Grüne Gentechnik Eine Technologie des Versagens

Gentechnik auf dem Acker – das ist eine Geschäftsidee von Chemiegiganten, die sich mittlerweile auch zu den Saatgutgiganten gemacht haben. Diese Riege wird angeführt von Monsanto (USA), gefolgt von DuPont (USA) und Syngenta (Schweiz), die zusammen schon 47% Anteil am weltweiten Saatgutgeschäft haben. Sie bezeichnen ihre Geschäftsidee gern als Grüne Gentechnik, die als Fortführung der Grünen Revolution die Erträge erhöhe und den Einsatz von Ackergiften verringere. Was mehr könnte man für die wachsende Weltbevölkerung tun?

Heute könnte man eher fragen: Was könnte man mehr zum Schaden der Weltbevölkerung tun? Der Alltag der Geschäftsidee sieht von Jahr zu Jahr grauenvoller aus. Die Erträge sinken, der Einsatz von Ackergiften steigt, und schon wurden Leben, Gesundheit und die Lebensgrundlage vieler Menschen ruiniert. Ein Heer von Anwälten sorgt für die Eintreibung von Patentgebühren, denn die Giganten meldeten ihre gentechnisch veränderten Pflanzen als Patente an, um mit dem Verkauf von deren Saatgut jährlich auch Patentgebühren einzutreiben. Besonders schlimm treibt es Monsanto.

Man hoffte, mit den gentechnisch veränderten Pflanzen wie Mais, Weizen, Baumwolle und anderen “cash crops” riesige Monokulturen ohne Fruchtwechsel anbauen zu können. Dazu bekamen Mais und Baumwolle Gene von Bacillus thuringiensis (Bt), damit sie Gifte gegen wichtige Schadinsekten lebenslang in allen Pflanzenteilen selbst produzieren, und Soja und andere Nutzpflanzen wurden gentechnisch resistent gegen das Monsanto-Pestizid Roundup gemacht, das alle Unkräuter vernichtet, nur die gentechnisch veränderten RR-Pflanzen nicht (RR für Roundup-Ready – resistent gegen Roundup).

Dass das Konzept der Giganten nicht aufgehen kann, war von Anfang an klar. Ohne Fruchtwechsel können sich tierische und pflanzliche Schädlinge massenhaft vermehren, und wenn sie immer wieder mit gleichen Giften bekämpft werden, gibt es irgendwann Überlebende, die zu Gründern giftresistenter Populationen werden, ganz wie früher bei DDT geschehen. Werden stärkere Gifte eingesetzt, wiederholt sich der Vorgang, und je häufiger dies geschieht, desto mehr werden die Schädlinge unbekämpfbar.

Schon jetzt sind die Folgen dieser Katastrophe sichtbar. Der Leidensdruck von Menschen, die von den Monokulturen oder in ihrer Nachbarschaft leben, hat schon das Ausmaß der Verzweiflung angenommen. Die wirtschaftlichen Erträge fallen in den Keller. Die Scham, unter solchen Bedingungen die Familie nicht mehr ernähren zu können, hat schon 200.000 Bauern des indischen Anbaugebiets für Bt-Baumwolle in den Freitod getrieben (Greenpeace, GMWatch und India GMinfo). In Südamerika, in Gebieten mit riesigen Monokulturen von RR-Soja, lässt der steigende Einsatz von Roundup und anderen Herbiziden die Raten von Totgeburten und von schweren Missbildungen bei Neugeborenen beunruhigend steigen. So fanden die Ärztin Stella Benitez-Leite und zwei Kolleginnen in einer betroffenen Region in Paraguay, dass von 2.141 Neugeborenen 52 erhebliche Missbildungen aufwiesen (Missbildungsrate über 2%). Zu den besonders schweren Missbildungen gehörte die Anenzephalie (Schädeldecke nicht ausgebildet, Tod nach wenigen Tagen). Die meisten Missbildungen traten im September auf, acht bis neun Monate nach dem südlichen Hochsommer.

Der argentinische Entwicklungsbiologe Andrés Carrasco konnte beim Frosch Xenopus und beim Küken ähnliche Missbildungen erzeugen, indem er die frühen Embryonen mit Roundup oder seinem Hauptwirkstoff Glyphosat behandelte. Die Missbildungen entwickelten sich schon bei einer Giftkonzentration, die 1/5000 der eingesetzten landwirtschaftlichen Dosis betrug. Carrasco gelang es sogar, den Prozess der Missbildung an Kopf und Wirbelsäule biochemisch zu erklären und zu zeigen, dass menschliche Embryonen die gleichen Voraussetzungen für die Entwicklung der gleichen Missbildungen erfüllen. Wie nicht anders zu erwarten, findet Monsanto willige „Wissenschaftler“, die die Erkenntnisse in Bausch und Bogen abstreiten.

Mit RR-Soja („Gensoja“), die massenhaft unter den so schrecklichen Bedingungen in Nord- und Südamerika produziert wird, füttern wir in Europa die Tiere unserer Massenhaltungen. Alternativen zu RR-Soja werden selten, weil Lieferungen von konventioneller Soja absichtlich oder unabsichtlich mit RR-Soja verunreinigt werden. Mit diesem Verschmutzungstrick arbeitet Monsanto schon lange.

Schon das Leid, das durch die Erzeugung von RR-Soja angerichtet wird, ist für PROVIEH ein gewichtiges Argument gegen die industrielle Massentierhaltung und für die ökologische Landwirtschaft, wie sie Felix zu Löwenstein in seinem Buch vorstellt, das in diesem Heft rezensiert wird. Ein Hoch auf Fruchtfolge und traditionelle Zucht, den bewährten Alternativen zu Monokulturen und Grüner Gentechnik.

Sievert Lorenzen