Wie schmeckt Tierschutz? Eberfleischverkostung auf dem Gottorfer Landmarkt

PROVIEH lud am 20.05.2012 auf dem Gottorfer Landmarkt in Schleswig zu einer Verkostung. 545 Menschen nutzten die Gelegenheit, Bio-Salami aus Eberfleisch zu probieren, das aus artgemäßer Haltung von Demeter-Bauernhöfen stammte. Die Testesser wurden eingehend aufgeklärt, warum der Kastrationsverzicht ein wichtiger Schritt zu mehr Tierschutz ist. Auch über den Ebergeruch und die Kampagne „Echte Kerle statt Kastraten“ wurden sie umfassend informiert. Diese Form des Positiv-Marketings scheint die Kunden zu erreichen. Stolze 97,8 % der Verkoster lobten den Geschmack der Wurst und erklärten, sie würden diese jederzeit wieder probieren wollen. Nur 10 Frauen und 2 Männer empfanden den charakteristischen Ebergeschmack als so unangenehm, dass sie die Ebersalami nicht wieder essen würden. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass diese 12 Testpersonen auch auf menschlichen Männergeruch extrem empfindlich reagierten und sie ohnehin kaum Schweinefleisch essen würden.

Die Verkostungsaktion von PROVIEH und Demeter dürfte viele Vorbehalte entkräften, wie sie bislang aus dem Metzgerhandwerk, von Bioschlachtern und kleineren Schlachtunternehmen geäußert wurden. Diese befürchteten nämlich, dass ihnen die Kunden wegblieben, wenn sie das Fleisch geruchsauffälliger Eber vermarkten würden. Zugleich gaben sie zu bedenken, dass Großschlachtereien es wirtschaftlich besser verkraften könnten, die wertvollen Edelteile wie Schinken und Filet zu Wurst, Pökel- oder Räucherwaren zu verarbeiten. Doch die Eberwurst von Demeter-Schweinen würde von den Kunden auch zu einem wirtschaftlich annehmbaren Preis abgenommen, wie die Befragung ergab. Das nährt die Hoffnung, den Verzicht auf die Kastration nicht nur den drei Branchenführern zu überantworten, sondern auch bei Biobauern und Mittelstand zügig voran zu bringen. Denn auch die Schweinezucht hat in den letzten vier Jahren große Fortschritte gemacht und neue Zuchteberlinien auf den Markt gebracht, die weniger stark nach „echten Kerlen“ duften. Inzwischen können Schweinebauern ihre Tiere aus hunderten „geruchsarmer“ Zuchtlinien auswählen, die in Wachstum und Gesundheit den bisher üblichen Eberlinien in nichts nachstehen.

Ohne die Kampagne von PROVIEH und die faire, ergebnisorientierte Zusammenarbeit zwischen Tierschützern, Wirtschaftsvertretern und Tierhaltern wäre der Kastrationsverzicht heute mit Sicherheit noch nicht so weit vorangekommen. „Ebermast? Der Drops ist gelutscht.“, so hieß es im Juni 2011 lapidar auf dem Podium zur Tierschutzdebatte auf dem Veredelungstag des Deutschen Bauernverbandes. „Das neue Thema ist das Kupieren der Schwänze!“

Ein schöner Erfolg für PROVIEH und ein herzliches Dankeschön an alle, die  dazu beigetragen haben.