„Moderne Landwirtschaft“ bedroht die Bienen

Biene_446064_web_R_by_Dieter-Haugk_pixelio.de25.11.2011: Die Honigbiene (Apis mellifera) gilt nach Rind und Schwein als das drittwichtigste Nutztier des Menschen. Nutzpflanzen wie Raps und die vielen Gemüse- und Obstpflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen, die zu 80 Prozent von den Honigbienen und zu 20 Prozent von Wildbienen (einschließlich Hummeln) und anderen Tieren geleistet wird. Fehlt die Honigbiene, fehlen auch 80 Prozent der Erträge von insektenbestäubten Pflanzen. Getreide wird vom Wind bestäubt und ist deshalb unabhängig von Bienen. Trotz ihrer Bedeutung wird die Honigbiene von der industriellen Agrarwirtschaft stark bedroht.

Ein Imker gewinnt gegen Monsanto

Imker Karl Heinz Bablok ist hartnäckig. Im Umfeld seiner Bienen baute die Bayerische Versuchsanstalt für Landwirtschaft  2005 den gentechnisch veränderten Mais MON 810 (von der Firma Monsanto) zu Forschungszwecken an. Bablok befürchtete, dass Pollen von diesen Pflanzen als „Verschmutzung“ auch in den Honig gelangt sein könnten, den seine Bienen eingetragen haben. Er ließ Proben von seinem Honig untersuchen, und tatsächlich enthielten sie geringe Mengen der befürchteten Pollen. Also durfte er seinen Honig weder verschenken noch verkaufen und musste seine Ernte auf eigene Kosten in der Müllverbrennungsanlage vernichten lassen. Er verklagte den Freistaat Bayern auf Schadensersatz, bekam aber keinen. Mit Hilfe des ökologischen Imkerverbandes Mellifera e.V. und anderen Unterstützern gelang es Bablok, den Rechtsstreit bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu führen. Dessen Urteil fiel am 6. September 2011 zu Babloks Gunsten aus, obwohl der Saatgutgigant Monsanto als Prozessbeteiligter versucht hatte, ein solches Urteil zu verhindern.

Laut Urteil unterliegt Honig, sobald er auch nur Spuren von gentechnisch veränderten Organismen enthält, dem europäischen Gentechnikrecht und darf dann nicht mehr ohne ausdrückliche Zulassung in Verkehr gebracht werden. Er muss also vernichtet werden, und Bablok kann endlich seinen Schadensersatzanspruch gegen den Freistaat Bayern durchsetzen.

Honig aus Südamerika ist am häufigsten belastet

Bienen-Warben_532829_web_R_K_B_by_Maja-Dumat_pixelio.deHonig hat einen guten Ruf als reines Naturprodukt, Nahrungs- und Heilmittel. Durchschnittlich erwirtschaftet ein Imker in Deutschland 20 bis 30 Kilogramm Honig je Bienenvolk und Jahr, doch damit wird unser Honigbedarf nur zu etwa 20 Prozent gedeckt. Die restlichen 80 Prozent werden aus der Europäischen Union und z.B. aus Südamerika importiert. Den meisten Honig importierte Deutschland 2010 aus Argentinien (21.904 Tonnen) und Mexiko (12.977 Tonnen). In beiden Ländern werden gentechnisch veränderte Pflanzen schon seit Jahren angebaut. Es überrascht daher nicht, dass die Zeitschrift Öko-Test 2009 in fast jeder zweiten Probe aus Importhonig, den der deutsche Einzelhandel anbietet, Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen fand. Damals wurde noch bestritten, dass ein solcher Honig unter das Gentechnikrecht fällt. Das hat sich nach dem jetzigen Urteil geändert, und dass stellt südamerikanische Imker, die für den Export produzieren, natürlich vor Probleme.

Agrarindustrie lässt Bienenvölker sterben

In Deutschland hat sich die Zahl der Imker in den letzten fünfzig Jahren auf etwa 90.000 Imker halbiert. Sie halten rund 750.000 Bienenvölker. Obwohl der Hobbyimkerei der Nachwuchs weitgehend fehlt, sorgt vor allem die Agrarindustrie für den Rückgang der Bienen. Im Mai 2008, nach der Aussaat von Mais, kam es im Oberrheingraben zu einem gewaltigen Bienensterben. Als Ursache wurde ermittelt: Die Maiskörner waren mit dem Beizmittel Poncho Pro der Firma Bayer gebeizt worden, und mit dem Staub beim Säen gelangte dieses Gift über die Blüten und deren Nektar auch in Bienen und tötete diese.

Schädlich für die Honigbiene und die Wildbienen sind auch die riesigen Monokulturen von Mais, Bienen_534559_web_R_K_by_Rita-Thielen_pixelio.deWeizen, Raps und Zuckerrüben, die ganze Landschaftsbilder bestimmen. Einige für Bienen wichtige Nutzpflanzen wie Klee, Luzerne und Ackerbohne werden heute kaum noch angebaut. Wiesenblumen und Kräuter werden entweder mit Pestiziden in Schach gehalten, die für die Bienen zum Teil sehr gesundheitsschädlich sind, oder sie werden frühzeitig abgemäht, um Silage für das Vieh zu ernten. Für die Bienen bleibt hauptsächlich der Raps als Nahrungsquelle, aber der blüht nur wenige Wochen im Jahr. Und dann? Für viele Imker gibt es kaum noch ganzjährig gute Standorte für die Bienen. Eine einseitige Ernährung schwächt zudem das Immunsystem der Bienen und macht sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Der mit Abstand gefährlichste Parasit ist die aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe, die bei den Völkern erheblichen Schaden anrichtet. Leiden Bienenvölker unter diesem Parasiten, überstehen sie oft den Winter nicht.

Für die Arbeit von Honigbienen gibt es keinen Ersatz außer Wildbienen, die wegen der agrarindustriellen Maßnahmen auch schon selten geworden sind. Wir brauchen die Bienen. Schon deshalb müssen wir alles tun, um sie zu schützen, und auch aus diesem Grunde brauchen wir den Wandel von der Agrarindustrie zur bäuerlichen Landwirtschaft.

Christina Petersen

Foto oben: © Dieter Haugk /PIXELIO; Foto Mitte: © Maja Dumat/PIXELIO; Foto unten: © Rita Thielen/PIXELIO