wird viel Forschungsbedarf für eine reibungslose Umsetzung der Erklärung gesehen. Deshalb hatte A. Gavinelli, der geistige Vater der Brüsseler Erklärung und Leiter der Abteilung Tierschutz in der EU-Kommission, vorausschauend schon einige dieser Projekte in der Erklärung formuliert.

Im Juli 2011 haben die Vertreter der Mitgliedsländer die dafür nötigen Mittel bereitgestellt. Daher können die folgenden drei in der Brüsseler Erklärung vorgesehenen Projekte schon vor Jahresende 2011 anlaufen: 1) Das „Gemeinsame Forschungszentrum“ der EU (JRC) soll Methoden entwickeln zur Messung der Stoffe, die für Geruchsauffälligkeiten von Schlachtkörpern verantwortlich sind; 2) Eine Studie soll Aufschluss über die Verbraucherakzeptanz von Ebererzeugnissen in und außerhalb der EU geben 3) Eine Webseite zur Information und Weiterbildung aller Akteure entlang der Erzeuger- und Vermarktungskette von Jungeberfleisch soll erstellt werden.

2012 folgen drei weitere Projekte: Die automatische Erkennung von Geruchsauffälligkeiten bei Schlachtkörpern schon am Schlachtband; die Verringerung dieser Auffälligkeiten durch Züchtung, unterschiedliche Fütterungsmethoden oder Managementmaßnahmen; eine Analyse der Wirtschaftlichkeit der Jungebermast.

PROVIEH begrüßt diese neuen Schritte ausdrücklich, auch wenn die Forschung in Deutschland – angetrieben durch unsere Kampagnenarbeit in den letzten drei Jahren – schon weit gediehen sind und eine Umstellung auf die Ebermast deshalb schon viel früher flächendeckend möglich sein wird. Der Kampagnenerfolg wird beflügelt durch die Kostenvorteile wegen der besseren Futterverwertung bei Jungeber. Die Edelteile der Jungeber haben zudem in aller Regel einen geringeren Fettanteil als Kastraten, so dass die Mäster bei fairer Abrechnung pro Eber etwa einen Euro mehr verdienen. Deshalb wundert es nicht, dass bereits jetzt an die 50.000 Jungeber pro Woche in Deutschland geschlachtet werden. Das sind 2,6 Millionen auf das Jahr hochgerechnet, was immerhin schon fast einem Zehntel aller in Deutschland jährlich gemästeten männlichen Schweine entspricht. Und die Zahlen steigen wöchentlich an.

Sabine Ohm, Europareferentin


PROVIEHs Kampagnen wirken, wie die Lektüre der Fachzeitschrift „SUS – Schweinezucht und Schweinemast“ zeigt. In der Ausgabe 4/11 spiegeln sich etliche Themen wieder, die unser Fachverband unermüdlich in die Fachdebatten mit Landwirten, Fleischerzeugern und Verbänden trägt. Qualzucht bei Schweinen, das Klonen von Nutztieren, die Vorsorge gegen Schwanzbeißen anstelle des routinemäßigen Schwänzekürzens, mehr Klagerechte für Tierschützer, die Einführung von fleischlosen Tagen in öffentlichen Einrichtungen oder mehr Verbraucherakzeptanz durch höhere Tierschutzauflagen – die Liste ist lang.  Besonders viel Platz nimmt das Thema Ebermast ein. Seit Mitte 2008 streitet PROVIEH mit Nachdruck für die Abschaffung der Ferkelkastration und die Mast unkastrierter männlicher Schweine. Jetzt, drei Jahre später, stellen die drei größten Schweinefleischerzeuger in der SUS ihre erfolgreichen Bemühungen zur Ebermast und zur wirksamen Geruchskontrolle am Schlachtband vor. Besonders erstaunt zeigte sich die SUS, dass „Eber ohne Geruchsabweichungen seit Monaten ins Frischfleisch fließen – bisher ohne Reklamation“. Ihr Fazit: „Ein Zurück gibt es nicht mehr.“ Was für ein Kampagnenerfolg für PROVIEH!