Steiniger Weg zur Abschaffung der Kastenstandhaltung in der Europäischen Union

Bisher dürfen Sauen in Deutschland wie in den meisten EU-Ländern fast ihr gesamtes Leben lang in Kastenständen eingesperrt und auf nackten Böden ohne Einstreu gehalten werden. In diesen in engen Metallkäfigen können sie sich nicht einmal umdrehen. Das gleiche gilt für die so genannten „Abferkelbuchten mit Ferkelschutzbügel“, in denen die Sauen in der Regel vier bis fünf Wochen verbringen. Auch dort ist ihnen nur das Aufstehen und Ablegen möglich. Ihre natürlichen Bedürfnisse wie den Nestbauinstinkt und die Bemutterung der neugeborenen Ferkel können die Sauen dort nicht ausleben.

Ab 1. Januar 2013 müssen laut EU-Richtlinie trächtige Jungsauen und Sauen mindestens zwischen dem 28. und 108. Tag ihrer Trächtigkeit - also ab vier Wochen nach dem Belegen bis eine Woche vor der Abferkelung - in Gruppen gehalten werden. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, sorgt aber noch lange nicht für akzeptable Zustände in der Sauenhaltung.

Die Umstellung in den wichtigsten Schweineerzeugerländern Europas geht beunruhigend langsam voran: Laut einer im Oktober 2011 der britischen Fachpresse („Pig World„) veröffentlichten Meldung haben in den Niederlanden, Dänemark und Frankreich bisher ca. 30 bis 40 Prozent der Sauenhalter noch nicht auf die Gruppenhaltung trächtiger Sauen umgestellt; in Spanien und Italien sind es 60 bzw. 70 Prozent und in Ungarn sowie Griechenland die überwiegende Mehrheit. Auch für Deutschland wird ein nicht weiter bezifferter Umstellungsrückstand angegeben. In Fachkreisen kursiert inoffiziell eine Ziffer von bis zu 40 Prozent der deutschen Sauenhalter, die voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres eher ausscheiden, als dass sie die Investition riskieren. Das ist bei den auch in diesem Jahr wieder nicht kostendeckenden Ferkelpreisen nicht verwunderlich, aber auch bedauerlich, da häufig gerade kleinere und mittlere Betriebe betroffen sind. Laut Situationsbericht 2011 des Deutschen Bauernverbandes (DBV) ging die Zahl der Sauenhalter in Deutschland in den letzten 10 Jahren schon von 47.000 auf weniger als die Hälfte zurück. 

Es kann und darf nicht Ziel von Tierschutzpolitik sein, die Produktion und damit die Probleme ins Ausland zu verlagern. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Verbesserungen zumindest EU-weit einheitlich eingeführt werden, damit die Tierhalter keinem unlauteren Wettbewerb aus den Nachbarländern ausgesetzt werden. Ein schlechtes Beispiel liefert derzeit die äußerst mangelhafte Umsetzung des Batteriekäfigverbots für Legehennen ab 1. Januar 2012 (siehe nachfolgender Bericht). Aber auch der Lebensmitteleinzelhandel muss künftig verantwortungsvoller handeln und Abstand nehmen vom Billigimporten aus dem Ausland, wo weder Umwelt- noch Tierschutzauflagen oder Sozialstandards für die Arbeitnehmer gelten.

 

Sabine Ohm